Basketball

Deutschland hat das EM-Viertelfinale im Blick, bangt aber um Franz Wagner

Das deutsche Team geht kritisch mit der zweiten Hälfte gegen Montenegro um. Wagner befindet sich nach dem umkämpften Sieg in ärztlicher Behandlung.

5 Min
Wird er rechtzeitig fit? Die deutschen Basketballer müssen vor dem Viertelfinale der Europameisterschaft um den verletzten Franz Wagner bangen.

Wird er rechtzeitig fit? Die deutschen Basketballer müssen vor dem Viertelfinale der Europameisterschaft um den verletzten Franz Wagner bangen.

© imago/Camera4+

Anders als zuvor nach dem Sieg der Slowenen, wo Superstar Luka Doncic mal wieder in der Mixed-Zone jede Interviewanfrage ablehnte, indem er einfach schnurstracks zur Kabine marschierte, absolvierten die deutschen Spieler den kompletten Marathon des für Journalisten aufgebauten Parcours im Bauch der Arena am Ostbahnhof. Der Reihe nach schienen sich Johannes Thiemann, Niels Giffey, Daniel Theis und selbst Dennis Schröder nicht nur darin überbieten zu wollen, wer denn am breitesten lächeln kann, sondern gaben auch bereitwillig in nahezu jedem Gespräch Auskunft darüber, warum sie nach einer ersten Hälfte, die sie mit 48:24 gegen Montenegro dominiert hatten, noch in Bedrängnis geraten konnten. Und wenn man es noch etwas drastischer formulieren wollte, sogar fast noch um den Sieg gebracht wurden.

Franz Wagner verletzt sich beim Dreier am rechten Knöchel

Mit 85:79 hatte sich der Favorit Deutschland im Achtelfinale, dem ersten Spiel in Berlin, am Ende durchgesetzt, in der zweiten Hälfte aber nicht nur den Faden, sondern auch noch Franz Wagner verloren. Der Berliner, der seit der vergangenen Saison für die Orlando Magic in der NBA spielt, war gut zwei Minuten vor Ende des dritten Viertels bei einem Dreierversuch in Folge eines Fouls während der Landung mit dem rechten Knöchel umgeknickt und blieb zunächst mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden liegen. Seine drei Freiwürfe verwandelte er noch und wirkte beim Gang auf die Bank so, als wäre der Schrecken größer als die Verletzung gewesen. Dass Wagner nicht mehr zum Einsatz kam und stattdessen mit einem dicken Eisbeutel bandagiert den Rest des Spiels von außen verfolgen musste, ließ bereits nichts Gutes erahnen. „Franz ist extrem wichtig für uns, und ich hoffe, dass er okay ist“, kommentierte Thiemann die Verletzung des 21-jährigen Berliners.

Aber: Selbst eine noch am späten Abend durchgeführte MRT-Untersuchung konnte erst einmal keine Entwarnung bringen. „Nach einer ausführlichen bildgebenden Diagnostik im Unfallkrankenhaus Berlin am späten gestrigen Abend befindet sich Franz Wagner weiterhin in Behandlung durch den medizinischen Staff des DBB. Der weitere Verlauf bleibt abzuwarten“, informierte der Deutsche Basketball Bund am Sonntag in einer offiziellen Mitteilung. Ob Wagner am Dienstag (20.30 Uhr/kostenlos auf MagentaSport) im Viertelfinale spielen kann, blieb damit einen Tag nach dem hart erarbeiteten Erfolg gegen Montenegro offen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Was er der Mannschaft geben kann, hatte er in seinen 21 Minuten auf dem Feld der Arena am Ostbahnhof mal wieder unter Beweis gestellt. Sein Einfluss auf das deutsche Spiel ließ sich gegen Montenegro in 14 Punkten und fünf Rebounds beziffern, ging aber wieder mal weit darüber hinaus. Wenn Wagner auf dem Feld steht, verändert das den Fokus der gegnerischen Verteidigung, zudem ist der 21-Jährige in der deutschen Defensive ein wichtiges Puzzleteil. Eine Mischung aus guter Fußarbeit, Schnelligkeit, körperlicher Robustheit, langen Armen und einer Körpergröße von 2,08 Metern ermöglicht es ihm, nahezu jeden gegnerischen Spieler, egal ob Point Guard oder Center, verteidigen zu können.

Die Probleme der deutschen Mannschaft in der zweiten Hälfte gegen Montenegro nur am Wegbrechen Wagners festzumachen, wäre allerdings zu einfach. Es mag nicht logisch klingen, aber die hohe Halbzeitführung hatte dem deutschen Spiel nicht gutgetan, wie auch Johannes Thiemann andeutete: „Es ist immer schwierig, wenn du so weit vorne bist“, so der Flügelspieler von Alba Berlin. Der Gegner habe im Gefühl des sich anbahnenden Ausscheidens aus dem Turnier keinen Druck mehr gehabt und mit dieser gewonnenen Leichtigkeit auch schwierige Würfe getroffen. „Wir waren dann ein wenig verkrampft, wollten natürlich die ersten Minuten etwas besser gestalten, aber es ist uns gar nicht gelungen“, so Thiemann weiter.

Deutsches Team hat Probleme mit der Zonenverteidigung des Gegners

Was auch an der Umstellung der Montenegriner auf eine Zonenverteidigung gelegen hatte. „Gegen die Zone sahen wir nicht mehr so gut aus, haben die Würfe nicht mehr getroffen, ziemlich viel verlegt“, sagte Daniel Theis. „Es darf nicht sein, dass unsere Offense unsere Defense beeinflusst.“ Die Zonenverteidigung sei zwar auch ein Kompliment gewesen, weil Montenegro das deutsche Team nicht im Mann gegen Mann verteidigen konnte, aber: „Wenn der Ball sich schnell bewegt und wir uns alle besser anstellen, dann müssen sie nach ein paar Minuten aus der Zone rauskommen, weil wir Korbleger und Dreier bekommen. Das haben wir nicht gut gemacht und darum hatten wir noch mal Probleme mit dem Spiel. Am Ende zählt der Sieg, es sind Do-or-die-Spiele, da ist es scheißegal, wie man gewinnt. Hauptsache, man gewinnt“, sagte Theis und ging mit einem breiten Lächeln in die Kabine.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner