Nach Leitzins-Anhebung

Bundesbank: Weitere Zinserhöhungen trotz Rezessionsgefahr

Angesichts der Rekordinflation wirbt Bundesbank-Chef Nagel für weitere Erhöhungen des EZB-Leitzins. Notfalls müsse man auch eine „Durststrecke“ in Kauf nehmen.

Team News dpa jla
2 Min
Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel.

Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel.

© dpa/Britta Pedersen

Die Europäische Zentralbank will sich bei ihrem Kampf gegen die rekordhohe Inflation nach Worten von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel nicht von den trüben Wirtschaftsaussichten beirren lassen. Es sei nicht auszuschließen, dass es geringere Wachstumsraten oder eine Rezession geben werde, sagte Nagel am Sonntag im Deutschlandfunk. Stabile Preise seien jedoch langfristig wichtiger – dafür müsse man Notfalls auch eine Durststrecke überbrücken.

Die EZB hatte am Donnerstag die Leitzinsen um 0,75 Punkte und damit so deutlich wie nie angehoben. Hintergrund ist der rasante Anstieg der Verbraucherpreise, der vor allem dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und den Auswirkungen der Corona-Pandemie geschuldet ist. Nagel gehe davon aus, dass die Inflation im Dezember mit mehr als 10 Prozent ihren Höhepunkt erreichen könnte. Auch für 2023 werde sie mit voraussichtlich mehr als 6 Prozent „deutlich zu hoch“ liegen. Eigentlich strebt die EZB eine jährliche Inflationsrate von 2 Prozent an.

EZB und der Leitzins: Keine Macht dem Sparparadox

Nagel sagte, es gebe Anzeichen, dass sich die Inflation in vielen Bereichen breitmache. Deswegen müsse die Geldpolitik jetzt deutlich „zufassen“, so der Bundesbank-Chef. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Der Bundesbank-Präsident zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass die Tarifpartner bei den anstehenden Lohnverhandlungen ihre „Verantwortung zeigen“.

Die Währungshüter der EZB stecken zurzeit in einem Dilemma: Sie müssen die Geldpolitik straffen, wenn sie die Inflation bekämpfen wollen. Durch die Dämpfung der Nachfrage wird aber der Wirtschaft Geld entzogen, was das Wachstum schwächen und wiederum zu einer Rezession führen kann. Zugleich gibt es die Sorge, dass steigende Zinsen eine Bürde für hochverschuldete Staaten wie Italien sind, wenn sie sich frisches Geld von Investoren leihen wollen.

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