Bei Hertha BSC war zuletzt viel von Aufschwung die Rede, wenngleich sich das nicht am Punktestand ablesen ließ. Aber sei’s drum, der Berliner Bundesligist hatte sich in den letzten Spielen durch ein paar ordentliche Leistungen ja tatsächlich ein ziemlich gutes Gefühl erarbeitet. Nun weiß man nicht so recht, wie dieses 1:1 gegen die TSG Hoffenheim vom Sonntagnachmittag in diesem Zusammenhang zu werten ist. Als weiterer Impuls für den Aufschwung? Oder doch als Dämpfer? Die Leistung der Elf von Trainer Sandro Schwarz vor heimischer Kulisse war jedenfalls eher durchwachsen. Da war zwar ein Wollen, aber nicht ausreichend Können und Klasse, um zu einem Sieg zu kommen. Immerhin gab es in der zweiten Hälfte eine Leistungssteigerung zu verzeichnen.
Schwarz bastelt seit Wochen an einer Achse, lässt im Endeffekt Woche für Woche die gleiche Mannschaft ran. Was er sich im Gegensatz zu dem einen oder anderen Kollegen erlauben kann, weil die Blau-Weißen sich nach dem frühen Ausscheiden im DFB-Pokal auf einen Wettbewerb konzentrieren dürfen. Im Duell mit den ziemlich gut in die Saison gestarteten Kraichgauern kamen in einem 4-3-3-System also erneut Christensen, Kenny, Kempf, Uremovic, Plattenhardt, Sunjic, Tousart, Serdar, Lukebakio, Kanga und Ejuke zum Einsatz. Das ist fraglos eine Elf mit Potenzial, aber auch eine Elf mit Schwächen.
Ein neues Kapitel in Windhorsts Hertha-Story: Lars und die Detektive
Das mit dem Potenzial war erstmals in der achten Minute zu beobachten, als nach einer frühen Balleroberung Suat Serdar mit einem hervorragenden Pass Wilfried Kanga die Chance zum Sololauf Richtung TSG-Tor eröffnete. Kanga machte drei große Schritte, entschloss sich zu einem frühen Abschluss, jagte den Ball aus 14 Metern aber über die Querlatte. Was den Verdacht erhärtete, dass er den Abschluss zu früh gesucht hatte.
In der 16. Minute ergab sich nach einem Einwurf von Jonjoe Kenny und einer Kopfballverlängerung von Lucas Tousart eine weitere Möglichkeit zur Führung, doch Dodi Lukebakio versuchte es mit rechts, obwohl das mit rechts, wie sich auch hierbei offenbarte, nicht wirklich seine Sache ist.
Es hapert also bei der Effizienz im Angriff, aber natürlich nicht nur da. In der Defensive mangelt es mitunter an Konsequenz und Gedankenschnelligkeit. So durfte sich Hoffenheim munter am Toreschießen versuchen. Zunächst Andrej Kramaric, der zwölf Meter vor dem Tor aber in Rücklage geriet und den Ball Richtung Tartanbahn knallte (19.). Dann Munas Dabbur, der mit seinem Schuss aus der Drehung zwar noch Marc Oliver Kempf tunneln, aber Keeper Oliver Christensen nicht düpieren konnte (21.). Schließlich war es Kramaric, der in der 25. Minute das 0:1 erzielen konnte, indem er nämlich in einen ziemlich unplatzierten Schuss von Ozan Kabak lief, diesen Schuss geschickt ins Tor lenkte.
Da war sie plötzlich wieder, diese Verunsicherung
Da war sie plötzlich wieder, diese Verunsicherung, gegen die Schwarz seit Wochen anarbeitet. Und für ein paar Minuten stand für die Fans der Hertha tatsächlich zu befürchten, dass sich ihre Mannschaft womöglich noch vor dem Halbzeitpfiff ein vorentscheidendes 0:2 einfängt.
Da passte nicht mehr viel, da ging vieles schief – bis Lukebakio aus dem Nichts, besser gesagt nach einem Einwurf für Hoffenheim, den Ausgleich erzielen konnte. Chidera Ejuke, der auf dem linken Flügel zuvor komplett wirkungslos geblieben war, hatte aus zentraler Position heraus die Vorarbeit geleistet, Lukebakio gekonnt aus 14 Metern mit einem Linksschuss abgeschlossen. Eine Führung für die Gäste wäre zur Pause dennoch verdient gewesen, allein schon wegen der Doppelchance in der 45. Minute, als Kramaric den Ball gegen die Querlatte jagte, Prömels Nachschuss von Kempf auf spektakuläre Weise von der Linie gekratzt wurde.
Nach der Halbzeitpause etwas mutiger
Was auch immer Schwarz seiner Mannschaft in der Halbzeitansprache zu vermitteln versucht hat – es zeigte Wirkung. Insofern, dass seine Spieler etwas mutiger und aktiver waren. Ejuke ging wiederholt ins Dribbling, schloss auch mal ab. Lukebakio legte sich nach einem geblockten Schuss von Ivan Sunjic zum Seitfallzieher quer in die Luft (56.).
Die Blau-Weißen brachten es auch fertig, dass die Hoffenheimer nur noch selten vor Christensens Tor auftauchten, zumeist mit Abwehrarbeit beschäftigt waren. Und doch hatte die TSG die beste Chance zum Siegtreffer, nämlich in der 75. Minute, als Angelo Stiller mit dem Ball von Sechzehner zu Sechzehner laufen durfte, den Ball auf Christoph Baumgartner durchsteckte. Baumgartner aber verzog zum Glück der Herthaner aus bester Position.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]