Am Ende der Straße stehen drei Mitarbeiter des Ordnungsamts und schreiben ein Auto auf, das dort im absoluten Halteverbot parkt. Ein Einsatz im Aufgebot dieser Größe lässt vermuten, dass die Abgesandten auf der Suche nach eben solchen Sündern durch die umliegenden Straßenzüge patrouillieren. Es entpuppt sich aber doch nur als gezielter Einsatz für dieses eine Fahrzeug, denn genau hier endet der Arbeitseifer. Die Fahrer, die mit ihren Wagen die nur wenige Meter entfernten Straßenecken blockieren, sogar vor Pollern, die Fußgängerüberwege markieren, kommen ungeschoren davon.
Wer, wenn nicht das ohnehin gerade präsente Ordnungsamt soll an innerstädtischen Situationen wie dieser etwas ändern? Kümmern sich die Mitarbeiter nicht, kann man sich darüber ärgern oder es sein lassen und schulterzuckend quittieren. Drohte da nicht diese zeitlich nahende Zuspitzung: Auf der benachbarten Hauptstraße soll die Pop-up-Fahrradspur verstetigt werden, Hunderte Parkplätze sollen im Zuge dieser Maßnahme wegfallen. Es sei deutlich gesagt: Am Vorhaben, Hauptstraßen aufzuhübschen und für den Rad- und Fußverkehr sicherer zu machen, ist nichts zu bemängeln. Nur sollte dabei mitgedacht werden, welche Folgen daraus für die eigentlich verkehrsberuhigten Nebenstraßen resultieren.
Macht den zweiten Schritt nicht vor dem ersten!
Hört man zu, was Verkehrsplaner aus den Städten zu erzählen haben, die in Berlin gerne als Vorbilder für die Verkehrswende genannt werden, Amsterdam oder Kopenhagen, dann fällt ein Ratschlag besonders auf: Schafft erst gute Alternativen zum Auto, denn selbst unter erschwerten Bedingungen (in dem Fall: weniger Parkplätze) werden sich die wenigsten Autofahrer bereitwillig von ihrem Fahrzeug trennen. Anders ausgedrückt: Macht den zweiten Schritt nicht vor dem ersten.
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Wenn nun also im Ist-Zustand bereits Parkverbotszonen und Straßenecken zugestellt sind und die Besitzer nur alle Jubeljahre eine Strafe fürchten müssen, weil kaum kontrolliert wird; wenn Müllabfuhren ihre Touren nicht erledigen können, weil die Tonnen nicht mehr zwischen den eng an eng abgestellten Autos vorbeipassen – dann ergibt sich als Priorität daraus doch an diesem Zustand etwas zu ändern, statt ihn zu verschärfen. Fallen nun bald zigfach weitere Parkplätze weg, braucht es wenig Fantasie, um sich das künftige Straßenbild auszumalen.
Für Anwohner das Gegenteil einer Verbesserung
Der erste Schritt wäre getan, würden die Ordnungsämter über mehr Personal verfügen, das Verstöße konsequent ahndet. Neue Mitarbeiter würden sich finanziell innerhalb kürzester Zeit amortisieren, sofern sie nur ihre Augen offen halten. Es sieht aber so aus, als würden wir doch erst mal den zweiten Schritt gehen – auch wenn das für viele Anwohner das Gegenteil einer Verbesserung bedeutet.
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