Meinen Sie, Berlin hat eine tolle, abwechslungsreiche und preisgünstige Markthallenkultur? Können die Markthalle Neun oder die Arminiusmarkthalle mit ihren Pendants in Istanbul oder Teheran mithalten? Natürlich nicht! Das wird wohl auch nicht der Anspruch der Berliner Verkaufsstätten sein. Trotzdem: Berlin kann sich in Sachen Markthallen einiges beim Chorsu-Basar in Taschkent abschauen.
In der usbekischen Hauptstadt herrscht zwar nicht das mystische Flair von Tausendundeiner Nacht wie in den ehemaligen Oasenstädten Samarkand oder Buchara, denn Taschkent wurde durch ein verheerendes Erdbeben 1966 völlig zerstört. Der letzte verbliebene Ort mit altertümlich orientalischem Anstrich ist die Altstadt. Im Zentrum lädt der größte Basar des Landes, der seit 1570 ein wichtiger Handelsknotenpunkt der Seidenstraße war, zum Flanieren, Probieren und Naschen ein.
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Schon die türkise Kuppel des Basars ragt imposant aus dem Taschkenter Hauptstadtdschungel hervor. Je näher man kommt, desto dichter wird es auf den Straßen, die weißen Chevrolets drängeln, hupen und überholen, wo eigentlich kein Platz zum Überholen ist.
Angekommen am Basar taucht man in die unverwechselbare Geruchs- und Farbenwelt Zentralasiens ein. Usbekistan soll die schmackhaftesten „Torpedos“ – große, länglich-ovale Wassermelonen – haben, die besten Kakis, die köstlichsten Datteln und den feinsten Safran, das Luxusprodukt des postsowjetischen Landes.
Im Innern des Basars befinden sich Käse- und Fleischabteilungen, sowie Essenstände an denen wie hier traditionell Shashlik zubereitet wird.
© imago/Yegor Aleyev
Auf dem Chorsu-Basar gibt es all die Leckereien en masse. Gäste, denen es schwer fällt, sich zwischen Hunderten von Currypulvern und Tausenden von Wassermelonen zu entscheiden, werden für ihren Einkauf mehr als nur zwei oder drei Stunden brauchen. Derweil kämpfen die Händler lautstark um die Gunst der Kunden. „200 Gramm Safran, nur für dich, mein Freund“, sagt ein älterer Verkäufer und verspricht „das rote Gold Usbekistans“ für einen speziellen Preis. Der muss natürlich verhandelt werden, feste Preise haben hier nur Einheimische, bei russischen oder europäischen Touristen und Zugezogenen kann es auch schon mal vorkommen, dass die Produkte einen Preisaufschlag mitbekommen.
Verhandlungssprache ist entweder Usbekisch oder Russisch, mit Englisch kommt man auf dem Basar in der Regel nicht weiter. Jedoch verhalten sich die Preise im Vergleich zu den Markthallen in Kreuzberg und Moabit noch sehr milde. 100 Gramm Currygewürz gibt es umgerechnet für wenige Cents, ein Kilo Datteln für unschlagbare sechs Euro oder eine Flasche guten usbekischen Wodka für vier Euro.
Auf dem Basar haben Sie die Wahl zwischen frischen Kakis und den berühmten usbekischen Wassermelonen.
© Nicolas Butylin
Zwischendurch bietet ein Verkäufer jüngeren Semesters einen Tee an, der aus typischen Pialen – kleinen, traditionell verzierten Teeschalen – überreicht wird. Der Preis für das usbekische Nationalgetränk liegt bei umgerechnet zehn Cent. Ein „Nein“ wird ungläubig entgegengenommen, denn in Usbekistan trinken alle Menschen zu jeder Uhrzeit Tee. Im selben Moment ruft ein Grillmeister und fordert potenzielle Kunden auf, seinen selbstgemachten Plov – ein typisches Reisgericht – oder den frisch brutzelnden Schaschlikspieß zu probieren. Auch hier bewegen sich die Preise zwischen einem und drei Euro.
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Ein Tipp für den Basar-Besuch: Gehen Sie mit einem konkreten Plan in die Markthalle: Welche Gewürze und Früchte brauchen Sie, wie viel Käse und Fleisch können Sie tragen? Sonst laufen Sie Gefahr, sich im zentralasiatischen Schlaraffenland des Gaumenkonsums zu verlieren.
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