Währungen

Gegen den Petro-Dollar: China hat einen langfristigen Plan

Brasilien und Frankreich schließen Deals mit China, die den Yuan stärken. Der Euro könnte der Verlierer im Kampf der Währungs-Giganten sein.

Michael Maier
4 Min
Dollar- und Yuan-Banknoten, fotografiert in Moskau. 

Dollar- und Yuan-Banknoten, fotografiert in Moskau. 

© Kirill KUDRYAVTSEV / AFP

Wenn Emmanuel Macron im Laufe dieser Woche in Peking eintrifft, wird der französische Präsident von einer selbstbewussten chinesischen Führung empfangen werden. China hat mit seinem Ukraine-Friedensplan deutlich gemacht, dass sich das Land in geopolitischen Fragen als globaler Akteur sieht. Als vergangene Woche der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bei seinem Besuch in Peking Staatspräsident Xi Jinping bat, er möge doch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Kontakt aufnehmen, zeigte Xi keine Regung. Peking hat sich schrittweise von den einstigen Kolonialmächten aus dem Westen emanzipiert und will nun auch in der Weltwirtschaft eine gestaltende Rolle übernehmen.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Positionierung der chinesischen Währung Yuan als internationales Zahlungsmittel. Noch ist China weit davon entfernt, die führende Position des Dollar attackieren zu können. Der Dollar macht immer noch 62 Prozent aller weltweit gehaltenen Währungsreserven aus, gefolgt von Euro, Yen, Pfund und dem Schweizer Franken. Die chinesische Währung liegt mit etwa zwei Prozent auf Rang fünf. Ökonomen um Barry Eichengreen von der University of California Berkeley und Camille Macaire von der französischen Zentralbank haben kürzlich eine Untersuchung veröffentlicht, in dem sie das Potenzial des Yuan als Reservewährung analysierten. Die Forscher argumentieren, dass es weder einfach noch schnell sein wird, den Dollar zu ersetzen. Doch stellen immer mehr Länder Teile ihrer Geschäfte auf Yuan um. Die Autoren der Studie sagten, die aktuelle Position des Yuan sei der des US-Dollars in den 1950er-Jahren ähnlich. Demnach könnte es nur wenige Jahrzehnte dauern, bis der Yuan die Parität erreicht.

Doch es ist nicht gesagt, dass der Aufstieg des Yuan auf Kosten der US-Währung geht. Vielmehr könnte es den Chinesen gelingen, den Euro zu überholen. Laut einem Bericht der brasilianischen Zentralbank vom Freitag hat der chinesische Yuan den Euro überholt und ist zur zweitwichtigsten Währung der brasilianischen Devisenreserven geworden, was die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Brasiliens größtem Handelspartner widerspiegelt. Vor 2018 hatten die Brasilianer überhaupt keine Yuan in ihrem Währungskorb. Ende 2022 machte der Yuan 5,37 Prozent der der Bestände der brasilianischen Zentralbank aus und übertraf damit den Anteil des Euro, der bei 4,74 lag. 80,42 Prozent seiner Devisenreserven hält Brasilien in Dollar.

China verfolgt in Brasilien eine langfristige Strategie: Vergangene Woche gaben beide Länder bekannt, bei ihrem bilateralen Handel künftig verstärkt auf ihre eigenen Währungen setzen zu wollen. Brasilien, die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, will künftig Teile ihrer Handels- und Finanztransaktionen direkt durchführen und Yuan in Real und umgekehrt umtauschen – ohne den Umweg des Dollars. „Die Erwartung ist, dass dies die Kosten senken wird, einen noch größeren bilateralen Handel fördern und Investitionen erleichtern wird“, schrieb die brasilianische Handels- und Investitionsförderungsagentur (ApexBrasil) in einer Erklärung. China ist der Hauptabnehmer von Eisenerz, Sojabohnen, Fleisch, Zucker und Zellstoffexporten aus Brasilien.

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Mit dem Abkommen will China laut der staatlichen Website Yicai Global ausdrücklich nicht den US-Dollar als Zwischenwährung eliminieren. Das Abkommen zwischen den Zentralbanken der beiden Länder ziele nicht darauf ab, die Verwendung des Dollars auszuschließen, sondern einen neuen Abrechnungskanal in lokaler Währung zu eröffnen und dadurch die bei grenzüberschreitenden Transaktionen verwendeten Währungen zu diversifizieren, so die Quelle einer chinesischen Staatsbank.

Neben Brasilien verwenden auch Saudi-Arabien und Russland den Yuan häufiger bei der Handelsabwicklung. Die Länder wollen damit Risiken durch Faktoren wie Geopolitik vermeiden, so Zhu Jun, Vorsitzender der Silk Road Fund und ehemaliger Leiter der internationalen Abteilung der Chinesischen Notenbank laut Yicai Global.

Wie langfristig die chinesische Regierung arbeitet, zeigt die Tatsache, dass es eine solche Vereinbarung bereits seit längerem mit Deutschland gibt – Chinas wichtigstem Handelspartner in der EU: Bereits am 28. März 2014 unterzeichnete die chinesische Notenbank eine entsprechende Vereinbarung mit der Deutschen Bundesbank. In einer Präsentation der Bundesbank hieß es damals noch durchaus euphorisch: „Der Finanzplatz Frankfurt will in Zukunft über die Bank of China eine Brücke zwischen dem Yuan und dem Euro schlagen.“ Es ist ungewiss, ob diese Strategie angesichts des rauen Winds im Verhältnis zwischen den USA und China noch umgesetzt werden kann.

Frankreich bereitet sich jedenfalls darauf vor, dass sich das globale Gleichgewicht verschieben könnte: Vergangene Woche wurde bekannt, dass Chinas nationales Ölunternehmen CNOOC und Frankreichs TotalEnergies Chinas ersten Flüssiggas-Handel abgeschlossen hatten, der in Yuan abgewickelt wurde. In Paris hofft man auf vertiefte Gespräche in Peking. Insider verweisen darauf, Emmanuel Macron werde in die seltene Ehre zuteil, einige Stunden mit Präsident Xi verbringen zu können. Macron wird in China übrigens ausschließlich die nationalen Interessen Frankreichs vertreten: Zu einem kurzfristig anberaumten, „trilateralen Treffen“ wird EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Peking fliegen. 

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