Religion

Dann lieber ohne Gott: Warum ich aus der katholischen Kirche ausgetreten bin

Nach vielen Jahren ist unsere Autorin aus der Kirche ausgetreten. Sie fühlt sich vor allem erleichtert.

Christine Dankbar
Christine Dankbar
4 Min
Viel Weihrauch, viele Männer – eine Messe in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale.

Viel Weihrauch, viele Männer – eine Messe in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale.

© Christian Ditsch/imago

Am kommenden Samstag wird in unserer katholischen Kirchengemeinde wieder die Osternacht gefeiert. Der Gottesdienst beginnt um 22 Uhr vor der Kirche mit einem Osterfeuer, an dem die Gläubigen Kerzen entzünden, mit denen sie dann die dunkle Kirche betreten.

Es gibt eine lange Lesung und viele Gebete, bis irgendwann auf einen Schlag die Lichter angehen und die Orgel erklingt. Dann ist Ostern – das höchste Fest der katholischen Christen. Ich werde dieses Jahr nicht dabei sein, vermutlich sogar nie wieder. Bereits Anfang Dezember bin ich nach vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Und ehrlich gesagt bin ich erleichtert darüber.

Das hat nichts mit meinem Glauben zu tun oder den Gottesdiensten und auch nichts mit unserer Gemeinde. Im Gegenteil. Wir sind im Gegensatz zu unseren Bekannten dort keine regelmäßigen Kirchengänger gewesen, aber das hat man uns nie übel genommen. Nach dem Weihnachtsgottesdienst haben sie uns immer mit einem fröhlichen „Bis Ostern!“ verabschiedet.

In der Osternacht dann hat der langjährige Gemeindepfarrer, der unsere beiden Kinder getauft hat, unsere Familie mit feinem Lächeln immer mit besonders viel Weihwasser bespritzt, so nach dem Motto: Die hier brauchen es wirklich. Wäre die gesamte katholische Kirche wie unsere Gemeinde, dann wäre zwar auch nicht alles in Ordnung, ich hätte es aber nie für nötig gehalten, auszutreten.

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Leider ist es aber ganz und gar nicht so. Die katholische Kirche hat sich als Institution im wahrsten Sinne des Wortes so unmöglich gemacht, dass die netteste Kirchengemeinde das Bleiben nicht länger rechtfertigt. Ich habe mich in den vergangenen Jahren mit vielen Leute darüber unterhalten, ob ein Kirchenaustritt nicht der konsequente Schritt sein müsste bei all dem Desaster mit den vertuschten sexuellen Missbräuchen an Kindern, dem Umgang mit queeren Menschen, ja sogar mit jenen, die sich einfach nur vom Ehepartner scheiden ließen.

Eine Kollegin sagte mir dazu, für sie zähle das erst in zweiter Linie. Die Kirche sei für sie die Gemeinde und damit die Gemeinschaft, und der werde sie nie den Rücken kehren. Ich glaube, dass die Kirche genau so seit Jahrhunderten ihre Missstände bewahrt – weil wir uns an der Basis dem Trugschluss hingeben, so schlimm sei alles doch gar nicht.

Eine andere Kollegin erklärte mir, man müsse eben gegen die Übel kämpfen. Das scheint mir der noch größere Trugschluss zu sein. Wer’s nicht glaubt, der muss sich nur über den Synodalen Weg informieren. So wird der Reformprozess genannt, der von unfassbar engagierten Laien (und auch einigen Pfarrern) vor drei Jahren angesichts der skandalösen Vertuschung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche angestoßen wurde.

Das Ganze ist ein einziger Flop. Die gesamte Institution beharrt bockbeinig darauf, dass sich nichts ändern soll. Mittlerweile stehen schon betagte Ordensschwestern in den Versammlungen auf und machen darauf aufmerksam, dass die katholische Kirche am Priestermangel untergehen wird, wenn sich nichts ändert. Auch sie finden kein Gehör. Natürlich nicht, sie sind ja Frauen.

Vielen Menschen, die aus Kirche austreten, geht es ja darum, die Kirchensteuer zu sparen. Ganz ehrlich: Das war auch bei mir der ausschlaggebende Grund. Ich habe es ernsthaft nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren können, dass mein Geld in eine derart verkrustete Struktur fließt. Ich unterstütze jetzt andere Initiativen und empfinde das als sehr viel sinnvoller.

Vormachen sollte man sich dabei allerdings auch nichts: Die Kirche in Deutschland lebt auch von dem Geld der Menschen, die niemals gläubig waren. Die Kirchen bekommen jedes Jahr Millionen Euro an Staatsleistungen. Der Anspruch darauf rührt aus den napoleonischen Kriegen her und ist genauso aus der Zeit gefallen wie die Ansichten der Kirche zur Sexualmoral. Seit sage und schreibe 100 Jahren soll das reformiert werden – bisher ist nichts geschehen.

Ich habe deshalb für mich beschlossen, nicht auf bessere Zeiten zu warten. Das Erzbistum Berlin hat mir nach meinem Austritt einen Brief geschickt, in dem man mir klarmacht, dass ich nicht mehr mit einem kirchlichen Begräbnis rechnen kann und dass ich nun keinerlei kirchliche Ämter bekleiden dürfe. Immerhin: Meine Taufe bleibt gültig. Trotzdem steht für mich fest: In diese katholische Kirche kehre ich nicht mehr zurück.

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