Russland

Russland: Warum erreicht der Rubel ein neues Tief?

Ein Euro kostet in Russland zum ersten Mal seit einem Jahr wieder 92 Rubel. Wirken die Sanktionen? Und was passiert mit der russischen Wirtschaft?

4 Min
Der Rubel verliert in Russland weiter an Wert. Wird das Haushaltsdefizit im Jahr 2023 stärker ausfallen? 

Der Rubel verliert in Russland weiter an Wert. Wird das Haushaltsdefizit im Jahr 2023 stärker ausfallen? 

© Pool Sputnik Kremlin

Der russische Rubel hat in den letzten zwei Monaten gegenüber den westlichen Währungen stark an Wert verloren und aktuell einen neuen Tiefstand erreicht. 

Der Euro kostet am Dienstag an der Moskauer Börse zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder über 92 Rubel. Zum Vergleich: Nach der künstlichen Stabilisierung der russischen Währung konnte man einen Euro im April des letzten Jahres für nur noch 79 oder 80 Rubel bekommen. Lange galt in den letzten Monaten ein Wechselkurs von 82 Rubeln gegen einen Euro. Auch ein US-Dollar ist aktuell für über 84 Rubel statt unter 80 Rubel zu bekommen: ein deutlicher Zuwachs für die US-amerikanische Währung.

Russland: Sorgen um Kapitalflucht und sinkende Öl- und Gaseinnahmen

Woran liegt das? Schon Anfang April hatte sich der Rubel stark gegenüber den westlichen Währungen entwertet: Für einen Euro musste man damals knapp 90 Rubel bezahlen. Die Experten nannten die Befürchtungen über die Kapitalflucht als wahrscheinliche Gründe für die Schwächung des Rubel: Viele westliche Unternehmen hatten damals angekündigt, Russland zu verlassen. Die spekulative Nachfrage nach der westlichen Währung schürte auch die Ängste um die Finanzierung der Staatsausgaben, schätzten die Experten ein. Jedoch war die Erwartung stark, dass die Erholung der chinesischen Wirtschaft und die Zunahme der russischen Ölexporte nach China dem Rubel guttun würden und die russische Währung wieder zulegen würde. 

Die Erwartungen scheinen sich bis heute jedoch nicht erfüllt zu haben. Statt zuzulegen, verliert der Rubel weiter an Wert. Die Nachfrage nach der ausländischen Währung wird in Russland nach wie vor durch den anhaltenden Kapitalabfluss getrieben. Zugleich importiert Russland wieder mehr Waren, also es exportiert: Im Mai hatte das russische Finanzministerium 30,6 Milliarden Rubel Gas- und Öleinnahmen im Haushalt vermisst (umgerechnet nach dem aktuellen Wechselkurs: über 332 Millionen Euro). Im Juni wird Russland demnach zusätzliche Öl- und Gaseinnahmen in Höhe von 44 Milliarden Rubel vermissen. Die Exporte seien „physisch“ lediglich um zwei Prozent zurückgegangen, kommentierte zuletzt der Föderale Zolldienst Russlands. Die fehlenden Staatseinnahmen würden stattdessen mit deutlich niedrigeren Gas-und Ölpreisen in diesem Jahr zusammenhängen. 

Russland: Haushaltsdefizit von zwei Prozent des BIP nicht mehr einzuhalten?

Insgesamt beliefen sich die Ausgaben des russischen Staatshaushaltes in den ersten fünf Monaten des Jahres auf 13,2 Billionen Rubel. Die Einnahmen betrugen dabei nur 9,8 Billionen Rubel. In diesem Sinne hat der russische Finanzminister Anton Siluanow in der letzten Woche angezweifelt, dass Russland das geplante Haushaltsdefizit im Jahr 2023 auf dem Niveau von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufrechterhalten könne. 

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Theoretisch gilt das Prinzip: Je stärker der Euro oder der US-Dollar, desto mehr Rubel kann der Staat aus den Exporten der Energiekonzerne und der anderen inländischen Unternehmen kassieren. Jedoch sind die westlichen Währungen am russischen Markt auch deswegen knapp, weil der Anteil des Rubels am Außenhandel, vor allen an Exporten, nach Angaben der russischen Zentralbank auf 41 Prozent gestiegen ist. Das heißt: Immer öfter bezahlen die russischen Unternehmen ihre Importe mit dem Rubel, oder werden für ihre Exporte mit dem Rubel bezahlt.

Die Geschäfte mit China werden auch zunehmend in Rubel und Yuan abgewickelt. 70 Prozent des gesamten Handels zwischen Russland und China finden nach Angaben des russischen Regierungschefs Michail Mischustin bereits in nationalen Währungen statt. Es kommen also weniger westliche Währungen nach Russland. Das erhöht wiederum die spekulative Nachfrage nach dem US-Dollar und dem Euro, unter anderem für die Zahlungsabläufe bei den steigenden Importen: Diese sind nach Angaben des Föderalen Zolldienstes wieder fast auf dem Vorkriegsniveau. 

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