Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein in Onlinenetzwerken verbreitetes Video mit der mutmaßlichen Enthauptung eines ukrainischen Soldaten als Beleg für die Brutalität Russlands bezeichnet. Die Welt müsse sehen, „wie leichtfertig diese Bestien töten“, sagte Selenskyj am Mittwoch.
Der ukrainische Präsident forderte die Welt zu Reaktionen auf das Video auf. „Das ist ein Video von Russland, wie es ist“, unterstrich der Staatschef in einer Videobotschaft. Es handle sich weder um einen Unfall noch um einen Einzelfall. Der Terror müsse verlieren. Niemand würde es verstehen, wenn die Staatsführer nicht auf das Video reagierten. „Es muss jetzt gehandelt werden!“, forderte der 45-Jährige.
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Ukraine und Russland tauschen über 200 Kriegsgefangene aus
In der Nacht zum Mittwoch war in sozialen Netzwerken ein Video aufgetaucht, in dem ein noch lebender ukrainischer Kriegsgefangener mutmaßlich durch einen russischen Soldaten enthauptet wird. Aufgrund der grünen Blätter an den Bäumen im Hintergrund des Videos ist davon auszugehen, dass es bereits im vorigen Jahr aufgenommen wurde.
Das eine Minute und 40 Sekunden lange Video wird seit Dienstag in Onlinenetzwerken verbreitet. Darin ist unter anderem ein Mann in Kampfanzug mit maskiertem Gesicht zu sehen, der auf Aufforderung eines russisch sprechenden Mannes hinter der Kamera einen am Boden liegenden Mann in Uniform mit einem Messer enthauptet. Die Kamera nimmt auch die Militäruniform des Mannes mit dem Abzeichen der Ukraine auf.
Ukrainischer Außenminister: Russland schlimmer als IS
Der ukrainische Geheimdienst hat Ermittlungen dazu aufgenommen. „Wir finden diese Unmenschen. Wenn es notwendig ist, werden wir sie überall finden, wo sie auch sind: unter der Erde oder aus dem Jenseits“, versprach der SBU-Chef Wassyl Maljuk.
Kiews Außenminister Dmytro Kuleba nannte Russland angesichts des Enthauptungsvideos „schlimmer“ als die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Er forderte den Ausschluss Russlands aus den Vereinten Nationen.
Kreml bezweifelt Echtheit von Enthauptungsvideo
Der Kreml zweifelte die Echtheit des Videos an und forderte eine „Prüfung“. „Wir leben in einer Welt der Fälschungen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das seien „entsetzliche Bilder“, räumte Peskow ein. Doch zunächst müsse festgestellt werden, ob die Enthauptung tatsächlich stattgefunden habe. Anschließend sei zu prüfen, von welcher Seite das Verbrechen begangen worden sei, sagte er.
Wie Experten Beweise für Kriegsverbrechen sammeln
Die UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine teilte mit, man sei „entsetzt“ über das Video. In einem Statement wurde zudem auf ein weiteres Video verwiesen, das online kursiere und „verstümmelte Leichen“ zeige, offenbar von ukrainischen Kriegsgefangenen. Die UN-Mission forderte Ermittlungen, um „die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen“.
EU-Kommission: Keine Information über Wahrheitsgehalt des Videos
Die EU-Kommission erklärte in Brüssel, sie habe keine Informationen über den Wahrheitsgehalt des Videos. Sollte es jedoch authentisch sein, wäre die Tötung eines Kriegsgefangenen „ein schwerwiegender Verstoß gegen die Genfer Konvention“ und würde „einmal mehr die völlige Missachtung des Völkerrechts und insbesondere des humanitären Völkerrechts durch Russland“ zeigen, betonte Kommissionssprecherin Nabila Massrali. Alle Täter und Komplizen von Kriegsverbrechen würden zur Rechenschaft gezogen.
Moskau und Kiew hatten sich immer wieder gegenseitig vorgeworfen, Kriegsgefangene zu töten. Anfang März war ein Video aufgetaucht, das die Erschießung eines ukrainischen Kriegsgefangenen durch russische Soldaten zeigen soll. Die Bilder lösten Empörung in der Ukraine aus. Im November zeigte sich Moskau seinerseits empört über Videos, die die Tötung von einem Dutzend russischer Soldaten zeigen sollen, die sich zuvor der ukrainischen Armee ergeben haben sollen.
Russland wirft Ukraine Hinrichtung von mehr als zehn Kriegsgefangenen vor
Im März hatte die Uno sowohl Russland als auch der Ukraine vorgeworfen, seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 Kriegsgefangene willkürlich ohne Gerichtsverfahren exekutiert zu haben.
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