Mobilität

Großer Bahnstreik am Freitag: Das sollten Berliner Fahrgäste jetzt wissen

Acht Stunden lang fahren keine Züge in Deutschland. Auch die S-Bahn Berlin wird betroffen sein. Fragen und Antworten zu einem Thema, das viele betrifft.

5 Min
Der Schienenverkehr in Deutschland wird erneut teilweise zum Erliegen kommen.

Der Schienenverkehr in Deutschland wird erneut teilweise zum Erliegen kommen.

© Boris Rössler/dpa

„Dieser Streik ist völlig unnütz und unnötig“, sagt Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn (DB). Trotzdem ist es morgen so weit. An diesem Freitag von 3 bis 11 Uhr liegt der Schienenverkehr in Deutschland lahm. Auch Berlin und Brandenburg sind betroffen - unter anderem die S-Bahn. Alles, was Sie wissen müssen, im Überblick.

Was erwartet die S-Bahn-Fahrgäste am Freitag? „Auch bei uns wird gestreikt“, sagte der S-Bahner Robert Seifert, stellvertretender Vorsitzender des EVG-Ortsverbands Berlin. Zwar ist auch bei dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) das Fahrpersonal vor allem bei der Konkurrenzgewerkschaft GDL organisiert. Dafür ist die EVG bei DB Netz gut vertreten, zum Beispiel in der Betriebszentrale in der Pankower Granitzstraße. Auch bei den Fahrdienstleitern in der S-Bahn-Betriebszentrale Halensee sei der Organisationsgrad hoch. Von dort werden rund zwei Drittel der Weichen und Signale im S-Bahn-Netz gesteuert. „Wenn die Kollegen ihren Dienst nicht antreten, reagiert das Leit- und Sicherungssystem, indem es alle Signale auf Rot stellt“, erklärt Seifert. So geschah es auch während des ersten Warnstreiks in der laufenden Tarifrunde am 27. März. Nicht nur bei der S-Bahn, in ganz Deutschland lag die Bahninfrastruktur lahm.

Wie lange wird der Warnstreik diesmal dauern? Die EVG ruft dazu auf, am Freitag vom Betriebsbeginn in der Früh bis 11 Uhr die Arbeit niederzulegen. Es sei gut möglich, dass kurz danach wieder Züge verkehren, erklärte Robert Seifert. „Am 27. März dauerte der Warnstreik bis 15 Uhr, um 15.03 Uhr fuhr die erste S-Bahn“, erinnert er sich. Doch bis sich der S-Bahn-Verkehr wieder normalisiert und auf allen Linien die Züge wieder im gewohnten Takt fahren, werde es wohl bis Freitagnachmittag dauern.

Welche Züge werden am Freitag ebenfalls ausfallen? Der Aufruf zum Warnstreik trifft auch die Deutsche Bahn (DB) und weitere Zugbetreiber wie die Odeg und NEB. Reisende müssen davon ausgehen, dass bis 11 Uhr keine Züge fahren und danach für längere Zeit nur ein Teilbetrieb möglich ist. Weil die EVG Mitglieder in allen Betriebszentralen hat, ist davon auszugehen, dass auch im Fern- und Regionalverkehr alle Signale am Morgen und Vormittag auf Rot stehen werden. „Die DB geht von massiven Auswirkungen des EVG-Streiks auf den gesamten deutschen Bahnbetrieb aus“, so das Unternehmen.

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Wann wird sich bei der DB der Verkehr wieder normalisieren? „Im Regional- und S-Bahnverkehr der DB sollen nach Ende des Ausstands am Freitag zeitnah wieder so viele Verbindungen wie möglich nach dem regulären Fahrplan angeboten werden. Hier kann es im Laufe des Nachmittags noch zu Beeinträchtigungen kommen. Der Fernverkehr der DB wird ab 13 Uhr schrittweise wieder aufgenommen“, teilte die Bahn mit. „Dennoch ist am Freitag bis in die frühen Abendstunden mit bundesweiten Auswirkungen des Streiks auf die ICE- und IC-Züge zu rechnen.“ Das Unternehmen bittet die Fahrgäste, ihre für den 21. April geplanten Fahrten vorzuziehen oder die Reise später anzutreten.

Welche Kulanzregelungen bietet die DB ihren Kunden an? „Alle Fahrgäste, die ihre für den 21. April geplante Reise aufgrund des Streiks der EVG verschieben möchten, können ihr bis einschließlich 18. April gebuchtes Ticket für den Fernverkehr ab sofort bis einschließlich Dienstag, 25. April, flexibel nutzen. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden“, teilte die Bahn am Mittwoch mit.

Welche Alternativen haben die Fahrgäste in Berlin? Wie bei vergangenen Bahnstreiks werden die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) viele Fahrgäste übernehmen. Das Landesunternehmen nimmt nicht an den derzeit laufenden Tarifauseinandersetzungen teil, bis Ende dieses Jahres gilt Friedenspflicht. „Die BVG wird bei den angekündigten Streikmaßnahmen im Bahnverkehr nicht bestreikt“, hieß es am Mittwochvormittag. „Die Busse, Bahnen und Fähren der BVG sind am Freitag, 21. April 2023, also wie gewohnt unterwegs.“ Fahrgäste, die Verbindungen suchen, können bei www.vbb.de oder www.bvg.de die Verkehrsmittel S-Bahn und Bahn ausschließen.

Womit müssen BVG-Fahrgäste am Freitag rechnen? Allerdings müssen die Fahrgäste damit rechnen, dass es voll wird. „Die BVG wird am Freitagmorgen die maximal mögliche Zahl und Größe von Fahrzeugen auf die Straßen und Schienen bringen. Auch die Leitstellen sind vorbereitet, um die erwartbar größere Nachfrage bestmöglich zu managen“, teilte das Landesunternehmen mit. „Trotzdem kann die BVG auch bei vollem Einsatz größere Ausfälle bei der S-Bahn natürlich nicht in vollem Umfang kompensieren. Daher die Bitte an alle Fahrgäste: Haben Sie Verständnis und etwas Geduld und – vor allem – nehmen Sie bitte Rücksicht auf Ihre Mitmenschen.“

Was fordert der Berliner Fahrgastverband Igeb? Wiederholt hat sich die Fahrgastlobby dafür eingesetzt, Zug- und Busfahrten festzulegen, die auch während Arbeitskämpfen gewährleistet werden müssen. Solche Regelungen gibt es zum Beispiel in Italien. Am Mittwoch hat die Igeb ihre Forderung nach einem Notfahrplan bekräftigt.


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