Tina Satter braucht für ihr Stück „House of Dance“, im Original uraufgeführt vor zehn Jahren in New York, nur wenig Dialog. Und wenn die vier Figuren etwas sagen, ist es von großer Belanglosigkeit. Diese Belanglosigkeit steht für das in der Kleinstadt stecken gebliebene Leben, auf das das Stück aus der Metropolenperspektive herabblickt. Ein Satz allerdings kommt in verkümmernden Abwandlungen sogar dreimal vor, wie um sich selbst zu bestätigen: „Riecht noch immer ganz genauso hier.“ Dann: „Riecht immer noch genauso hier.“ Und beim dritten Mal geflüstert: „Wie das riecht.“
Das sagt Gigi, gespielt von Genija Rykova, die sich mit viel Penetranz Zutritt zu einem Kleinstadt-Tanzstudio verschafft. Der Tanzlehrer Martle (Holger Bülow) will sie verscheuchen, und auch Jo am Klavier (Henri Maximilian Jakobs) ist nicht begeistert von Gigis Wiederkehr. Was genau gelaufen ist, erfahren wir nicht. Vermutlich hat Gigi dem Studio den Rücken gekehrt, um Karriere in der großen Stadt zu machen. Das ist einerseits natürlich Verrat, aber fast noch schlimmer ist es, dass sie hier wieder auftaucht und damit eingesteht, dass die Träume, die hier alle haben, platzen, sobald man sie zu realisieren versucht. Toni (Hêvîn Tekin) ist noch getragen von diesen Träumen, wenn auch weniger von Talent. Es ist ihre Einzelstunde, die durch Gigis Rückkehr gestört wird.
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Wurde schon erwähnt, dass es um Stepptanz geht? Und also um Illusionen, die nicht nur unrealistisch und irrelevant, sondern längst aus der Mode sind? Also noch unrealistischer, irrelevanter und altmodischer als Kulturberufsambitionen ohnehin?
Eine solche wieder aufgewärmte Selbstbespiegelung wird einem Festival für internationale neue Dramatik, das mit vielen heißen politischen Themen und mit Beiträgen aus Taiwan, aus dem Iran und einem Fokus zur Wooster Group ins Rennen geht, nicht gerecht. Da hilft auch kein Programmheft, das verzweifelt mit hochtrabenden Texten von Bachelard, Adorno, Nancy, Butler und Valéry herumwedelt. Abgesehen davon trägt der Abend auch einfach handwerklich nicht. Gerade beim Stepptanz merkt man ja sehr schnell, wenn es falsch klappert. Weil die Inszenierung das nicht auffängt, bleibt den Schauspielern nichts anderes übrig, als die Träume ihrer Figuren zu ironisieren und ihre Lebenswelt zu denunzieren. Wer sich so anstellt und so wenig Begabung erkennen lässt, muss schon hoffnungslos verblendet sein, wenn er die Sinnlosigkeit seines Tuns nicht einsieht. So jemand ist sogar zum Träumen zu doof.
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Ein Abend, dessen Grundsituation dermaßen unglaubwürdig ist, kann weder durch ulkige Kostüme, sonstige Spaßmaßnahmen oder einen aufwendigen Soundtrack gerettet werden. Die einzige Emotion, die es zuverlässig über die Rampe schafft, ist die Fremdscham.
House of Dance. 21.–23. April, 13.–16. Mai in der Schaubühne. Die Produktion eröffnet das FIND-Festival, das bis zum 30. April läuft.
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