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Ukraine-Krieg

Russland beklagt beispiellose ukrainische „Sabotage“-Welle

Zwei Drohnen stürzen auf die Spitze des Senatspalasts im Kreml. Russland macht sofort die Ukraine dafür verantwortlich. Eine US-Denkfabrik hält den Angriff für inszeniert.

Team News Maria Windisch dpa/maw/AFP
3 Min
Explosionen im Kreml.

Explosionen im Kreml.

© imago

Russland ist derzeit nach Angaben des Außenministeriums in Moskau einer beispiellosen „Sabotage“-Welle der Ukraine ausgesetzt. „Die terroristischen Aktivitäten und die Sabotage durch die ukrainischen bewaffneten Kräfte erreichen ein beispielloses Ausmaß“, erklärte das Ministerium am Donnerstag. Am Vortag hatte Moskau den Abschuss zweier ukrainischer Drohnen bekannt gegeben, die angeblich den Kreml und Staatschef Wladimir Putin im Visier hatten.

US-Institut: „Drohnenangriffe“ auf Kreml selbst inszeniert

Nach Einschätzung internationaler Militärexperten hat Russland zwei angebliche ukrainische Drohnenangriffe auf den Kreml wahrscheinlich selbst inszeniert. Damit sollten der russischen Öffentlichkeit der Krieg näher gebracht und die Voraussetzungen für eine breitere gesellschaftliche Mobilisierung geschaffen werden, schrieb das in Washington ansässige Institut für Kriegsstudien (ISW) in seinem Bericht am Mittwoch (Ortszeit). Mehrere Indizien deuteten darauf hin, dass der Angriff von innen geführt und gezielt inszeniert worden sei.

In der Nacht zu Mittwoch seien zwei Drohnen zum Absturz gebracht worden, die auf das Kreml-Gelände zugeflogen seien, hatte das russische Präsidialamt mitgeteilt. Russland warf der Ukraine daraufhin einen versuchten Anschlag auf Kremlchef Wladimir Putin vor und drohte mit Gegenmaßnahmen. Die Ukraine wies jede Beteiligung an dem Vorfall zurück.

Über dem Herzen des Kreml: Russland verstärkt Luftverteidigung

Laut der US-Denkfabrik haben die russischen Behörden in letzter Zeit Schritte unternommen, um die Luftverteidigung zu verstärken, auch innerhalb Moskaus selbst. Geolokalisierte Bilder vom Januar 2023 zeigten demnach, dass die russischen Behörden Panzir-Luftabwehrsysteme in der Nähe von Moskau platziert haben, um Luftverteidigungskreise um die Stadt zu schaffen. Es sei daher äußerst unwahrscheinlich, dass zwei Drohnen mehrere Luftverteidigungsringe hätten durchdringen und direkt über dem Herzen des Kremls detoniert oder abgeschossen werden können – und das laut Bericht auf eine Art und Weise, die von einer Kamera gut eingefangen werden konnte, um spektakuläre Bilder zu liefern.

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Laut ISW deutet die sofortige und koordinierte russische Reaktion auf den Vorfall darauf hin, dass der Angriff intern so vorbereitet wurde, dass seine beabsichtigten politischen Auswirkungen die Peinlichkeit überlagert, die ein Einschlag am Kreml bedeuten würde. Mit der Aktion kurz vor dem „Tag des Sieges“ am 9. Mai solle der Krieg für das heimische Publikum als existenziell dargestellt werden.

Russland brieft offenbar Medien

Außerdem hat die Denkfabrik nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass die russischen Staatsmedien auf Geheiß des Kremls eine Anleitung zur Berichterstattung über die bevorstehende ukrainische Gegenoffensive bekommen. Etwaige Erfolge der Ukraine könnten demnach medial heruntergespielt werden. 

Nach Angaben Oppositionszeitung Meduza – auf die sich die Denkfabrik ISW beruft - sind die Medienhäuer jedoch angewiesen, „die Erwartungen an die angekündigte ukrainische Gegenoffensive nicht herunterzuschrauben.“ Demnach könnte Russland möglicherweise im eigenen Land die Behauptung aufrechterhalten, dass der Westen massive Anstrengungen an der Front unternehmen würde. 

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