Schmerzmittel sind eine wunderbare Sache. Die Größe von großen Erfindungen wird uns im kleinen Alltag meist gar nicht bewusst, sondern erst bei echten Problemen. In diesem Fall bei echten Schmerzen.
Bei mir war es ein Unfall am Morgen in Berlin-Mitte, ein Sturz. Eine winzige Unachtsamkeit und dann viele Wochen lang schmerzende Rippen. Und diese Schmerzen haben es in sich. Atmen wird zum Leistungssport. Gips hilft nicht, nur Ruhe, Geduld und Schmerzmittel.
Zu Tabletten greifen wir meist schon bei viel kleineren Ärgernissen. Zum Beispiel die Kopfschmerzen am Tag danach wegen des feuchten Abends davor. Andere nehmen Tabletten wegen Zahnschmerzen, Stress, Lärm oder den ewigen Alltagssorgen. Manche trinken zu wenig Wasser, dehydrieren und greifen zu Aspirin, Ibu & Co.
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So kann Arznei schnell zur Gewohnheit oder gar Droge werden: Die Deutschen nehmen im Schnitt 50 Einheiten Schmerzmittel pro Kopf und Jahr zu sich. In mehr als zwei Drittel der Fälle ohne Rezept
Ich hatte ein Rezept und war froh, dass es richtig gute Präparate gibt. Ich freue mich aber auch, wie wunderbar das Gesundheitswesen in meinem Fall funktioniert hat.
Neun Frauen und eine Mann
Gerade in Berlin haben ja viele die Angewohnheit, ständig und über fast alles zu meckern. Oft zu Recht. Aber sollten wir nicht auch Dinge loben, wenn sie mal klappen? In diesem Fall die Notversorgung nach einem Unfall, bei dem kein Krankenwagen kam, sondern ich selbst zur Praxis ging.
Dabei traf ich auf genau neun Frauen und einen Mann. Die Frauen waren alle freundlich, der Mann war – sorry – ein Blödmann. Die Frauen arbeiteten in Arztpraxen, der Mann war Verkäufer. Bei ihm wollte ich unterwegs eine Flasche Wasser kaufen, konnte mich wegen der Schmerzen aber nicht bücken und bat ihn, hinter seinem Tresen vorzutreten und mir zu helfen. Ich bin jetzt mal so frech und schreibe die Worte auf, die ich dachte, als ich seine Reaktion sah: Ignorant, Igelfurz, Idiot.
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Ganz anders die Frauen in den Praxen. Natürlich sind sie Profis und sollten quasi per Berufswahl empathisch sein, verständnisvoll und hilfsbereit. Doch bei nervigen Alltagspatienten ist das nicht immer so. Bei mir als Notfall klappte es wunderbar. Die Frauen waren bestimmt im Ton, aber höflich. Sie waren mitfühlend, aber nicht mitleidig. Und sie hatten schon genügend Leid gesehen und deshalb die richtige Dosis Berliner Humor.
Ihre Reaktionen taten fast genauso gut wie die ersten Schmerztabletten. Und das nicht nur in den beiden Arztpraxen, auch im Laden für Bandagen und in der Physiotherapie. Dort hatte die Frau den ersten freien Termin zwar erst in vier Wochen, nahm mich aber trotzdem dran. Danke dafür.
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