Landwirtschaftsmesse

35. MeLa mit fast 900 Ausstellern und einer der größten Tierschauen Deutschlands

Bei der größten Agrarmesse Norddeutschlands in Mühlengeez treffen erneut viele Tiere und neueste Agrartechnik auf Landwirte sowie Verbraucher.

Katja Frick
Katja Frick
6 Min
Schaf 702 posiert mit Christin Mondesi, Till Backhaus, Karsten Trunk und Susanne Petersen auf einer Wiese der MeLa in Mühlengeez bei Güstrow.

Schaf 702 posiert mit Christin Mondesi, Till Backhaus, Karsten Trunk und Susanne Petersen auf einer Wiese der MeLa in Mühlengeez bei Güstrow.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf 702 schaute am Montag sehr skeptisch auf die Zweibeiner, die offenbar ebenfalls auf seiner Wiese weideten. 702 ahnt genauso wenig wie sein Artgenosse, dass es und seine Rasse die Stars der diesjährigen Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (MeLa) sind.

Die 35. Auflage findet vom 10. bis 13. September in Mühlengeez bei Güstrow statt. Dann gibt es wieder Tiere im Vorführring zu sehen, modernste Landmaschinen wie riesige Mähdrescher können bestaunt und auch einmal der Sitz in der Fahrerkabine ausprobiert sowie auf dem Freigelände und in den Hallen regionale Lebensmittel verkostet werden.

Die MeLa ist nicht nur die wichtigste Fachmesse Norddeutschlands und wichtig für den Austausch der Landwirte untereinander, sondern auch ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Familien. Nach Angaben der Veranstalter haben sich 872 Aussteller angemeldet. Rund 800 Tiere sollen auf dem Gelände gezeigt werden. Insgesamt präsentieren 255 Züchter Tiere aus 161 Rassen. Die Messe ist an allen vier Tagen jeweils von 9–18 Uhr geöffnet.

Das Pommersche Landschaf als vierbeinige Gendatenbank

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf ist eine alte Nutztierrasse, die als robust gilt und an die Witterungsverhältnisse im Nordosten angepasst ist. Zwischenzeitlich war es stark gefährdet. Am Freitag, 11. September, widmet sich das Fachforum der Rasse. Anschließend ist eine bundesoffene Schau des Pommernschafs vorgesehen.

„Das Pommersche Landschaf ist eine Gendatenbank auf vier Beinen. Heute ist die Schafzucht vor allem auf möglichst schnellen Fleischzuwachs ausgelegt. Aber wir wissen alle nicht, wie sich das Klima entwickeln wird, und daher ist es wichtig, die Gene des Pommerschen Landschafs als Kulturgut zu erhalten, vielleicht brauchen wir für die Tierhaltung irgendwann die Fähigkeiten, die diese Rasse hat“, sagt Susanne Petersen bei der Pressekonferenz zur MeLa 2026. Die frühere Tierärztin aus Qualitz ist die Vorsitzende des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes MV.

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Ein großer Teil der MeLa dreht sich um Tierzucht und Tierhaltung. Geplant sind unter anderem Landestierschauen, Wettbewerbe für Fleischrinder und Landschafe, Landeselite-Stutenschauen sowie Präsentationen von Rassegeflügel und Rassekaninchen. Hinzu kommen Schauscheren, Schaumelken und das Hüten von Schafen. „Alle Arten von Nutztieren sind 2026 vertreten“, sagt Landwirtschaftsminister Till Backhaus.

„Pferd + Hund“ mit Reitturnier und Agility

Von Freitag bis Sonntag gehört das Turnier „Pferd + Hund“ zum Messeprogramm. Reiter treten in Prüfungen verschiedener Leistungsklassen an. Den sportlichen Höhepunkt bildet ein Springen der schweren Klasse. Bei der MeLa-Kür verbinden die Teilnehmer vorgegebene Dressurlektionen mit einem selbst entwickelten Programm und eigens ausgewählter Musik.

Auch Hunde sind auf dem Messegelände in mehreren Formaten zu erleben. Das Agility-Turnier beginnt am Freitag und läuft am Wochenende weiter. Die Hunde müssen dabei gemeinsam mit ihren Haltern einen Parcours möglichst schnell, in der richtigen Reihenfolge und fehlerfrei bewältigen.

Zusätzlich sind Vorführungen des Landesjagdhundeverbandes, eine Comedy-Dog-Show und Programmpunkte rund um die Ernährung und das Verhalten von Hunden geplant. Präsentationen zum Westernreiten und weitere Pferdeschauen ergänzen das Angebot.

Moderne Landtechnik trifft auf historische Maschinen

Auf dem großen Freigelände zeigen Hersteller und Händler aktuelle Maschinen und technische Lösungen für landwirtschaftliche Betriebe. Gleichzeitig können Besucher historische Landmaschinen in Aktion erleben.

Die Technikschau greift das Jubiläumsmotto auf: Die MeLa blickt auf ihre Geschichte zurück, will aber auch aktuelle Entwicklungen und Zukunftsfragen der Branche präsentieren.

Spektakulär wird es bei den Shows der STIHL Timbersports Series. Am Samstag und Sonntag treten Sportholzfäller mehrfach mit Axt und Säge an. Zu sehen sind unter anderem das Durchschlagen massiver Holzblöcke und Wettbewerbsdisziplinen mit einer etwa zwei Meter langen Zugsäge.

Waldarbeiter messen sich mit Axt und Motorsäge

Die Forstwirtschaft ist außerdem mit den Waldarbeitermeisterschaften vertreten. Der Wettbewerb beginnt am Donnerstag und wird am Freitag und Samstag fortgesetzt. Dabei müssen die Teilnehmer Aufgaben wie Präzisions- und Kombinationsschnitte, Entasten oder einen schnellen Kettenwechsel an der Motorsäge bewältigen.

Einweihung des ersten festen Gebäudes der MeLa, errichtet durch Stieblich Hallenbau aus Güstrow: Uwe Stieblich, Till Backhaus, Christin Mondesi und Karsten Trunk (v.l.).

Einweihung des ersten festen Gebäudes der MeLa, errichtet durch Stieblich Hallenbau aus Güstrow: Uwe Stieblich, Till Backhaus, Christin Mondesi und Karsten Trunk (v.l.).

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Entscheidend ist nicht nur die Geschwindigkeit. Bewertet werden ebenso Genauigkeit, Qualität und Arbeitssicherheit. Weitere Vorführungen zur Holzverarbeitung und zum Baumklettern sollen den Besuchern einen Einblick in unterschiedliche Tätigkeiten der Forstwirtschaft geben.

Bauerntag: Agrarexperten der Parteien treffen Landwirte

Ein Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsgewinnung. Für die Kinder-MeLa sind mehr als 3000 Schüler angemeldet. Am Donnerstag und Freitag gibt es spezielle Veranstaltungen für Schulklassen. Dazu gehören eine kindgerechte Tierschau und eine Schnitzeljagd über das Messegelände.

Neben den Publikumsvorführungen dient die MeLa als Treffpunkt für den fachlichen und politischen Austausch. Insgesamt sind 13 Veranstaltungen im Fachforum vorgesehen.

Hoch her gehen wird es vermutlich am Freitagvormittag. Nur eine Woche vor der Landtagswahl bringt der MeLa-Bauerntag die Spitzenkandidaten und Agrarexperten der Parteien zusammen, denen aktuelle Umfragen den Einzug in den Landtag zutrauen. Mit dabei werden sein: Till Backhaus (SPD), Leif-Erik Holm (AfD), Daniel Peters (CDU), Dirk Bruhn (Die Linke), Claudia Müller (Bündnis 90/Grüne), Uwe Ahlers (FDP) und Sabine Firnhaber (BSW).

Unter dem Motto „Zukunft für Acker, Stall und Dorf – Die Zukunftsarena vor der Landtagswahl“ geht es ab 10 Uhr im Festzelt um zentrale Fragen: Welche Zukunft hat die Nutztierhaltung? Wie lassen sich Investitionen und regionale Wertschöpfung stärken? Welche Perspektiven bieten die Parteien dem ländlichen Raum? „Die nächste Landesregierung wird wichtige Weichen für die Zukunft unserer landwirtschaftlichen Betriebe und des ländlichen Raums stellen“, sagt Bauernpräsident Karsten Trunk. „Der Bauerntag bietet die Gelegenheit, die Konzepte der Parteien direkt zu vergleichen, Fragen zu stellen und sich kurz vor der Wahl ein eigenes Bild zu machen.“

Erstes festes Gebäude der MeLa nach 35 Jahren eingeweiht

Zehn Unternehmen und Organisationen sind sogar seit der ersten MeLa dabei. Eines davon ist Stieblich Hallenbau aus Güstrow. Das von Uwe Stieblich 1990 gegründete erfolgreiche ostdeutsche Unternehmen baut heute weltweit Industriehallen. Dazu gehört nun auch das erste feste Gebäude der MeLa. Die Halle wurde von der Firma innerhalb weniger Monate fertiggestellt, und das, obwohl wegen der Blockierung der Straße von Hormus in Deutschland kein Stahl lieferbar war - zwingend notwendig für eine Halle mit einer Grundfläche von 25 mal 70 Metern.

Das neue feste Gebäude wird auf der MeLa Halle 4, dient auch als Veranstaltungsort außerhalb der Messe sowie dem Bevölkerungsschutz.

Das neue feste Gebäude wird auf der MeLa Halle 4, dient auch als Veranstaltungsort außerhalb der Messe sowie dem Bevölkerungsschutz.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Uwe Stieblich nahm Kontakt zum Walzwerk Salzgitter auf und machte das Unmögliche möglich: Die Halle konnte am Montag eingeweiht werden. Sie wird zur Ausstellungshalle 4 auf der MeLa und ermöglicht auch außerhalb der Messe Veranstaltungen. Zudem kann sie bei Katastrophen für den Bevölkerungsschutz eingesetzt werden.

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