Die dänische Reederei Maersk will den Einsatz von Windkraft auf Containerschiffen erproben. Dafür soll ein mittelgroßes Containerschiff mit einem 35 Meter hohen Rotorsegel ausgestattet werden. Das berichtet die britische Financial Times unter Berufung auf Angaben des britischen Unternehmens Anemoi, das die Anlage entwickelt.
Bei dem System handelt es sich demnach nicht um ein klassisches Segel. Ein senkrecht stehender Zylinder wird in Rotation versetzt. Der dabei entstehende sogenannte Magnus-Effekt erzeugt zusätzlichen Schub und kann dadurch den Antrieb des Schiffes unterstützen. Das Rotorsegel soll laut Financial Times im vorderen Teil des Schiffes installiert werden.
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Windkraft wird auf anderen Schiffen bereits genutzt
Ole Graa Jakobsen, der Maersk für die Flottentechnik zuständig ist, bezeichnete das Projekt laut Financial Times als Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln. Anschließend soll geprüft werden, welche Bedeutung die Technik für die eigene Flotte und die Containerschifffahrt insgesamt haben könnte.
Bisher kommen solche Systeme laut Financial Times vor allem auf Tankern zum Einsatz, die mehr freien Platz an Deck haben. Auch Massengutfrachter und Autotransporter werden dem Bericht zufolge damit ausgerüstet. Zudem werden dem Bericht zufolge andere Technologien entwickelt, wie etwa einziehbare Faltsegel. Der Einsatz von Windkraft sei auf Containerschiffen bislang schwieriger als auf anderen Schiffstypen.
Nach Angaben von Nick Contopoulos, dem kaufmännischen Leiter von Anemoi, fehlt dort häufig der benötigte Platz an Deck, weil dieser für Container gebraucht wird. Contopoulos sieht laut Financial Times dennoch einen Vorteil: Da Containerschiffe regelmäßig auf bestimmten Routen eingesetzt werden, könnten Strecken mit besonders günstigen Windbedingungen gezielt genutzt werden.
Chancen für Emissionseinsparungen
Anemoi zufolge kann ein Rotorsegel unter geeigneten Bedingungen täglich etwa eine Tonne Treibstoff einsparen. Pro Segel sollen rund drei Tonnen CO₂-Emissionen weniger entstehen. Ein einzelnes Rotorsegel kostet dem Bericht zufolge zwischen 600.000 und 1,2 Millionen US-Dollar, ohne Montagekosten. Üblicherweise werden nach Angaben der Financial Times drei bis fünf Rotorsegel an einem Schiff eingesetzt.
Wie groß der tatsächliche Vorteil für die Reedereien ist, hängt nach Einschätzung von Peter Jameson von der Boston Consulting Group von Schiff und Fahrtroute ab. Gegenüber der Financial Times bezifferte er die mögliche Treibstoffersparnis auf fünf bis 25 Prozent. Unter besonders günstigen Bedingungen könne sie auch darüber liegen.
Hürden für Umsetzung
Die hohen Investitionskosten gelten laut Jameson inzwischen als größere Hürde als die technische Umsetzung. Häufig komme der Schiffseigner für die Anschaffung auf, während der Charterer von einem niedrigeren Treibstoffverbrauch profitiere, sagte Jameson der Financial Times. Es könne lange dauern, bis sich die Investition für den Schiffseigner rechne.
Hintergrund sind unter anderem strengere Klimavorgaben für die Schifffahrt. Die EU hat den Seeverkehr seit 2024 in ihr Emissionshandelssystem einbezogen. Außerdem gelten laut Financial Times neue Vorgaben zur Verringerung der Emissionsintensität der eingesetzten Kraftstoffe. Gleichzeitig arbeitet die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) an weiteren Klimaschutzregeln für die Branche. Die Schifffahrt ist dem Bericht zufolge derzeit für etwa drei Prozent der weltweiten jährlichen CO₂-Emissionen verantwortlich.
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