Kirche

Antisemitismusbeauftragter: Verhüllung antijüdischen Reliefs

Ein Relief im Brandenburger Dom sorgt für Gesprächsstoff: Das antijüdische Motiv soll nun verhüllt werden. Was hält der Antisemitismusbeauftragte davon?

dpa
2 Min
ARCHIV - Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung.

ARCHIV - Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung.

© Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild

Der Gemeinde in Brandenburg ist die antijüdische Bedeutung des Reliefs nach eigenen Angaben bewusst. Die Schmähplastik aus dem 13. Jahrhundert zeigt eine Sau mit menschlichem Antlitz und jüdischer Kopfbedeckung, an deren Zitzen andere Lebewesen hängen. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein.

Das Relief im Kreuzgang des evangelischen Doms bleibt zwar an seinem historischen Ort, soll aber künftig verhüllt werden, wie ein Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erklärte. Wann die Stelle auf zwei Metern Höhe verhängt werden soll, steht noch nicht fest. „Es gibt keine inhaltlichen Themen mehr, die vor der „visuellen Beseitigung“ noch zu klären sind, sondern nur noch technisch-ästhetische“, so der Sprecher. Seit etwa zehn Jahren gibt es bereits einen Aufsteller vor der Plastik, auf dem inhaltlich Position bezogen wird.

„Nicht nur in Brandenburg, sondern in vielen Kirchen in Deutschland haben die architektonischen Hinterlassenschaften die Frage nach der Kontinuität des christlichen Judenhasses vom Mittelalter bis zur Gegenwart aufgeworfen“, sagte der Antisemitismusbeauftragte Klein. Ein ähnliches Relief findet sich unter anderem an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg. Hier hält Klein den bewussten Umgang mit der eigenen Geschichte für unzureichend. Die Kirchengemeinde hatte kürzlich ein Informationsschild zur „Judensau“ angepasst und angekündigt, langfristig eine Dauerausstellung einzurichten, die über Antijudaismus informieren soll.

In den bisherigen Debatten über den Umgang mit den Schmähskulpturen habe sich gezeigt, dass es nicht etwa nur einen richtigen Weg gebe, sich der Geschichte zu stellen, betonte Klein. Jeder einzelne Fall sei gesondert zu betrachten. „Stets muss jedoch einbezogen werden, dass verunglimpfende und herabsetzende Darstellung, auch wenn sie historisch sind, auch heute noch Menschen verletzen, auch heute noch wirken.“

  • [object Object]
Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner