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Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger: Menschenrechtler kritisieren litauische Polizei

Haben die Behörden in Vilnius nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann zu langsam reagiert? Das litauische Zentrum für Menschenrechte geht davon aus.

Manuel Almeida Vergara
Manuel Almeida Vergara
3 Min
Rammstein-Frontmann Till Lindemann, hier bei einem Konzert im vergangenen Jahr.

Rammstein-Frontmann Till Lindemann, hier bei einem Konzert im vergangenen Jahr.

© imago images

Wenige Tage ist es her, dass Shelby Lynn ihre Vorwürfe publik gemacht hat. Sie und andere Fans seien am Rande eines Rammstein-Konzerts im litauischen Vilnius unter Drogen gesetzt worden, schrieb die Irin auf Sozialen Medien, dazu veröffentlichte sie Bilder von blauen Flecken und Verletzungen sowie Chatverläufe mit weiteren angeblichen Opfern.

Was in Vilnius tatsächlich passiert ist, bleibt weiterhin unklar. Rammstein selbst hatten auf ihrem Twitter-Kanal am Sonntag lediglich ein Statement veröffentlicht, demzufolge die Band „zu den im Netz kursierenden Vorwürfen zu Vilnius“ ausschließen könne, „dass sich was behauptet wird, in unserem Umfeld zugetragen hat.“ Denn: „Uns sind keine behördlichen Ermittlungen dazu bekannt.“

Tatsächlich hatten weder Shelby Lynn noch andere angeblich Geschädigte Aussagen bei der litauischen Polizei gemacht. Allerdings nicht, so zumindest stellt es Lynn dar, weil es kein Bedürfnis gegeben hatte, sich den Behörden mitzuteilen. Berichten zufolge soll die Polizei vor Ort nur langsam reagiert haben.

Die litauischen Behörden gaben an, die Frau habe sich an sie gewandt und sei medizinisch versorgt worden; ein Vorverfahren sei indes nicht eingeleitet worden,  Shelby Lynn kehrte schon am Folgetag in ihre Heimat zurück, heißt es in einem Bericht des Senders Lithuanian Radio Television. Lynn selbst berichtete später, ihr sei kein weiterer Bluttest entnommen worden, der Spuren von Drogen hätte offenbaren können.

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Ein fünfstündiges Verhör via Videotelefonat fand erst Tage später statt

Nun gab Lynn an, eine eingehende Aufnahme der möglichen Geschehnisse hätte erst am Dienstag innerhalb eines fünfstündigen Verhörs über das Internet stattgefunden. „Ich habe gerade fast fünf Stunden mit der litauischen Polizei per Video telefoniert“, schrieb sie auf Twitter. „Sie haben endlich eine offizielle Stellungnahme von mir entgegengenommen und mir eine Referenznummer gegeben.“ Sie sei „unglaublich enttäuscht darüber, wie die ,Profis‘ damit umgehen.“

Am Donnerstag (1. Juni) schaltete sich dann das litauische Zentrum für Menschenrechte ein. Sie werde den parlamentarischen Menschenrechtsausschuss um eine Untersuchung bitten, so die Organisation; zur Frage stünde, ob die Strafverfolgungsbehörden in solchen Situationen angemessen agierten. „Die Situation hat viele Fragen hinsichtlich der Fähigkeit der litauischen Polizei und der Rettungssanitäter aufgeworfen, angemessen auf eine mögliche Drogenvergiftung und mögliche sexuelle Übergriffe zu reagieren“, heißt es in einem Statement.

Laut des Senders Lithuanian Radio Television sagte Jūratė Juškaitė vom Litauischen Zentrum für Menschenrechte außerdem, die Verabreichung von Drogen im Zusammenspiel mit sexualisierten Gewalttaten stelle ein drängendes Problem dar, dass in seiner Gänze lange noch nicht erfasst sei. Dass es nur wenige solcher Fälle in Litauen gäbe, nur weil wenige Fälle zur Anzeige gebracht würden, sei eine falsche Schlussfolgerung.

Der litauische Polizeisprecher Ramunas Matonis gab indes an, Shelby Lynn selbst habe zunächst abgelehnt, einen entsprechenden Bericht zu verfassen. „Es muss klargestellt werden, dass es heutzutage kein Problem mehr ist. Die meisten unserer Beamten sprechen Englisch“, sagte Matonis außerdem, nachdem zwischenzeitlich auch die Frage im Raum stand, ob ein umfassendes Verhör wegen sprachlicher Barrieren nicht stattgefunden hatte.

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