Die Gewalt in den Freibädern nimmt hierzulande von Jahr zu Jahr zu. Auch in diesem Sommer ist es in Berlin das Thema Nummer eins. Ob in Talkshows, bei politischen Reden oder der privaten Wochenendplanung: Ist der Freibadbesuch überhaupt noch sicher, und braucht es künftig wirklich mobile Polizeieinheiten, um einfach nur baden zu können? Wie gehen eigentlich unsere europäischen Nachbarn mit den Problemen in den Freibädern um?
In Frankreich kam es im Juni und Juli zu landesweiten gewaltvollen Protesten, nachdem ein Polizist den Jugendlichen Nahel Merzouk in Nanterre getötet hatte. In der Folge waren besonders staatliche Einrichtungen wie Rathäuser, Straßenbahnen oder Amtsstuben Ziele von Krawallen und Plünderungen. Berichte über Schlägereien und Übergriffe in französischen Freibädern findet man in deutschsprachigen Medien jedoch nicht.
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Spuckattacken und Joints in Frankreich
Allerdings kam es in den vergangenen Jahren auch in Frankreich immer wieder zu Auseinandersetzungen in Freibädern. Im Schwimmbad „Les Thermes de Luynes“ in Tours – 250 Kilometer südwestlich von Paris – sorgten zwischen 40 und 50 junge Männer für Unruhe. Sie sollen Badegäste und Personal beleidigt und bespuckt haben, am Beckenrand rauchten sie Joints. Der einzige Security-Mitarbeiter im Bad konnte die Situation nicht auflösen.
Im Freibad im niederländischen Het Knoopenbad kühlen sich Kinder ab.
© ANP/imago
„Sie hatten keinen Respekt vor uns, sie hörten uns nicht zu“, sagte eine Rettungsschwimmerin einer lokalen Zeitung. „Als wir etwas zu ihnen sagten, griffen sie uns verbal an.“ Die Heranwachsenden sollen durch Absperrungen geklettert sein und laut Aussagen der Betreiber das Freibad-Areal massiv beschmutzt haben. Daraufhin verdreifachten die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen; die Gemeinde ihrerseits plante, Minderjährigen vorübergehend den Zugang zu verbieten, wenn sie nicht von einem Erwachsenen begleitet werden.
Bodycams gegen Gewalt in den Niederlanden
Auch in den Niederlanden ergriffen lokale Behörden strikte Maßnahmen, um Belästigungen durch zumeist junge Leute zu unterbinden. Die Gemeinde Terneuzen – wenige Kilometer westlich von Antwerpen – hat beispielsweise immer wieder Probleme mit Badegästen aus dem nahegelegenen Belgien. Dabei soll es sich um Jugendliche handeln, die bereits in mehreren Schwimmbädern Zugangsverbot hätten und sogar extra aus Brüssel anreisen würden. Die belgischen Männer haben wiederholt für schlechte Stimmung in den Bädern gesorgt. Das berichtete der Sender Omroep Zeeland.
Nun sind die Bäder in der Region zum Teil nur noch für Einwohner der Gemeinde sowie einiger angrenzender niederländischer Orte zugänglich. Neben einer Ausweispflicht für Personen über 14 Jahren wurde auch das Personal in den Bädern mit Bodycams ausgestattet – also Videokameras, die am Körper getragen werden. „Der Großteil der Badegäste begrüßte die Kameras“, sagte eine Frau am Kassenhäuschen, „es hat eine positive Wirkung.“ Zudem steht zu Stoßzeiten auch ein Mannschaftswagen der niederländischen Polizei in unmittelbarer Nähe zum Bad, falls es zu Problemen kommt.
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Auch in Belgien verstärkt man Kontrollen
Etwas südlicher – in Belgien – kämpft man ebenfalls gegen die zunehmende Gewalt in den Schwimm- und Freibädern an. Ob in Kortrijk, Gent oder Mons: Mehrere dutzend Personen wurden in der Vergangenheit auf sogenannte schwarze Listen gesetzt. Das entspricht einem Hausverbot, das mal für einen Monat ausgesprochen wird, mal für drei Monate. Insbesondere Belästigungsfälle gegenüber Frauen sorgen für Ärger in den Schwimmbädern.
In polnischen Schwimmbädern ist es weitaus ruhiger als in den Berliner Bädern.
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Die Belgier hatten schon in vorpandemischen Zeiten Identitätskontrollen am Eingang der Bäder eingeführt. „Es ist nur eine unserer Strategien, damit wir unsere Bäder wieder sicherer machen“, sagte ein Freibad-Betreiber in Kortrijk. Ein weiteres Problem sei der exorbitante Cannabis-Konsum in den Freibädern, wofür man noch keine effektiven Lösungen parat habe.
Ruhige Bäder in Polen und Tschechien?
In unseren östlichen Nachbarländern, in Polen und Tschechien, scheint die Badewelt noch in Ordnung. Die polnischen und tschechischen Medien berichten viel mehr vom „Terror“ oder den „Gewaltorgien“ in Berliner Schwimmbädern. Umgekehrt loben lokale Tageszeitungen aus beiden Staaten das Freibad im tschechischen Mezimesti – auf Deutsch Halbstadt –, das sich knapp 150 Kilometer östlich von Görlitz befindet.
Anwohner hätten das Freibad in einer Umfrage zum beliebtesten Naherholungsort der Region ausgewählt. Neben dem Schwimmbad gibt es dort Kletternetze, man kann Fußball und Volleyball spielen, und besonders der Minigolf-Platz sowie die Tischtennisplatten seien sehr beliebt. Von Berliner Verhältnissen ist man im polnisch-tschechischen Grenzgebiet anscheinend weit entfernt.
In Österreich sind die Sorgen vor „Berliner Verhältnissen“ besonders groß.
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In Österreich hat man Sorge vor „Berliner Verhältnissen“
Vor „Berliner Verhältnissen“ warnen auch einige Medien in Österreich. In der Hauptstadt Wien sind das Simmeringer Bad oder Laaerbergbad die Pendants zum Columbia- und Prinzenbad. „Da werden die Mitarbeiter etwa von Jugendgangs mit Fahrradketten bedroht und es gibt sexuelle Übergriffe, Grapschereien und Raufereien“, sagt Rudolf Grötzer, ein ehemaliger Mitarbeiter eines Stadtbades gegenüber Österreich 24. Die Stadt müsse mehr für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter tun, so Grötzer.
Schulungen und Deeskalationsteams sollen in Wien, Graz und anderen Orten dafür sorgen, dass die „Berliner Verhältnisse“ nicht nach Österreich überschwappen. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Polizeibehörden soll in Zukunft ausgebaut werden; neue Alarmierungssysteme werden rund um die Schwimmbäder implementiert, und die Aktion „Rettungsanker für Frauen“ soll nicht nur in der Wiener Gastro- und Clubszene, sondern auch in den Bädern umgesetzt werden. Die Kampagne soll sensibilisieren und gleichzeitig Handlungswerkzeuge mitgeben, um Frauen, die belästigt wurden, bestmöglich zu unterstützen.
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