Die Europäer werden ärmer. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist der Konsum in 20 Ländern der Eurozone seit Ende 2019 um etwa ein Prozent zurückgegangen und in den Vereinigten Staaten parallel um fast neun Prozent gestiegen. Über die Tendenz berichtet die amerikanische Zeitung The Wall Street Journal (WSJ).
Auf die EU entfallen heute etwa 18 Prozent des weltweiten Verbrauchs und auf die USA bereits 28 Prozent, obwohl die Zahlen vor 15 Jahren gleich hoch waren. In Deutschland sind die Reallöhne seit 2019 um etwa drei Prozent, in Italien und Spanien um 3,5 Prozent und in Griechenland um sechs Prozent gesunken. Gleichzeitig stiegen die Reallöhne in den USA im gleichen Zeitraum um etwa sechs Prozent.
Wirtschaft in der Eurozone nur um sechs Prozent gewachsen – in den USA um 82 Prozent
Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds ist die Wirtschaft der Eurozone in den letzten 15 Jahren nur um etwa sechs Prozent gewachsen – gegenüber 82 Prozent in den USA. Laut einem Bericht des Europäischen Zentrums für internationale politische Ökonomie, einer Denkfabrik für Politikforschung mit Sitz in Brüssel, ist das durchschnittliche Land in Europa jetzt ärmer als jeder Bundesstaat der USA außer Idaho und Mississippi. Der Mittelstand leidet demnach am meisten.
Das Ende des deutschen Wohnungsbaus: „Das ist Gift für den sozialen Frieden“
Abwanderung der deutschen Industrie: „Das ist ein neuer Schlag in die Magengrube“
Die Franzosen würden jetzt weniger Foie gras (Gänseleber, Anm. d. Red.) essen und weniger Rotwein trinken, die Spanier würden beim Olivenöl sparen, und die Finnen müssten an windigen Tagen, an denen der Strom günstiger sei, in die Sauna gehen, schreibt die Zeitung. In Deutschland sei der Fleisch- und Milchkonsum auf den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten gesunken, und auch der Bio-Lebensmittelmarkt sei neulich geschrumpft. Italiens Wirtschaftsminister Adolfo Urso habe im Mai ein Treffen einberufen, weil die Nudelpreise um das Doppelte der Inflationsrate gestiegen seien.
Die Gründe für die derzeitige missliche Lage Europas sind laut dem Bericht nicht neu: Die Alterung der Bevölkerung führt zu einem schleppenden Wirtschaftswachstum. Zudem ziehen immer mehr Menschen der Arbeit ihre Freizeit vor. Unterbrochene Lieferketten infolge der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, steigende Energie- und Lebensmittelpreise hätten die Situation verschärft, stellt das WSJ fest.
Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! [email protected]
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]