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Ukraine-Krieg

Experte: „Kein Durchbruch“ – Ist die ukrainische Gegenoffensive ein Flop?

Ein ehemaliger britischer Offizier analysiert im Telegraph die Gegenoffensive in der Ukraine. War der Westen zu optimistisch?

3 Min
T-72-Panzer nehmen an Schulungen für Offensiveinsätze in der Ukraine teil.

T-72-Panzer nehmen an Schulungen für Offensiveinsätze in der Ukraine teil.

© Ukrinform/Imago

Als Anfang Juni die Ukraine ihre Gegenoffensive startete, herrschte im Westen großer Optimismus. Mittlerweile sind fast zwei Monate vergangen und die ukrainische Regierung selbst musste die Ziele der Offensive überdenken. Einem Bericht von Richard Kemp zufolge, pensionierter Offizier der britischen Armee, hat der Krieg bislang keinen „bedeutenden Durchbruch“ erlebt.

„Es lohnt sich zu fragen, ob die Gegenoffensive der Ukraine jemals erfolgreich sein kann“, schreibt Kemp in der britischen Tageszeitung Telegraph. Der 64-Jährige analysiert die Siege der Ukraine in Charkiw und Cherson im vorigen Herbst. „Damals rückten die Streitkräfte Kiews gegen einen sich zurückziehenden Feind vor, der sich entfernte, um Truppen neu zu verteilen und Raum gegen Zeit zu tauschen“, so Kemp. Die Russen hätten dann ihre Streitkräfte mobilisiert und ausgedehnte Verteidigungslinien gegraben, die es ihnen ermöglicht hätten, die Situation zu kontrollieren.

Laut Kemp wäre jetzt die einzige Option für die Ukraine, Frontalangriffe gegen stark verteidigte Stellungen zu starten. Dieses Szenario erinnert den Offizier an den Ersten Weltkrieg, mit Grabenlinien, die von der Schweiz bis an die Küste reichten. „Vier Jahre lang gelang keiner Seite der entscheidende Durchbruch“, schreibt der britische Oberst, der von 1977 bis 2006 Dienst geleistet hat. So viel Zeit würden die Ukrainer aber nicht haben, weil im Jahr 2024 Donald Trump womöglich noch einmal US-Präsident werden könnte und Europa mit der Zeit wegen des Krieges ermüdet. „Präsident Selenskyj muss sich dessen bewusst sein“, so Kemp.

Ist die Ukraine bereit für einen langjährigen Krieg?

Die Frage, die sich der Offizier stellt, ist, ob die Ukraine militärisch, politisch und wirtschaftlich bereit für einen langjährigen Krieg sei. Zudem habe das britische Außenministerium vor einigen Monaten die russischen Befestigungsanlagen in der Ukraine als „einige der umfangreichsten Systeme militärischer Verteidigungsanlagen, die es jemals auf der Welt gab“, beschrieben. „Die Ukraine ist in allen militärischen Fähigkeiten bereits zahlenmäßig unterlegen. Aufgrund des gravierenden Mangels an gepanzerten Fahrzeugen geht Kiew dieser Gegenoffensive mit großer Vorsicht entgegen“, so Kemp.

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Verschiedene aus dem Westen gelieferte Panzer und Infanterie-Kampffahrzeuge seien bei früheren Erkundungsangriffen außer Gefecht gesetzt worden. Die Ukraine werde daher den Großteil ihrer übrigen Anlagen zurückhalten, um zu viele weitere Verluste zu vermeiden. Laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes war ein Angriff der Ukrainer am 8. Juni auf ein russisches Minenfeld südlich von Mala Tokmachka besonders kostspielig. Dort sollen die 33. Mechanisierte Brigade und die 47. Angriffsbrigade der Ukraine drei ihrer 14 Panzer Leopard 2A6, 16 ihrer 109 Schützenpanzer M-2 und drei ihrer sechs technischen Fahrzeuge Leopard 2R verloren haben – angeblich innerhalb weniger Minuten.

Mitte Juni bat der ukrainische Vize-Außenminister Andrij Melnyk Berlin darum, mehr Kampffahrzeuge zu senden. „Die ukrainische Armee braucht dringend mehr westliche Kampfpanzer, Schützenpanzer und andere gepanzerte Fahrzeuge“, sagte der ehemalige Botschafter in Berlin. Diese Forderungen wurden nochmals am Mittwoch vom ukrainischen Präsidentenberater Michailo Podoljak gestellt. Sein Land benötige „insbesondere 200 bis 300 gepanzerte Fahrzeuge“ sowie „60 bis 80 F-16-Kampfjets, um den Luftraum gut abzuriegeln“, sagte Podoljak der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview.

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