Der russische Rubel stürzt immer weiter ab und hat am Montag gegenüber den westlichen Währungen einen neuen Tiefstand erreicht.
Der Euro kostete am Montagmorgen an der Moskauer Börse zum ersten Mal seit dem 23. März 2022 wieder 110 Rubel, oder fast 20 Prozent mehr als noch Ende Juni. Nach der künstlichen Stabilisierung der russischen Währung konnte man einen Euro im April des letzten Jahres lange für nur noch 79 oder 80 Rubel bekommen. Auch ein US-Dollar ist aktuell für über 101 Rubel zu bekommen: ein Zuwachs von 20 Prozent zum Stand Ende Juni für die US-amerikanische Währung. Allein in den ersten zwei Augustwochen ist der Rubel somit sieben Prozent an Wert verloren: So viel wie im gesamten Juli nicht.
Der Rubel stürzt weiter ab: Weder der Yuan-Verkauf noch mehr Öllieferungen nach China helfen
Es wurden viele Hoffnungen mit der Entscheidung der russischen Zentralbank verbunden, die Yuan-Reserven aus dem sogenannten Nationalen Wohlfahrtsfonds Russlands zusätzlich im Wert von 288 Milliarden Rubel (umgerechnet nach dem neuesten Wechselkurs: 2,74 Milliarden Euro) auf dem freien Markt zu verkaufen. Der Yuan-Verkauf ist am 1. August gestartet und sollte die russische Währung vor dem weiteren Absturz retten. Doch das ist bisher nicht passiert.
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Auch die gestiegenen Öl- und Gaslieferungen nach China haben dem Rubel bisher nicht geholfen. Nach den letzten offiziellen Angaben importierte China im Juni eine Rekordmenge von 10,5 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland, oder 44 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Russland hat damit im ersten Halbjahr 2023 sogar Saudi-Arabien als chinesischen Öllieferanten Nummer eins überholt. Der Preis für das russische Urals-Öl ist dabei zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder auf rund 65 US-Dollar gestiegen. Auch die russischen LNG-Lieferungen haben sich im ersten Halbjahr um 66 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 3,89 Millionen Tonnen im Wert von 2,67 Milliarden US-Dollar erhöht. Doch diese Lieferungen können die ausgefallenen russischen Lieferungen in den Westen noch lange nicht vollständig kompensieren.
Russland: Rubel erreicht neues Rekordtief – Das sind drei Gründe dafür
Was bedeutet der Rubel-Absturz für die russische Wirtschaft? Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert in diesem Jahr dem wegen des Angriffs auf die Ukraine weitgehend sanktionierten Land ein Wachstum von 1,5 Prozent, und das trotz der offiziellen Inflation von bis zu sieben Prozent. Doch es gibt wirtschaftliche Tendenzen im Land, die den Rubel weiterhin abschwächen:
Erstens, die Nachfrage nach dem Euro und dem US-Dollar bei Importeuren steigt, weil die Importe nach Russland sich erholt haben. Auch die jüngsten Einschränkungen der russischen Nachbarstaaten haben die Grau- bzw. die sogenannten Parallelimporte noch nicht wesentlich reduziert. Die Importe von neuen Autos aus China brechen alle Rekorde, aber auch Gebrauchtwagen aus Japan wurden zuletzt verstärkt eingeführt. Der russisch-chinesische Handel findet zwar zum Großteil in nationalen Währungen statt, doch auch westliche Währungen haben noch nicht komplett an Bedeutung verloren. Die starke Nachfrage nach diesen beim mangelnden Angebot schwächt den Rubel weiter ab, genauso wie der anhaltende Kapitalabfluss wegen des Rückzugs der westlichen Unternehmen.
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Zweitens, neue Deviseneinnahmen infolge der seit dem Juni verbesserten Öl- und Gasexporte reichen noch nicht aus, um die Spekulationen auf dem Währungsmarkt zu zügeln. Der weitere Anstieg der Exporterlöse wird weiterhin durch Sanktionen und geopolitische Einschränkungen gebremst, wie neulich bei der Entscheidung der argentinischen Regierung, eine LNG-Lieferung aus Russland zu blockieren. Die Gas- und Ölpreise waren im Vergleich zum letzten Jahr immerhin deutlich gesunken, und das wird den Rubel noch lange belasten.
Russland: Schwacher Rubel gleich mehr Staatseinnahmen?
Drittens, kleinere Nebenfaktoren wie das Ende der Steuerperiode Ende Juli in Russland spielen eine Rolle. Am Ende jedes Monats verkaufen russische Exporteure normalerweise ihre Devisenerlöse, um Steuern in Rubel zu zahlen, was die russische Währung stützt. Nach dem Ende des russischen Steuerzeitraums hat sich das Angebot der Exporteure an Devisen auf dem Markt jedoch verringert. Die Nachfrage der Bevölkerung steigt parallel aber, auch aufgrund der Ferienzeit.
Die russische Zentralbank erklärt den immer schwächeren Rubel mit den Importen, die die russischen Exporte in der Summe gerade übertreffen würden. Experten vermuten jedoch, dass sowohl die Zentralbank als auch das Finanzministerium am schwachen Rubel Interesse haben könnten: Schließlich fließen auch mehr Rubel aus den Energieexporten in den löchrigen Staatshaushalt, wenn die Währung schwächer ist. Um andererseits der Inflation etwas entgegenzusetzen, erhöhte die Zentralbank am 21. Juli den Leitzins bereits auf 8,5 Prozent. Eine weitere Erhöhung im September auf 9,5 Prozent wird bereits diskutiert.
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