Ukraine-Krieg

Russland feiert „komplett russisches“ Flugzeug – der Motor hat aber einen Haken

Die Boeings und Airbus werden nicht mehr geliefert. Nun präsentiert Russland einen „Importersatz“: einen neuen SJ-100 mit einem umstrittenen Triebwerk.

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Ein älteres Suchoi-Superjet-100-Flugzeug hatte viele Komponenten aus dem Ausland, nun soll es sich ändern. 

Ein älteres Suchoi-Superjet-100-Flugzeug hatte viele Komponenten aus dem Ausland, nun soll es sich ändern. 

© EPA FILE

Schon im März 2022 hatten die Hersteller Boeing und Airbus infolge der russischen Invasion in der Ukraine die Lieferung von Ersatzteilen, Wartung und technische Unterstützung für russische Fluggesellschaften eingestellt. Auch Leasingverträge für neue Flugzeuge wurden aufgrund von Sanktionen gekündigt. 

Die russischen Behörden haben seitdem immer wieder einen „komplett russischen Importersatz“, also ein eigenes, komplett in Russland hergestelltes Flugzeug versprochen. Nun präsentiert der russische Hersteller Suchoi, genannt nach dem Chefkonstrukteur Pawel Suchoi, die Ergebnisse seiner Arbeit.

Das Unternehmen, das zu 100 Prozent zum russischen Luftfahrtkonsortium OAK gehört und letztendlich auch Teil des staatlichen Konzerns Rostec ist, hat am Dienstag in Komsomolsk am Amur, im russischen Fernost, einen Prototyp des neuen Flugzeugs SJ100 getestet. Das teilte das russische Ministerium für Industrie und Handel mit. Es hätten sich während des Tests ein stabiler Betrieb aller Haushaltssysteme, die Steuerbarkeit und die Stabilität in der Luft bestätigt, hieß es.

Man feiert das Programm zur Importsubstitution von Systemen und Komponenten und den Erfolg „vieler Tausender Teams von Unternehmen aus der Flugzeugbau- und Funkelektronikindustrie, die Teil des Staatskonzerns Roctec sind“. 

Wegen der Sanktionen: Russland hat noch keine eigenen Triebwerke parat

Russischen Entwicklern sei es gelungen, ihre eigenen Designlösungen und Technologien zu implementieren und in das Flugzeug einzubauen, darunter Avionik, Fahrwerk, Hilfsaggregat, integriertes Steuerungssystem sowie Stromversorgungssysteme, Klimaanlage, Brandschutz, lobt das Ministerium. Was es jedoch lieber nicht erwähnt: In dem neuesten „Ersatz-Flugzeug“ wird noch das französisch-russische SaM146-Triebwerk eingesetzt. Die Suchoi-Superjets schulden ihren schlechten Ruf genau den Problemen mit dem PowerJet SaM146: Die vom französisch-russischen dem Joint Venture PowerJet entwickelten Triebwerke hatten in der Vergangenheit immer wieder einen Konstruktionsfehler aufgewiesen, wie die russische Seite behauptete, insbesondere wegen der französischen Hochdruckkomponenten.

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine war der französische Partner Safran Aircraft Engines aus dem Joint Venture ausgetreten, und die französischen Teile in den alten Triebwerken durften nicht mehr in Frankreich repariert werden. Bessere Triebwerke hat der russische Importersatz noch nicht zur Verfügung. Der zweite Prototyp soll irgendwann mit inländischen PD-8-Triebwerken fliegen, heißt das neue Versprechen, doch diese werden noch geprüft und getestet.

Die Nachricht sorgt in Russland sowohl für Begeisterung als auch für Spott: Nach dem Absturz der neuesten Mondsonde Luna-25 ist das Vertrauen in die einheimischen Entwicklungen bei vielen weiter gesunken.  

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