Vor dem Start der dritten Staffel der Krimiserie „Only Murders in the Building“ haben die Autoren ein paar geschickte PR-Twists gesetzt, um die Vorfreude auf die neuen Folgen zu steigern. So wurde zum Start der Dreharbeiten im März dieses Jahres ein Bild von der Hauptdarstellerin Selena Gomez im Brautkleid veröffentlicht. „Ratet mal, was gerade passiert ist“, hatte der Produzent und Hauptdarsteller Steve Martin unter den Schnappschuss geschrieben.
Eine kleine Anspielung auf Martins Komödienklassiker „Vater der Braut“, aber auch die Gelegenheit für den einstigen Disney-Kinderstar Selena Gomez, in einer edlen Hochzeitsrobe zu posieren. Im wahren Leben allerdings ist die 31 Jahre alte Sängerin und Schauspielerin schon verheiratet – und zwar mit sich selbst.
Lange Zeit sorgte die Texanerin mit ihrer On-off-Beziehung zu Popstar Justin Bieber für Furore, doch der ehelichte nur kurze Zeit nach der Trennung das Model Hailey Baldwin. Ein harter Schlag für Gomez, die in den Jahren zuvor schon unter schweren gesundheitlichen Problemen, unter Depressionen und Panikattacken litt. Ihren Fans berichtet sie aber auch davon, wie sie sich davon befreien und zu sich selbst finden will. Ihre hart erkämpfte Selbstliebe krönte Gomez im Sommer 2022 mit einem ganz besonderen Ereignis – sie heiratete sich selbst.
„Ich dachte immer, dass ich bis zu meinem 30. Geburtstag verheiratet sein würde. Also schmiss ich mir eben selbst eine Hochzeit“, erklärte sie damals. Kürzlich konnte die Sängerin schon ihren ersten Hochzeitstag feiern. Mit dem Prozedere, das sich Sologamie nennt, zeigt Gomez: Eheschließungen können eine sehr vielfältige Sache sein – auch wenn rein rechtlich gesehen dann doch nicht alles geht.
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Sologamie: Juristisch nicht anerkannt
Vielleicht ist Carrie Bradshaw schuld. In einer Folge der Kultserie „Sex and the City“ verkündete sie 2003, sich selbst zu heiraten. Sie hatte genug davon, dass sie ihren Freundinnen ständig Hochzeitsgeschenke kaufen musste, während sie selbst nie zum Zug kam. Seitdem haben es viele Stars der Serienfigur gleichgetan.
Das brasilianische Topmodel Adriana Lima zum Beispiel hat sich 2017 selbst geheiratet. Damals schrieb sie auf Instagram: „Der Ring ist symbolisch, ich verspreche mich damit mir selbst und meinem Glück und ich bin mit mir verheiratet.“ Längst gibt es in Japan, Kanada, den USA oder Großbritannien Anbieter, die das passende Equipment anbieten. So machte in Kyoto eine Agentur Schlagzeilen mit einem zweitägigen Hochzeitsevent, bei dem sich die Braut ihr Traumkleid aussucht, gestylt und fotografiert wird. Und auf der Webseite imarriedme.com wird die „Self-Wedding-In-A-Box“ verkauft. Für 70 Dollar bekommt die Braut einen Silberring und Karten für ihr Ehegelübde.
Dokumentiert ist die Selbstheirat bereits seit den Siebzigern. 1993 heiratete die Amerikanerin Linda Baker öffentlichkeitswirksam sich selbst, was später im Film „I Me Wed“ verarbeitet wurde. Auch auf dem Festival Burning Man wurden in den Neunzigern an sich selbst gegebene Ja-Worte zelebriert. Während Befürworter darin wahlweise ein Bejahen des eigenen Selbst oder einen anti-patriarchalen Akt sehen, monieren Kritiker eine narzisstische Praxis, die auf ein geringes Selbstwertgefühl hindeute.
Juristisch betrachtet aber bleibt die Selbstheirat folgenlos, weil sie weder in Europa noch in Nordamerika anerkannt ist. Die Sologamie führt also, gänzlich unromantisch gesprochen, zu keinen rechtlichen und steuerlichen Vorteilen.
Objektophilie: Eine Schwedin heiratet die Berliner Mauer
Die 2015 verstorbene schwedische Modellbauerin Eija-Riitta Wallis Winther Arja Nikki Lee Eklöf nannte sich selbst Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer. Sie erfand den Begriff der „objectum sexuality“, fühlte sich also von Gebäuden und Gegenständen angezogen.
Von der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin war die Schwedin dermaßen fasziniert, dass sie nach ihrer Vorstellung am 17. Juni 1979 eine Ehe mit der Berliner Mauer einging. Sie engagierte einen Animisten, nach dessen Glaube lebende Wesen wie unbelebte Objekte eine Seele besitzen. Der Mann gab vor, mit der Mauer zu kommunizieren und für diese auch das Ja-Wort zu geben. Seit dieser „Eheschließung“ führte Eklöf ihren Namen.
Ihren Entschluss, die Heirat mit einer Sache zu zelebrieren, kommentierte sie wie folgt: „Man muß eigensinnig sein und darf nicht ein Nein für ein Nein halten.“ Die Berliner Mauer sei „the best and sexiest wall ever existed“. Seit dem Mauerfall sah sie sich als Witwe an: „Ich war am Boden zerstört, hatte ja alles verloren. Dieser 9. November war die größte Tragödie meines Lebens.“
Der norwegische Künstler Lars Laumann widmete der Schwedin 2008 den Film „Berlinmuren“, der im Rahmen der Berlin Biennale in einem eigens zu diesem Zweck errichteten Pavillon gezeigt wurde.
Der Tag des Mauerfalls: Nicht alle vollführten aus diesem Anlass Freudentänze.
© imago
Das Phänomen der Objektophilie ist sehr selten. Unbelebte Gegenstände wie Maschinen, Autos oder Bauwerke werden als eigenständiges, quasi-personelles Gegenüber wahrgenommen und als anziehend empfunden. Ein weiteres prominentes Beispiel: die Amerikanerin Erika „Aya“ Eiffel, deren „Eheschließung“ mit der berühmten Pariser Sehenswürdigkeit im Jahr 2007 ein weltweites Medienecho auslöste.
Einfach nur skurril: Was man sonst noch so heiraten kann
Nicht immer geht die Liebe zu Dingen so weit, dass man den Namen ändert und sich einem Objekt komplett verschreibt. Manchmal zählt auch einfach nur die Symbolik. So gab die Sekretärin Jannene Swift aus Los Angeles 1976 einem 50 Pfund schweren Felsbrocken das Ja-Wort. Sie wollte damit ihre besondere Bindung zur Natur ausdrücken.
Eine skurrile Ehe ging 2007 auch eine Frau in Indien ein. Die 60-Jährige heiratete statt eines Mannes ein Buch. Das auserwählte Schriftstück war die Shrimad Bhagavad Gita, eine heilige Schrift des Hinduismus. Als Grund dafür gab die Frau an, sie habe keine Lust gehabt, einen Mann zu heiraten, und stattdessen ihr Leben dem Glauben gewidmet.
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