Eine unscheinbare Höhle im Norden Israels birgt eine kleine Sensation. Schon lange bevor der moderne Mensch existierte, nahm hier eine erstaunlich „komplexe Kultur“ Gestalt an.
Die Höhle liegt am Rand von Fureidis, einer Kleinstadt südlich von Haifa. Seit einiger Zeit graben dort Forscher der Israelischen Altertumsbehörde und der Universität Haifa.
Ein Fenster, das 400.000 Jahre in die Vergangenheit blicken lässt
Die Spuren menschlicher Aktivität reichen von vor 400.000 bis 250.000 Jahren zurück. Damals war diese Region eine geografische Drehscheibe zwischen Eurasien und Afrika.
Hier trafen verschiedene archaische Menschengruppen aufeinander. Die ersten Bewohner der Höhle waren dabei keine Menschen, wie wir sie heute kennen, sondern Vertreter einer viel älteren Linie.
Sie gehörten zum sogenannten Acheulo-Yabrudien-Komplex – einer Kultur, die Vor-Neandertalern oder einer bislang unbenannten archaischen Menschenform zugeschrieben wird. Sie durchstreifte Westasien, lange bevor Neandertaler und Homo sapiens die Region erreichten.
Faustkeile, Tierknochen und Spuren von Wasser
Besonders interessiert die Ausgräber die Bandbreite der Steinwerkzeuge. Gefunden wurden kleine, scharfe Faustkeile, Schaber und Klingen, hergestellt mit erstaunlich ausgefeilten Methoden.
Dazu kamen Tierknochen von Damhirschen, Gazellen und Wildpferden. Auch Hinweise auf Wasser fanden sich am Ort.
„Der Fundort ist nicht weniger bedeutend als die bekannte Stätte Nahal Me´arot und stammt aus derselben Zeit“, sagt Kobi Vardi, Leiter der Abteilung für Vorgeschichte bei der Altertumsbehörde, laut einer übersetzten Mitteilung. Das Wasser könnte den Platz für umherziehende Jäger und Sammler besonders attraktiv gemacht haben.
Zum Vergleich: Die nahe gelegene Stätte Nahal Me´arot zählt wegen ihrer Bedeutung für die Erforschung der menschlichen Evolution zum UNESCO-Welterbe.
Amit Gabay, Kobi Vardi (beide Israelische Altertumsbehörde) und Ron Shimelmitz (Universität Haifa, v. l. n. r.) mit den gefundenen Faustkeilen.
© Emil Aladjem / Israel Antiquities Authority
Die Samen unserer komplexen Kultur
Für die Forscher sind die Funde mehr als alte Steine und Knochen. Sie deuten auf den Beginn eines Verhaltens hin, das später Neandertaler wie moderne Menschen prägen sollte.
„Die allmählichen Veränderungen dieser Zeit nahmen vieles von dem vorweg, was Neandertaler und moderne Menschen später auszeichnete“, erklärt Ron Schimelmitz, Archäologe an der Universität Haifa. Man könne sie als die Samen sehen, aus denen unsere komplexe Kultur erwuchs.
Ein zentraler Schritt: Die Menschen begannen, in größeren Gruppen zu leben und länger an denselben Orten zu bleiben. Höhlen aus dieser Zeit zeigen intensiven Gebrauch von Feuer und ein reges Lagerleben.
Genau solche Entwicklungen machten den Menschen am Ende zur beherrschenden Art des Planeten. Sie verteilten sich über Zehntausende Jahre und viele Regionen. In dieser Höhle bei Haifa aber verdichtet sich ein Stück dieses langen Weges zu einem einzigen, bemerkenswerten Fund.
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