Kommentar

44 Spieler für den neuen Bundestrainer: Jürgen Klopp spielt 3-D-Schach

Bundestrainer Jürgen Klopp nominiert für seinen ersten DFB-Kader gleich 44 Spieler, darunter einige Überraschungen. Ein mehrdimensionaler Schachzug.

4 Min
Nominierungs-PK: Bundestrainer Jürgen Klopp verkündet seine Kader.

Nominierungs-PK: Bundestrainer Jürgen Klopp verkündet seine Kader.

© IMAGO/Jürgen Kessler

Es ist so weit. Das Warten hat ein Ende. Was würde der neue Bundestrainer Jürgen Klopp anders machen als seine Vorgänger? Anders als Julian Nagelsmann? Und welche der 57 Spieler, von denen er bei seiner Vorstellung sprach, schaffen es wirklich zum DFB? So etwa lauteten die Fragen, bevor Klopp am Donnerstag die Liste der Spieler präsentierte, die es für die Länderspiele gegen die Niederlande, Serbien und zweimal gegen Griechenland in den Kader geschafft haben. Oder besser gesagt: in die Kader.

Zwei Kader, 44 Spieler

Denn Klopp nominierte für seine ersten Spiele mit der Nationalmannschaft gleich zwei Kader. Insgesamt 44 Spieler dürfen sich in den nächsten zwei Wochen bei Klopp zeigen. Ein Novum für den DFB. Und nicht nur aus den Gründen, die Klopp selbst genannt hat, ist es ein kluger Schachzug des neuen Bundestrainers.

Für Klopp geht es bei vier Länderspielen zum einen darum, die einzelnen Spieler nicht zu sehr zu belasten. Zum anderen möchte er „so viele Spieler wie möglich kennenlernen und so viele Eindrücke wie möglich von ihnen bekommen“.

Beides ergibt Sinn. Zum einen betonte Klopp immer wieder den Austausch mit den Vereinstrainern, auf die er mehr als seine Vorgänger Rücksicht nehmen wolle, wenn es um die Belastung der Spieler gehe. Zum anderen ist es auch in seinem Interesse, wenn sie fit bleiben. Außerdem hilft es ihm natürlich, möglichst viele Spieler genauer einschätzen zu können, wenn er bei zukünftigen Lehrgängen nur noch einen Kader nominieren will.

Lohnt sich der Mega-Kader?

Hierin bietet Klopp auch Angriffsfläche. Kritiker mögen nun fragen: Warum müssen Spieler, die in einem halb so großen Kader wohl kaum Chancen auf eine Nominierung hätten, überhaupt beim Bundestrainer vorspielen?

Gleich mehrere der insgesamt 16 Debütanten, die Klopp nominiert hat, haben maximal drei Bundesligaspiele in ihrer Vita stehen. Felix Keidel oder Bambasé Conté etwa spielten in der Vorsaison noch in der 2. Bundesliga.

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Felix Keidel spielte mit der SV 07 Elversberg im Mai noch in der 2. Bundesliga.

Felix Keidel spielte mit der SV 07 Elversberg im Mai noch in der 2. Bundesliga.

© IMAGO/Eibner Pressefoto

Andere Spieler, die unter Nagelsmann nicht einmal in der Nähe einer Nominierung standen, aber bereits mehr Erfahrung haben und vielleicht nicht mehr die größten Sprünge in ihrer Entwicklung machen werden, sind auch dabei: Hat der 25-jährige Yannik Engelhardt wirklich eine Chance, Joshua Kimmich oder Aleksander Pavlovic zu verdrängen? Und lautet die Antwort nein, ist es dann sinnvoll, diesen Spieler, der hier nur zufällig gewählt wurde, genauer unter die Lupe zu nehmen?

Ja. Denn der Vorteil am Riesenkader liegt für Klopp nicht nur darin, diese Spieler genauer kennenzulernen. Idealerweise stechen einige heraus, die in Zukunft in seiner Mannschaft spielen. Und für die anderen hat Klopp für die Zukunft stets ein Argument in der Hand, wenn es darum geht, wieder mal zur Nationalmannschaft einzuladen.

Klopps cleverer Zug

Immer wieder diskutieren Fans, Trainer und Experten vor den Nominierungsphasen emotional darüber, wer dabei sein sollte und wer nicht. Vorherige Bundestrainer gerieten oft in Erklärungsnot, warum nun der eine Spieler, nicht aber der andere dabei war.

Klopp hat nun auf einen Schlag 44 Spieler nominiert. Nicht nur gibt es, bis auf einige Ausnahmen wie Deniz Undav, kaum Spieler, die von Fans im Kader vermisst werden. Klopp kann auch in der Zukunft, immer dann, wenn einer dieser 44 Spieler vehement für den DFB gefordert wird, auf diese Länderspielphase hinweisen und erklären, welche Spieler ihn überzeugt haben – und welche eben nicht.

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