Finnland hat den Bau eines rund 200 Kilometer langen Grenzzauns zu Russland abgeschlossen. Wie der finnische Sender Yle berichtet, wurde die Fertigstellung am Montag bei einer Veranstaltung nahe dem Grenzübergang Nuijamaa im Südosten des Landes offiziell bekannt gegeben. Der Zaun ist Teil der Sicherung der insgesamt mehr als 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland.
Die finnische Innenministerin Mari Rantanen sagte laut Yle, es könne künftig geprüft werden, ob weitere Abschnitte mit einem Zaun gesichert werden sollten. Dafür sei insbesondere eine Finanzierung durch die Europäische Union für die östlichen Mitgliedstaaten notwendig. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP erklärte Rantanen zudem, der Zaun solle unter anderem dabei helfen, Menschen „bei Bedarf vom finnischen Hoheitsgebiet fernzuhalten“.
200 Millionen Euro: Von der Leyen kündigt Investitionspaket für Grönland an
Kameras und Sensoren
Finnland begründet den Ausbau der Grenzanlagen mit der veränderten Sicherheitslage in Europa seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. „In dieser Situation muss jeder Staat für seine eigene Sicherheit und die Unverletzlichkeit seiner Grenzen sorgen“, sagte Rantanen. Der Zaun ist laut AFP rund 4,5 Meter hoch und mit Kameras und Sensoren ausgestattet.
Finnland hatte seine Grenze zu Russland Ende 2023 vollständig geschlossen. Hintergrund waren nach Angaben von AFP mehr als 1300 Migranten, die versucht hatten, ohne gültige Visa nach Finnland zu gelangen. Helsinki warf Moskau demnach vor, die Menschen gezielt als Mittel einer sogenannten „hybriden Kriegsführung“ an die Grenze zu bringen. Der Kreml wies diesen Vorwurf zurück.
Bau dauerte rund drei Jahre
Die politische Entscheidung für einen teilweisen Grenzzaun fiel laut Yle im Oktober 2022. Die Bauarbeiten begannen laut Yle im April 2023 mit einem Pilotprojekt nahe der Stadt Imatra. Die längsten Zaunabschnitte befinden sich dem Bericht zufolge im Südosten Finnlands und umfassen etwa 140 Kilometer. Weitere rund 35 Kilometer liegen in Nordkarelien, Abschnitte von etwa 25 Kilometern erstrecken sich zudem von Kainuu bis nach Lappland.
Die Gesamtkosten des Projekts werden laut Yle auf rund 380 Millionen Euro geschätzt. Für die jährliche Instandhaltung fallen nach Angaben von AFP zusätzlich etwa zwei bis drei Millionen Euro an. Ähnliche Zäune waren laut AFP bereits in Lettland, Litauen und Polen entlang der Grenzen zu Belarus sowie an der Grenze zwischen Estland und Russland errichtet worden.
Finnland ist seit 2023 Mitglied der Nato. Die Lage an der Grenze sei derzeit vergleichsweise ruhig, so Rantanen. Zugleich verwies sie laut AFP auf die Möglichkeit einer schnellen Veränderung. Die Grenze zu Russland bleibe bis auf Weiteres geschlossen. (mit AFP)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]