Wenn kleine Jungen nach ihrem Traumberuf gefragt werden, dann taucht häufig der Lokomotivführer auf, der Flugkapitän - und der Zoo-Direktor. Bernhard Blaszkiewitz ist so einer, der sich recht früh für Letzteres entschied. Seit er denken kann, interessiert er sich für Tiere. Und seit er denken kann, ist für ihn klar: "Ich möchte Zoo-Direktor werden."Bernhard Blaszkiewitz, 51, ist seit 1991 Chef "eines der bedeutendsten Zoologischen Gärten der Welt" (Blaszkiewitz). Der gebürtige Tempelhofer leitet den Tierpark Berlin, der am 2. Juli 50 Jahre alt wird. Er ist Herr über 10 000 Tiere auf 160 Hektar und damit Direktor des größten Landschaftstiergartens Europas.Natürlich war es ein schweres Erbe, das der in Schöneberg aufgewachsene Biologe Blaszkiewitz vor 14 Jahren antrat. War er doch Nachfolger des legendären Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe. Der hatte den Tierpark von 1954 an neben dem Schloss Friedrichsfelde aufgebaut, 1955 eröffnet und bis kurz vor seinem Tod geleitet. Dathe war sehr populär, tauchte im Fernsehen auf, um Tiere zu erklären und ließ sich geduldig im Radio zum Nachwuchs in seinem Park befragen.Als Blaszkiewitz nach der Wende nach Friedrichsfelde kam, waren viele skeptisch. Wussten sie doch nur, dass der Mann aus dem Zoologischen Garten stammt. Angst hatten die Stammbesucher und Mitarbeiter, dass auch der Tierpark abgewickelt wird. Erst über die Jahre lernten sie Blaskiewitz als einen leidenschaftlichen Biologen kennen, der sein ganzes Leben der Wissenschaft und den Tieren verschrieben hat. Der den Tierpark weiter entwickelte zu einem einzigartigen Landschaftspark. Und der bis heute zu Besuch war in mehr als 300 Zoologischen Gärten weltweit. Wenn Blaszkiewitz in den Urlaub fährt, dann steht in der Regel ein Zoo auf seinem Programm.Obwohl Bernhard Blaszkiewitz während der Teilung Berlins im Westen lebte, war er Stammbesucher des Tierparks. Das erste Mal kam er 1959 nach Friedrichsfelde - als Fünfjähriger. "Ich erinnere mich noch gut an die Käfigwagen", sagt er. "Das waren alte Eisenbahnwaggons, in denen Tiger, Löwen und Panther untergebracht waren." Und er hat dieses Bild von Elefanten und Nashörnern vor Augen, deren Gehege lediglich von provisorischen Holzbalken umgeben waren. Zwischen dem Mauerbau und dem Berlin-Abkommen 1972 musste Blaszkiewitz auf seine Ausflüge verzichten. Erst danach durfte er wieder "rüber", mindestens zehnmal im Jahr war er im Ostteil. Er lernte Tierpark-Chef Heinrich Dathe kennen und dessen Kuratoren. Die zeigten ihm den Tierpark aus ihrer Perspektive. "Ich war fasziniert vom Tierbestand und von der großzügigen Landschaft." Als das Dickhäuterhaus gebaut wurde, besuchten Blaszkiewitz und Dathe 1987 die Baustelle. "Ich sah diesen Platz zwischen den Gehegen im Haus und schlug vor, dass dort doch ein Seekuhbecken gebaut werden kann." Zu Seekühen hat Blaszkiewitz ein inniges, fast emotionales Verhältnis. Zählen sie doch zu den Verwandten der Elefanten. Die mag der Tierpark-Direktor, genauso wie die Nashörner. "Mich interessieren die abseitigen Tiere."Dass er vier Jahre später Direktor werden würde, hätte Blaszkiewitz nicht gedacht: Bis die Mauer fiel. "Ich wurde gefragt, ob ich Tierpark-Direktor werden will." Er zögerte nicht lange. Blaszkiewitz ist es zu verdanken, dass sieben Jahre nach der Begegnung mit Dathe im Dickhäuterhaus ein Seekuhbecken in Betrieb gehen konnte.Inzwischen hat der Tierpark sein Gesicht verändert - und Blaszkiewitz alle Skeptiker überzeugt. Geld für Investitionen akquirierte der Direktor mit seinen Finanzern bei der Lottostiftung. Das Engagement hat sich gelohnt: Zweistellige Millionenbeträge flossen in die Erweiterung des Geländes, in ein neues Affenhaus, in neue Gehege für Gebirgstiere, in das Giraffenhaus, ins so genannte Afrikanum II. Jetzt will Blaszkiewitz die Freiflächen für die Elefanten erweitern. Denn nach Bulle Horas werden drei weitere Elefantenbabys erwartet. Auch die Reptilienhaltung soll verbessert werden.Am 28. Mai empfängt Bernhard Blaszkiewitz mehr als 130 Kollegen und Assistenten zur Jahrestagung des Verbandes der Deutschen Zoodirektoren. Die wird er nach Feierabend durch den Tierpark führen "und ihnen dann hoffentlich vier kleine Elefanten präsentieren". Mit seinen Kollegen wird er einmal mehr deutlich machen, wie wichtig Zoos sind. "Denn wir sind für viele Tierarten der letzte Zufluchtsort."------------------------------Foto: (2) Bernhard Blaszkiewitz studierte Biologie. Nach Stationen in Kassel und Gelsenkirchen arbeitete er 1984 bis 1991 im Zoo Berlin, seit 1991 ist er Tierpark-Direktor.Die Längsten: Giraffen, wie die beiden hier hintereinander abgebildeten Rothschild-Giraffen, können bis zu 5,50 Meter groß werden. Sie zählen zu den größten Land-Säugetieren. Im Laufe ihres Lebens erreichen sie ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm.------------------------------Foto: (4) UNTERWEGS IM PARK: DER ÄLTESTE BEWOHNER, CHINA-ALLIGATOR MAO (48), RIESENSCHILDKRÖTE MORLE, FLAMINGOS UND EIN VIETNAMESISCHES HÄNGEBAUCHSCHWEIN.
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