Drei Spiele, neun Punkte, zehn Tore: Hertha BSC hat seine beeindruckende Serie in der 2. Bundesliga fortgesetzt und mit einem spektakulären 5:3 (2:2) bei Eintracht Braunschweig die Tabellenführung übernommen. Nach einem zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand zeigte die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl Moral, Offensivkraft und bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit.
Der Abend hatte für die Berliner vielversprechend begonnen. Hertha übernahm von Beginn an die Initiative und setzte die Gastgeber unter Druck. Auch Neuzugang Mads Pedersen, erstmals als linker Außenverteidiger im Einsatz, hinterließ früh Eindruck. Mit einem energischen Sprint stoppte der Däne Braunschweigs Aaron Opoku unsanft und setzte damit ein erstes Zeichen seines Einsatzwillens (7.).
Blackout von Kolbe führt zum 0:1
Doch ausgerechnet in einer Phase, in der die Gäste das Geschehen kontrollierten, gerieten sie in Rückstand. Verteidiger Niklas Kolbe leistete sich einen folgenschweren Fehler im Spielaufbau. Sein zögerlicher Rückpassversuch wurde von Yann Sturm abgefangen, der allein auf Marius Gersbeck zulief und zum 1:0 für Braunschweig einschob (10.). Kolbe reagierte fassungslos und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
Die Berliner brauchten einige Minuten, um den Schock zu verarbeiten. Erst nach rund zehn Minuten fanden sie wieder in ihren Rhythmus. Allerdings blieb Braunschweig gefährlich. Sturm (27.) und Max Marie (29.) vergaben gute Möglichkeiten, ehe die Eintracht nach einer Ecke nachlegte. Kevin Ehlers stieg völlig unbedrängt zum Kopfball hoch, der Ball sprang vom Innenpfosten ins Netz. Gersbeck war chancenlos, Hertha lag 0:2 zurück (33.).
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40-Meter-Traumtor von Hertha-Kapitän Brekalo
Die Reaktion der Berliner folgte kurz vor der Pause. Jon Thorsteinsson leitete den Angriff mit einer Balleroberung in der eigenen Hälfte selbst ein. Über Sebastian Grönning und Josip Brekalo gelangte der Ball zurück zum Isländer, der aus kurzer Distanz zum 1:2 vollendete (44.). Für Thorsteinsson war es das erste Zweitliga-Tor im Trikot von Hertha BSC.
Doch das sollte noch nicht alles vor dem Seitenwechsel gewesen sein. In der Nachspielzeit setzte Thorsteinsson erneut Brekalo in Szene. Herthas Kapitän behauptete sich gegen Mehmet Aydin und überraschte Torhüter Ron-Thorben Hoffmann mit einem spektakulären Schuss aus rund 40 Metern. Der Ball senkte sich mit perfektem Effet zum 2:2 ins Tor (45.+4). Ein Treffer der Kategorie Traumtor und ein psychologisch enorm wichtiger Moment unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff.
Braunschweiger Eigentor bringt die Wende
Nach dem Seitenwechsel knüpfte Hertha nahtlos an die starke Schlussphase der ersten Hälfte an. Zwar scheiterte Grönning zunächst noch an Hoffmann (49.), doch nur vier Minuten später war die Partie komplett gedreht. Thorsteinsson brachte erneut eine Hereingabe in den Strafraum, Ehlers wollte vor Grönning klären und traf dabei ins eigene Netz. Das Eigentor bedeutete die erste Berliner Führung des Nachmittags (53.).
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Braunschweig versuchte anschließend, wieder mehr Kontrolle zu gewinnen, doch Hertha blieb gefährlich. Nach einer Ecke brachte Lino Tempelmann seinen Gegenspieler Kolbe zu Fall. Nach Einschreiten des Videoassistenten entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter. Brekalo übernahm die Verantwortung und verwandelte sicher zum 4:2 (69.).
Die Entscheidung fiel schließlich kurz vor Schluss. Der eingewechselte Seun Adewumi erhöhte mit seinem Treffer auf 5:2 (87.) und krönte damit die starke Offensivleistung der Berliner. Zwar verkürzte Jan Ujah nur eine Minute später noch auf 3:5 (88.), ernsthaft in Gefahr geriet der Auswärtssieg jedoch nicht mehr.
So durfte Stefan Leitl eine gelungene Generalprobe für seinen 49. Geburtstag am Sonnabend feiern. Vor allem aber durfte sich der Hertha-Coach über etwas freuen, das vor wenigen Monaten kaum vorstellbar schien: Seine Mannschaft reist als Tabellenführer der 2. Bundesliga nach Hause. Nach drei Spieltagen wirkt Hertha gefestigt, offensivstark und voller Selbstvertrauen. Die Aufholjagd in Braunschweig könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass in Berlin derzeit tatsächlich etwas zusammenwächst.
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