Welket Bungué in dem deutschen Wettbewerbsbeitrag „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani
© Sommerhaus Filmproduktion
Das Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian
© AFP/Odd Andersen
Nach ein paar schönen Worten zum Geleit ging es dann ohne große Umstände hinein in das Programm des diesjährigen Wettbewerbs, dessen Bekanntgabe sich das neue Leitungsduo aus Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian für diesen Tag aufgespart hatte. Da zuvor wirklich nichts durchgesickert war, hatte die Bekanntgabe der Bärenkandidaten tatsächlich Neuigkeitswert. Wo also anfangen? Am besten am Anfang. Der erste Film im Wettbewerb der Jubiläumsberlinale hätte treffender kaum ausgewählt sein können.
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Berlinale-Film „Undine“: Die unheilvolle Wasserfrau
Die deutsch-niederländische Produktion „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani („Shahada“, „Wir sind jung, wir sind stark“) bietet eine Adaption des Romanklassikers von Alfred Döblin, in der das Geschehen aus dem Berlin des Jahres 1929 in die Gegenwart verlagert wird. Die Hauptrolle spielt Welket Bungué aus Guinea-Bissau, dessen Filmfigur sich als Flüchtling im kriminellen Milieu Berlins zu verlieren droht. Und auch der zweite deutsche Wettbewerbsbeitrag spielt in Berlin. Christian Petzold, praktisch ein Hausregisseur der Berlinale, konkurriert in diesem Jahr bereits zum fünften Mal um einen Berlinale-Bären. Seine „Undine“ orientiert sich frei am Mythos um die unheilvolle Wasserfrau, wobei auch Petzold die Geschichte in die heutige Zeit transformiert.
Paula Beer und Franz Rogowski in Christian Petzolds „Undine“
© Christian Schulz
Die Historikerin Undine arbeitet im Senat für Stadtentwicklung und bietet Stadtführungen an. Als sich ihr Freund von ihr trennen will, wird die junge Frau von dem Fluch eingeholt, ihn töten zu müssen. Wie schon in Petzolds Seghers-Adaption „Transit“ vor zwei Jahren verkörpern Paula Beer und Franz Rogowski die tragenden Rollen in dem Spiel. Die andere Lieblingsschaupielerin des Regisseurs, Nina Hoss, ist in dem Schweizer Beitrag „Schwesterlein“ zu sehen, einem ebenfalls größtenteils in Berlin spielenden Künstlerdrama um eine Theaterautorin und ihren exzentrischen, an Leukämie erkrankten Zwillingsbruder, der von Lars Eidinger gespielt wird. Thomas Ostermeier macht in diesem Film von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond die Schaubühnenfamilie komplett.
Javier Bardem und Salma Hayek werden bei der Berlinale erwartet
Bevor es mit dem Wettbewerb weitergeht, den Carlo Chatrian zügig abspulte, ohne dabei persönliche Präferenzen erahnen zu lassen, noch ein wenig Statistik. Insgesamt haben die Filmscouts in diesem Jahr 6800 Beiträge gesichtet, aus denen sich schließlich 18 Bären-Anwärter herauskristallisierten. Mit 340 statt zuletzt 400 Filmen ist das Angebot etwas schmaler als bisher, was den Kritikern von Dieter Kosslick gefallen müsste, die den abgelösten Direktor für die sukzessive Aufblähung und Eventisierung des Festivals haftbar machten. Für Chatrian und seine das Geschäftliche verantwortende Leitungspartnerin Mariette Rissenbeek liegt der Schwerpunkt nicht auf dem roten Teppich, so viel lässt sich jetzt schon sagen. Auf die Frage, welche Gäste denn so zu erwarten seien, sagte Chatrian schmallippig: die Filmemacher.
Schließlich ließ er sich noch die Namen Javier Bardem, Salma Hayek, Elle Fanning und Willem Dafoe entlocken. Über das weitere Programm lässt sich von der Papierform naturgemäß noch nicht viel sagen. Interessant dürfte eine Auskopplung aus dem vieldiskutierten DAU-Projekt des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky sein. Während „Natasha“ als Spielfilm angekündigt wurde, läuft die Dokumentation „DAU-Degeneratsia“ als Berlinale-Special im Haus der Berliner Festspiele.
Neben Berlinale-Debütanten, etwa aus Kambodscha oder dem Iran, sind etliche Rückkehrer annonciert: So zeigen die Britin Sally Potter „The Roads Not Taken“, der Koreaner Hong Sangsoo „The Woman Who Ran“ und der US-Amerikaner Abel Ferrara „Siberia“. Ein Motto gibt es in diesem Jahr nicht. „Brauchen Sie ein Motto?“, fragte Chatrian in die Runde. „Wenn die eher dunklen Farben überwiegen, mag das daran liegen, dass die von uns ausgewählten Filme eher illusionslos auf die Gegenwart blicken, nicht weil sie Schrecken verbreiten, sondern weil sie uns die Augen öffnen wollen.“
Die 18 Filme des Berlinale-Wettbewerbs
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