Die Berliner sind von der Roten Armee stark beeindruckt", heißt es in einem Stimmungsbericht für Wilhelm Pieck, den späteren Präsidenten der DDR. Jetzt pendelt er mit Walter Ulbricht und anderen Mitgliedern seiner Gruppe täglich in die Hauptstadt. "In allen Gesprächen der ersten Tage standen die Bombennächte im Vordergrund.sonst spielen noch der Terror, die übertriebenen Judenverfolgungen und die Welteroberungspläne eine Rolle." Viele Arbeiter beriefen sich darauf, früher Kommunisten gewesen zu sein. Es herrsche viel politische Unklarheit; in Spandau habe es für einige Tage eine "Internationale Miliz", in Wittenau einen "Arbeiter- und Soldatenrat" und in Wilmersdorf eine "Internationale Kommunistische Partei" gegeben. In einigen Bezirken baten Kommunisten Kommandanten der Roten Armee um Waffen, und "Juden forderten Bevorzugungen und Befreiungen von den Straßenaufräumungsarbeiten". Ulbricht schlägt Sofortmaßnahmen vor; unter anderem müsse man jedes Stück Boden in der Stadt landwirtschaftlich nutzen. Welche Pflanzen in Frage kommen, soll in Merkblättern bekannt gemacht werden. Außerdem "ist es notwendig, die faschistischen Losungen von den Häusern zu entfernen.und zu organisieren, dass antifaschistische Losungen geschrieben werden".Breslau kapituliert vor der Roten Armee. Gauleiter Hanke flieht mit einem Flugzeug, das er während der Belagerung verborgen gehalten hatte. Auf der Flucht durchs Sudetenland wird er im Juni von tschechischen Milizionären erschlagen. Generaloberst Jodl verhandelt in Reims im Auftrag von Dönitz mit den Westalliierten über die Bedingungen der Gesamtkapitulation. "Absicht Großadmiral: a) Krieg so rasch wie möglich zu liquidieren, b) deutsche Menschen in möglichst großer Zahl dem Deutschtum zu erhalten und sie vor dem Bolschewismus zu retten." Leo Borchard, nach dem Krieg für kurze Zeit Erster Dirigent der Philharmoniker, gibt seinen Nachbarinnen in Berlin einen Zehn-Minuten-Kurs in russischer Sprache: "Ja ljublju Rossiju" (Ich liebe Russland), "Ja twoj drug" (Ich bin Dein Freund) und "Ja otschen bolen" (Ich bin sehr krank).Morgen schreibt der Historiker Herzog: In Reims wird die Kapitulation unterzeichnet.
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