JERUSALEM. Um Wasser sind in Nahost schon Kriege geführt worden. Auch im Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern ist das Thema ein Dauerkonflikt, denn die ebenso lebenswichtige wie knappe Ressource ist ungerecht verteilt. Israel, das als Besatzungsmacht den großen unterirdischen Wasserspeicher im Westjordanland kontrolliert, versage den Palästinensern die faire Teilhabe, moniert nun auch Amnesty International in einem gestern veröffentlichen Bericht. Achtzig Prozent des Wassers aus dem Reservoir pumpt Israel demnach für seinen Bedarf ab.Auch im Pro-Kopf-Verbrauch ist der Unterschied krass. Der israelische Durchschnittsbürger konsumiere täglich 300 Liter - mehr als vier Mal so viel, wie einem Palästinenser zur Verfügung stehe, der durchschnittlich mit 70 Liter auskommen müsse. In ländlichen Gebieten wie dem Jordantal müssten manche Palästinenser gar mit nur zwanzig Litern am Tag auskommen: dem Minimum, das für Katastrophenlagen gelte. In benachbarten israelischen Siedlungen hingegen gebe es genug Wasser, um Gärten und Äcker zu bewässern und in Swimmingpools zu planschen. Insgesamt verbrauchten 450 000 Siedler im Westjordanland einschließlich des okkupierten Ost-Jerusalem genauso viel Wasser wie 2,3 Millionen Palästinenser.Donatella Rovera, die für Amnesty die Untersuchung leitete, appellierte an Israel, mit dieser diskriminierenden Politik Schluss zu machen. Doch der Report kommt zu einem Zeitpunkt, da nach mehreren Dürrejahren das Wasser besonders knapp ist, weshalb Israel noch weniger als sonst geneigt sein dürfte, auf die Reserven aus dem Westjordanland zu verzichten. Gemäß dem Osloer Abkommens zweige Israel 20,8 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich für die Palästinenser ab, erklärte Regierungssprecher Mark Regev in Jerusalem.Die israelische Wasserbehörde wiederum machte die palästinensische Seite selbst dafür verantwortlich, dass durch Lecks in den Leitungen Wasser verloren gehe. Diesem Vorwurf schließem sich auch Amnesty und palästinensische Wasserexperten an. Sie verweisen allerdings auch auf das komplexe Genehmigungsverfahren der israelischen Militärverwaltung für Wasserprojekte in der Westbank.Die Wasserversorgung im Gazastreifen ist laut Amnesty besonders kritisch, weil Israel nicht ausreichend Material zur Reparatur von Rohren und Kläranlagen hineinlasse. Über neunzig Prozent des Grundwasser dort sei kontaminiert. Wasser aus dem Westjordanland darf aber nicht geliefert werden.------------------------------Foto: In Plasteflaschen schleppen Kinder im Flüchtlingslager Khan Junis bei Gaza das Wasser nach Hause. Eine stabile Wasserversorgung gibt es nicht.
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