Corona-Krise

Frank Castorf:„Ich wünsche mir einen republikanischen Widerstand“

Erst hat man ihm das Theater weggenommen und jetzt darf er nicht mal mehr sein Huhn an der Fleischtheke aussuchen. Frank Castorf kritisiert die Corona-Einschränkungen und trifft wunde Punkte.

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Frank Castorf fängt oft leise und eindringlich an und redet sich dann in Rage. Da heißt es: Ohren spitzen!

Frank Castorf fängt oft leise und eindringlich an und redet sich dann in Rage. Da heißt es: Ohren spitzen!

© dpa/ Maurizio Gambarini

Das sagte er dem Spiegel in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Schön zu hören, dass er mit nicht nachlassender Fitness die Verhältnisse kritisiert und sich mit verlässlichen Reflexen uneinsichtig zeigt. Er wolle sich von Angela Merkel nicht mit weinerlichem Gesicht sagen lassen, dass er sich die Hände waschen soll. „Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung.“

Der lesende Kleinbürger fühlt sich ertappt: Hat er nicht gerade mit den Kindern geschimpft, weil sie sich nach dem triftig begründeten Spaziergang nur ein paar Pseudotröpfchen über die Finger laufen ließen? Hat er dabei nicht ein weinerliches Gesicht gemacht? Wie das wohl Castorf mit seinen sieben Kindern (laut der Zählung des Spiegel) gehandhabt hat?

Es geht nicht nur ums Händewaschen, sondern um Freiheit. „Mich stört, dass ich in meinen Bürgerrechten verletzt bin.“ Sagt er und erklärt es an einem Beispiel: „Als ich gestern an der Fleischtheke nur kurz geguckt habe, ob da ein Suppenhuhn oder ein Brathuhn lag, wurde ich sofort angeherrscht. Ob ich den Abstand nicht einhalten könne!“ Schon wieder ertappt! Der anpassungsbereite Untertan, wenn man ihn überhaupt an Fleischtheken träfe, würde sich vorsichtshalber schnell entschuldigen nach dem Angeherrschtwerden. Castorf wäre enttäuscht; er wünscht sich angesichts der Corona-Einschränkungen „einen republikanischen Widerstand“.

Es ist nicht nur Knopfdruck-Pöbelei, als die das Interview nun belächelt wird. Es ist der Ruf eines Künstlers, der sich seiner Ohnmacht bewusst und deshalb frei ist. Und auch wenn es lästig ist, so ist es doch richtig, wenn Castorf uns in unserem Stolz auf die neue bürgerliche Solidarität daran erinnert, wo diese schnell endet: an den nationalen Grenzen und an denen zwischen den sozialen Schichten.

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Die Sorge um die Gesundheit osteuropäischer Erntehelfer tritt nämlich ganz schnell hinter die Furcht vor einem Spargel-Engpass. Zu glauben, man würde alles richtig machen, ist der erste Fehler. Wohingegen man nichts falsch machen kann, wenn man erst einmal alles anzweifelt. So wie Castorf.

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