Tower und Terminalgebäude in Tegel. Am Flughafen ist es ruhig geworden.
© Berliner Zeitung/Markus Wächter
Normalerweise wäre es eine sensationelle Nachricht: Am Donnerstag wurden auf den Berliner Flughäfen fast doppelt so viele Passagiere abgefertigt wie noch vor einigen Wochen. Allerdings fand der Zuwachs pandemiebedingt auf einem äußerst niedrigen Niveau statt.
Nachdem es auf dem Höhepunkt der Corona-Krise weniger als tausend Fluggäste pro Tag in Berlin gab und die Nutzerzahlen im April um 99,1 Prozent unter dem Niveau der Vorjahre lagen, wurden für Donnerstag rund 1800 Passagiere erwartet. „Zwei Drittel in Tegel, ein Drittel in Schönefeld“, berichtete Hönemann. An die Zahlen, die vor gar nicht so langer Zeit üblich waren, reiche aber auch die jüngste Zahl und die aktuellen Höchstwerte (knapp 2000) bei weitem nicht heran. „Im vergangenen Jahr gab es am 14. Mai fast 110.000 Fluggäste in Berlin“, so der Flughafensprecher.
Die Flughafengesellschaft bleibt dabei: Für den verbliebenen Luftverkehr reiche das nur 30 Kilometer entfernte Schönefeld aus, Tegel müsse vom Netz. „Alsbald“ – so steht es in dem Antrag auf temporäre Befreiung von der Betriebspflicht. Sie soll spätestens ab 1. Juni, null Uhr, gelten, heißt es in dem 16-seitigen Schreiben an die Oberste Luftfahrt- und Luftsicherheitsbehörde, das der Berliner Zeitung vorliegt. Wann genau der Betrieb endet, wird aber noch mit den Airlines diskutiert, hieß es. Weil der Pfingstmontag ein Feiertag ist, könnten die Lichter erst am Abend des 1. Juni oder im Laufe des 2. Juni ausgehen. Doch spätestens dann soll Schluss sein.
Auf dem Flughafen Tegel herrscht Endzeitstimmung
Statt 8,5 Millionen Euro würde der monatliche Aufwand für Tegel nur noch anderthalb Millionen Euro betragen, so die FBB im Antrag. Statt mehr als 600 Mitarbeiter pro Schicht würde die FBB nur 35 benötigen.
Die Befreiung von der Betriebspflicht soll bis zum 31. Juli, 23.59 Uhr, gelten. Das soll allerdings nur „vorläufig“ sein: „Sollte das Auswärtige Amt die weltweite Reisewarnung weiter verlängern und werden die existierenden europaweiten Reisebeschränkungen verlängert, behalten wir uns vor, spätestens am 10. Juli 2020 eine Verlängerung der Befreiung der Betriebspflicht zu beantragen“, kündigte die FBB an. Sprich, Tegel bliebe länger zu.
Damit ist nicht ausgeschlossen, dass aus der vorübergehenden eine endgültige Stilllegung wird. Am Donnerstag rief der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dazu auf, Tegel vom Netz zu nehmen. „Ich fordere die drei Flughafengesellschafter auf, Tegel sofort zu schließen“, sagte der SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter. „Es macht keinen Sinn mehr, künstlich einen zweiten Flughafen offen zu halten.“
Nach dem Willen der Tegeler Fluglärmschutzkommission sollte die temporäre Befreiung bis zur Eröffnung des BER im Herbst gelten – dann müsste Tegel ohnehin schließen, heißt es in einer Stellungnahme an den Senat. Die Aufhebung der Planfeststellung sei seit 2006 rechtskräftig. Flugbetrieb in Tegel wäre „aus ökonomischen wie ökologischen Gründen nicht mehr sinnvoll“, so die Kommission. Eine Schließung liege im „öffentlichen Interesse“. Für die Daseinsvorsorge wäre Tegel nicht mehr erforderlich.
Warum die Tage für Tegel gezählt sind
Bei der CDU, AfD und FDP sieht man das anders. Der Verkehr werde spätestens Ende Mai wieder deutlich zunehmen, betont Christdemokrat Oliver Friederici. Auch auf Bundesebene und in anderen Bundesländern gibt es weiterhin Tegel-Fans. „Für manch einen Politiker liegt Schönefeld weit entfernt, nach Tegel brauchen sie ein paar Minuten weniger“, so ein Mitglied des FBB-Aufsichtsrats.
Beobachter schließen nicht aus, dass die Gesellschafterversammlung am 20. Mai erneut heftig über Tegel diskutieren wird. „Der Beratung soll nicht vorgegriffen werden“, befand eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums, das den Schließungsplänen lange sehr skeptisch gegenüberstand. Die Debatte über TXL ist noch nicht zu Ende.
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