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Regisseur Christian Petzold: Ein Mann mit Frauenblick

Der Regisseur der Berliner Schule nimmt bei seinem Film „Undine“ nicht zum ersten Mal die Perspektive der Frau ein.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
2 Min
 Paula Beer und Christian Petzold auf dem roten Teppich der 70. Berlinale.

 Paula Beer und Christian Petzold auf dem roten Teppich der 70. Berlinale.

© imago images/Eibner

„Undine“ lief bereits im Wettbewerb der Berlinale, dem letzten großen Filmfestival vor der strikten Kontaktreduzierung. Paula Beer und Franz Rogowski verzauberten darin als Liebespaar mit wohldosierten Blicken und Gesten – und als Beer den Goldenen Bären für die beste weibliche Hauptrolle bekam, sagte sie, dass er genauso ihm gehöre.

Die Wurzeln des Undine-Mythos reichen literaturgeschichtlich über die Romantiker E.T.A. Hoffmann und Friedrich de la Motte Fouqué bis ins Mittelalter. Einem untreuen Mann bringt die Wasserfrau den Tod. Am nächsten ist Petzolds Film-Erzählung Ingeborg Bachmanns widerständiger Erzählung „Undine geht“. Der 1960 in der Nähe von Düsseldorf geborene und seit fast vierzig Jahren in Berlin lebende Regisseur schreibt seit seinem Debüt „Pilotinnen“ die Drehbücher selbst. Zuletzt verwandelte er „Transit“ von Anna Seghers in ein die Zeiten überwindendes Bild von Flucht und Fremdheit. Nun befreit er die zur mythischen Figur erhobene Frau. Die Berliner Stadthistorikerin Undine, gerade verlassen, verliebt sich in einen Mann, der als Industrietaucher arbeitet.

Die Perspektive der Frau einzunehmen, ist für Petzold kein ungewöhnlicher Blickwinkel. Der Regisseur hat bereits eine Frau die Nachkriegs-Überlebenslüge ihres Mannes auffliegen lassen („Phoenix“), er schaute durch die Augen einer Ärztin auf das Mangelland DDR („Barbara“), verwandelte die trauernde Mutter in eine Rächerin („Wolfsburg“). Und in „Gespenster“ suchte er schon 2005 den weiblichen Blick auf das soziale Gefüge der Großstadt.

Petzold, der produktivste und bekannteste Vertreter der sogenannten Berliner Schule, dreht Filme, auf die sich Kritiker und Publikum oft einigen können. Er erzählt Geschichten mit Geheimnis, oft mit etwas linkischem Humor, immer mit einem Blick auf die Gesellschaft: Diesmal schaut er auf Berlins Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Das Kino, das erklärt der Regisseur unermüdlich in Interviews, sei für ihn ein wichtiger, ein sozialer Ort. Und für den Film wird das kollektive Erlebnis zur Bewährungsprobe: „Ein Kunstwerk ohne Betrachter ist keines mehr.“

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Die Unterwasser-Abenteuer von Paula Beer und Franz Rogowski, gedreht in einem riesigen Bassin in Babelsberg, passen gut in diese Saison. Christian Petzolds Sommermärchen könnte in der Zeit der wiederbelebten Kinos triumphieren.

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