Sicherheit

Görlitz: 91-Jährige rammt zweimal Polizeiauto bis Beamtin den Zündschlüssel zieht

Eine Rentnerin kollidiert in Görlitz mit drei Fahrzeugen, verursacht 35.000 Euro Schaden. Erst der Griff ins Lenkrad stoppte sie.

3 Min
Der Mitsubishi der 91-Jährigen rammte mehrfach einen Streifenwagen

Der Mitsubishi der 91-Jährigen rammte mehrfach einen Streifenwagen

© Matthias Wehnert/Imago

Diesen Unfall wird die Görlitzer Polizei so schnell nicht vergessen. Er eröffnet auch wieder die Debatte um eine Altersbegrenzung für den Führerscheinbesitz.

Denn eine 91-Jährige rammte in Görlitz gleich drei Fahrzeuge, darunter zweimal einen Streifenwagen. Sie war mit ihrem Mitsubishi auf der B6 in Richtung Görlitz unterwegs. Als sie nach rechts in die Dorfstraße nach Schlauroth einbog, rammte sie in der Kurve die Fahrerseite eines dort stehenden Funkstreifenwagens der Polizei.

Der 23-jährige Polizeibeamte hinterm Steuer wurde leicht verletzt. Die Straßen war am Montagabend vom Regen nass. Doch dieser Umstand kann bei dem dann folgenden Fahrmanöver nicht geltend gemacht werden. Die Seniorin fuhr erneut an und kollidierte dabei mit dem Renault eines 53-Jährigen, der hinter dem Polizeiauto stand.

Die Frau legte daraufhin den Rückwärtsgang ein und stieß noch einmal gegen das Polizeifahrzeug, das bereits gewendet hatte, um ihr hinterher zu fahren.

Auch nach diesem Zusammenprall wollte die 91-Jährige erneut anfahren. Die Beifahrerin im Streifenwagen griff daraufhin jedoch beherzt ein und zog den Zündschlüssel. Die Seniorin und auch die 23-jährige Beamtin erlitten leichte Verletzungen.

Der Sachschaden an den Fahrzeugen betrug insgesamt rund 35.000 Euro.

Die Straße in war für die Unfallaufnahme über eine Stunde gesperrt.

Die Straße in war für die Unfallaufnahme über eine Stunde gesperrt.

© Matthias Wehnert/Imago

Sachsen hat spezialisierte Fahrtüchtigkeitsbeamte

Eine speziell geschulte Beamtin führte daraufhin mit der Unfallfahrerin mehrere qualifizierte Fahrtüchtigkeitsprüfungen durch.

Speziell für qualifizierte Fahrtüchtigkeitsprüfungen ausgebildete Beamte sind ein Pilotprojekt der sächsischen Polizei. Dabei soll bei Verkehrskontrollen beweissicher und auf wissenschaftlicher Grundlage festgestellt werden, ob die Fahrtüchtigkeit einer Person eingeschränkt ist – etwa durch Alkohol, Medikamente, Drogen oder auch altersbedingte Ausfälle. Der Test ist freiwillig und zeigte bei der betagten Autofahrerin auch keine Auffälligkeiten.

Die 91-Jährige sieht sich nun mehreren Ermittlungsverfahren ausgesetzt. Der Verkehrsunfalldienst ermittelt wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, des unerlaubten Entfernens vom Unfallort sowie der fahrlässigen Körperverletzung in Verbindung mit einem Verkehrsunfall.

Ihr Führerschein wurde sichergestellt, nicht eingezogen. Das heißt: Die Unfallfahrerin händigte ihn nach den drei Crashs freiwillig den Beamten vor Ort aus. Die Görlitzer Straße war wegen der Unfälle für etwa eine Stunde gesperrt.

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Der Streifenwagen bekam eine ordentliche Delle, der Polizeibeamte am Steuer wurde leicht verletzt.

Der Streifenwagen bekam eine ordentliche Delle, der Polizeibeamte am Steuer wurde leicht verletzt.

© Matthias Wehnert/Imago

Auto für Rentner auf dem Land essentiell

Laut einer Umfrage des MDR von 2024 sehen 39 Prozent der Befragten in „älteren Menschen am Steuer ein Verkehrsrisiko“. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht das hingegen nicht oder eher nicht so. Die Altersuntergrenze für den Begriff „ältere Menschen“ lag bei der Umfrage bei 65 Jahren.

Wenn diese Altersgruppe in Unfälle verwickelt ist, trägt sie, laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes, überproportional oft die Hauptverantwortung. Ähnlich hoch ist der Anteil auch bei Fahranfängerinnen und Fahranfängern.

Selbstbestimmung oder Sicherheit – was wiegt schwerer? Für 60 Prozent  der rund 28.000 Befragten für das Format „MDRfragt“ schlägt das Pendel zugunsten der Verkehrssicherheit aus. Ein Drittel räumt hingegen der Selbstbestimmung bis ins hohe Alter Vorrang ein.

Verpflichtende Gesundheitschecks ab einem bestimmten Alter oder Testfahrten zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit fanden beide keine Mehrheit.

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