KREUZBERG. Die Zeit der alten Marheineke-Markthalle an der Zossener Straße läuft ab: Schluss mit den dunkelbraunen Wänden, den düsteren, mit Kaugummi beklebten Wegen und den staubigen Winkeln. Mitte Januar soll der 4,5 Millionen Euro teure Umbau beginnen, teilte gestern der Geschäftsführer der Berliner Großmarkt (BGM) GmbH, Andreas Foidl, mit. Für die Bauzeit von etwa zehn Monaten sollen die rund 40 Händler in ein "Marktdorf" aus Containern ziehen, das um den Marheinekeplatz herum aufgebaut wird. Das Dorf ist für die Händler mietfrei.Das Konzept der neuen Markthalle, die sich zum Weihnachtsgeschäft 2007 präsentieren soll, ist schnell beschrieben: Hell soll sie sein, mit zwei Malls zwischen Bergmannstraße und Marheinekeplatz. Zur Bergmannstraße hin, wo die Gastronomie konzentriert wird, erhält sie eine verglaste Fassade und an der Nordseite eine Galerie für zehn zusätzliche Stände. Die Angebote sollen nach Branchen angeordnet werden: Fleisch, Fisch und Obst getrennt von Dienstleistungen wie Schuster oder Schneider. So wie es in Markthallen der südlichen Länder längst üblich ist.Doch der Umbau ist nach wie vor umstritten. Anwohner wie der Mieterrat vom Chamissoplatz fürchten eine Luxussanierung und den Verlust des traditionellen Markthallen-Flairs. Die Mehrzahl der Händler ist aber für die Modernisierung. "Nur etwa zehn Händler machen nicht mit, 85 Prozent von uns sind einverstanden mit dem Konzept der BGM", sagt Angela Spreu. Sie verkaut seit 17 Jahren in der Marheineke-Halle Haushaltswaren. Auch ihre Kunden, so sagt sie, wollten die Modernisierung. Spreu: "Hier muss dringend etwas Neues her, denn von der Kundschaft aus dem Kiez allein können wir nicht mehr leben, also müssen zusätzliche Besucher angelockt werden." Über Flugblätter, die rund um die Halle kursieren und in denen Händler als "Krämerseelen" diffamiert werden oder gar von "Abriss" die Rede ist, ist sie empört.Etwas Neues hat die BGM vor: Mehr Bioprodukte, vor allem aus Brandenburg, sollen in der Halle angeboten werden. Zugleich sollen sich dort Regionen wie etwa die Uckermark als Urlaubsgebiete vorstellen. Und: Zusätzliche Spezialitäten sollen auch Touristen anlocken. Foidl: "Wir könnten so etwas wie ein zweiter Winterfeldtplatz werden, der über Berlin hinaus für sein besonderes Flair bekannt ist, bloß bei uns gibt es dazu noch ein schützendes Dach."Zurzeit werden mit den Händlern die neuen Mietverträge ausgehandelt. Die Kaltmieten sollen nicht steigen, verspricht die BGM. Die Kunden können die Bauarbeiten in einer speziellen Info-Box verfolgen.
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