Die Europäische Union hat am Mittwoch einen pauschalen Zoll von drei Euro auf niedrigwertige Paketsendungen aus Drittstaaten in Kraft gesetzt. Die Abgabe gilt für Waren mit einem Wert von bis zu 150 Euro, die bislang zollfrei in die EU eingeführt werden konnten. Das teilte die Europäische Kommission mit.
Der Zoll wird pro Warenkategorie in einer Sendung erhoben, nicht pro Stück. Nach Angaben der Kommission fallen für ein Paket mit fünf T-Shirts drei Euro an, für ein Paket mit drei T-Shirts und einer Uhr hingegen sechs Euro, weil die Waren unterschiedlichen Zolltarifpositionen zugeordnet sind. Verantwortlich für Anmeldung und Zahlung sind Verkäufer oder Importeur.
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Reaktion auf Wachstum von Shein, Temu und AliExpress
Die Maßnahme richtet sich nach Darstellung der EU vor allem gegen Wettbewerbsnachteile europäischer Händler gegenüber Onlineplattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Die Zahl der Kleinsendungen unter 150 Euro in die EU stieg laut Rat der Europäischen Union von 1,4 Milliarden im Jahr 2022 auf 5,8 Milliarden im Jahr 2025.
Der niederländische EU-Abgeordnete Dirk Gotink, der die Zollreform im Europäischen Parlament federführend betreut, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die bisherige Freigrenze sei „in großem Stil missbraucht“ worden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zulasten europäischer Unternehmen zu verschaffen.
Höhere Preise und weniger Luftfracht erwartet
Der Drei-Euro-Zoll ist eine Übergangslösung und soll am 1. Juli 2028 durch produktspezifische Abgaben ersetzt werden, wenn die neue EU-Zollbehörde ihre Arbeit aufnimmt.
Wie Reuters berichtete, schätzt der E-Commerce-Experte Derek Lossing von der Beratungsfirma Cirrus Global Advisors, dass die Luftfrachtvolumina für Onlinehandelswaren in die EU in den Wochen nach Inkrafttreten um zehn bis 35 Prozent zurückgehen dürften. Plattformen dürften einen Teil der Kosten auf Zulieferer abwälzen, um Preissteigerungen zu begrenzen.
Shein bereitet sich Reuters zufolge auf die neue Lage vor, indem der Konzern seine Lagerflächen im polnischen Breslau ausbaut und mehr Ware gebündelt in die EU liefert. AliExpress kündigte an, Artikel künftig mit einem Hinweis „Preis inklusive Zölle und Mehrwertsteuer“ zu versehen. Amazon teilte mit, dass 97 Prozent seiner Sendungen innerhalb der EU im vergangenen Jahr aus Lagern innerhalb der EU erfüllt wurden.
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