Aus den monatelangen Appellen und mitunter unverhüllten Drohungen ist gestern erstmals Wirklichkeit geworden. Berlins Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) hat zwei Bosnier, die seit Jahren in Berlin leben, in ihre Heimat abschieben lassen. Dabei geht es offenbar weniger um die beiden Ausgewiesenen. Der CDU-Politiker will vor allem den etwa 36 000 Kriegsflüchtlingen ein Signal geben: Berlin will euch nicht mehr, geht "freiwillig", bevor wir euch zwingen.Die Botschaft kommt an. Die Bosnier und andere Flüchtlinge sind mehr denn je verängstigt. In Deutschland bekommen sie nach großzügiger Anfangshilfe den politischen Druck zu spüren. Zu Hause wiederum warten auf sie oft genug Geisterstädte, zerstörte Höfe und Häuser, vermintes Gelände und überfüllte Lager. Vielen fällt es schwer, sich unter diesen Bedingungen zu entscheiden.Schönbohm scheint sich um diese Gefühle wenig zu kümmern. Bewußt verzichtet er darauf, klare und humane Regelungen auf nationaler und internationaler Ebene durchsetzen. Er setzt auf die harte Linie, verkehrt die so gern propagierte freiwillige Rückkehr immer deutlicher in polizeilichen Zwang. Dabei vergißt Schönbohm, daß der Umgang mit Flüchtlingen auch über den Ruf einer Stadt entscheiden kann. SEITE 15 +++
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