Systemfrage

Berufspolitiker? Nein, danke! Serbiens Studenten-Experiment fordert Europas Volksvertreter heraus

Serbiens Protestbewegung hat ohne Parteiapparat gewonnen und stellt die klassische Volksvertretung infrage. Nun muss sie zeigen, ob Basisdemokratie auch einen Staat lenken kann.

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Anhänger der Studentenliste feiern in der Wahlnacht in Belgrad den Sieg über Aleksandar Vucic. Nun muss die Bewegung zeigen, ob Basisdemokratie auch regieren kann.

Anhänger der Studentenliste feiern in der Wahlnacht in Belgrad den Sieg über Aleksandar Vucic. Nun muss die Bewegung zeigen, ob Basisdemokratie auch regieren kann.

© Alexander Ryumin/IMAGO

Wer in den vergangenen Monaten bei Serbiens Studentenbewegung ein Interview anfragte, brauchte Geduld. Zuerst musste ein Plenum klären, wer überhaupt zuständig ist. Das konnte Tage dauern, manchmal Wochen.

Im Wahlkampf war diese Schwerfälligkeit ein Schutzschild. Die Medienmaschinerie von Aleksandar Vučić, dem früheren Präsidenten und jahrelang alles entscheidenden Mann im Land, suchte zwei Jahre lang nach einem Gesicht, das sie zerlegen konnte, und fand keines. Die Rechnung ist aufgegangen. Bei der Wahl am Sonntag errangen die Studenten die absolute Mehrheit im serbischen Parlament.

Ein historischer Sieg. In einem so kurzen Zeitraum hat es eine Protestbewegung von der Straße bis vor die Regierungsbank geschafft, gerade weil sie das klassische Modell der Repräsentation durch Parteien ablehnt. Daher stellt sich folgende Frage: Hat der Berufspolitiker als Volksvertreter ausgedient?

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