Es gibt Frisuren, die überdauern ganze politische Systeme. Der schwarze Pagenschnitt von Mireille Mathieu gehört dazu. Als die französische Sängerin 1966 erstmals in Ost-Berlin auftrat, war die Mauer gerade fünf Jahre alt. Am Freitag, dem 30. Oktober, kehrt der „Spatz von Avignon“ ein letztes Mal nach Berlin zurück. Diesmal ins Tempodrom, in eine längst wiedervereinte Stadt.
Mit 80 Jahren verabschiedet sich Mathieu unter dem Titel „Goodbye my Love Goodbye“ von ihrem deutschen Publikum. Bereits 2024 hatte sie angekündigt, keine längeren Tourneen mehr unternehmen zu wollen. Doch ganz ohne Bühne scheint die Französin nicht leben zu können. Am Mittwoch eröffnete sie ihre Abschiedstournee in Chemnitz, wo sie in der gut gefüllten Stadthalle begeistert empfangen wurde.
Mireille Mathieu: Ein französischer Weltstar in der DDR
Die Beziehung zwischen Mireille Mathieu und Deutschland ist eine besondere. Und sie begann lange vor der Wiedervereinigung. Bereits 1966 trat die damals 20-Jährige im Friedrichstadt-Palast auf. Sie gehörte zu jenen westlichen Künstlerinnen, die auch in der DDR willkommen waren. Internationale Stars waren dort keineswegs selbstverständlich. Ihre Auftritte ermöglichten dem Publikum Begegnungen mit einer Welt jenseits der Mauer.
Mathieu verkörperte französische Eleganz und große Gefühle – mit einer Stimme, die mühelos ganze Konzertsäle füllte. Sie sang von Sehnsucht und Liebe, vom Abschied und vom Wiedersehen. Themen, die auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze verstanden wurden.
Auch in der Bundesrepublik wurde sie zum Star. Mit deutschsprachigen Schlagern wie „Hinter den Kulissen von Paris“, „Akropolis Adieu“ und „An einem Sonntag in Avignon“ eroberte sie die Hitparaden. 1984 erhielt sie für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft das Bundesverdienstkreuz.
Eine Stimme, die Generationen verbindet
Wenn sie am Freitag, dem 30. Oktober, im Tempodrom auftritt, wird es nicht nur um Musik gehen, sondern auch um Erinnerungen an eine Zeit, in der französische Chansons zur deutschen Alltagskultur gehörten. Am 17. November soll Mathieus Deutschlandtournee im Leipziger Gewandhaus enden.
Das Berlin-Konzert am Freitag, 30. Oktober, ab 20 Uhr im Tempodrom, Möckernstraße 10, ist ausverkauft. Weitere Termine: Dresden 9. November, Leipzig 17. November.
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