Äußerungen zu Meinungsfreiheit

Kretzschmar wehrt sich gegen Kritik

Der frühere Handball-Star sieht eine Instrumentalisierung seines Interviews.

BLZ
3 Min
Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar

© dpa

Der 45 Jahre alte Ex-Nationalspieler hatte mit seinen Äußerungen in einem Interview bei t-online.de unter der Woche für Wirbel gesorgt.

„Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch? Es sei denn, es ist die Mainstream-Meinung, mit der man nichts falsch machen kann. Eine gesellschafts- oder regierungskritische Meinung darf man in diesem Land nicht mehr haben“, hatte Kretzschmar gesagt.

Daraufhin hatte etwa die AfD Heidelberg seine Äußerungen via Twitter weiterverbreitet. Kretzschmar erntete im Internet quasi einen Shitstorm für die Äußerungen, Kritik gab es auch aus der Politik.

Kretzschmar sieht Aussagen aus dem Kontext gerissen

Kretzschmar sieht seine Aussagen aus dem Kontext gerissen. „Zum Verständnis: Mir wurde im Interview die Frage gestellt: 'Warum gibt es keine Typen mehr, keine Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten?' Daraufhin habe ich geantwortet, dass ich jeden Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, verstehen kann, wenn er sich heutzutage nicht mehr kritisch äußert und demzufolge auch nicht mehr aneckt.“ Menschen, die sich in ökonomischen Abhängigkeiten (Arbeits- und Sponsorenverträge) befänden, hätten eben eine eingeschränkte Meinungsfreiheit.

Im Interview bei t-online.de hatte Kretzschmar etwa auch betont, dass er früher in der linken Szene unterwegs und teilweise auch unter Hausbesetzern in Friedrichshain gewesen sei. „Das hat meinen Charakter und meine politische Einstellung geprägt und es hat mich etwas vom Sport abgelenkt“, sagte der 218-malige Nationalspieler.

Dass Profis ihre Meinung zu politischen Themen nicht äußern dürfen, sieht Bob Hanning als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes für seine Sportart nicht so. „Unsere Spieler dürfen sich politisch äußern oder zu gesellschaftlichen Dingen Stellung beziehen. Ich will den mündigen und intelligenten Spieler, der den Ansprüchen genauso gerecht wird, wie die vielen Zuschauer, die uns unterstützen“, sagte Hanning der „Bild“. Es gebe keine Themenbeschränkung, aber gewisse Spielregeln.

Kretzschmar: „Eine zunehmende Verrohung“

Kretzschmar moniert im Zeitalter von Social Media jedoch „eine zunehmende Verrohung“. Jeder strebe inzwischen an, der perfekte Mensch zu sein. „Aber wie ist der perfekte Mensch? Aalglatt! Menschen machen Fehler. Nicht alle Menschen haben Germanistik studiert und deshalb drücken sich nicht alle immer perfekt aus“, sagte der gebürtige Leipziger, der schon in seiner aktiven Zeit immer eine klare Meinung hatte und oftmals auch angeeckt war.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Das sei heute für Sportler aber immer schwieriger. „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich mehr zutrauen, ihre Meinung häufiger zu sagen. Das macht Demokratie aus und belebt unsere Gesellschaft“, betont Kretzschmar, der in diesen Tagen als Botschafter bei der Handball-WM im Einsatz ist. „Und ich würde mir wünschen, dass dann nicht gleich wieder hundert Schlaumeier mit der Keule kommen, draufhauen und sofort wieder Meinungen per se verurteilen.“ (dpa)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner