Berlins Mauer gegen die AfD ist ein Schienendamm. Wie passend für die deutsche Hauptstadt. Wer die Ergebnisse der Abgeordnetenhauswahl auf einer Karte betrachtet, sieht entlang der Ringbahn eine politische Grenze. Innerhalb des Rings kommt die AfD bei den Zweitstimmen an der Urne auf 8,7 Prozent. Außerhalb sind es 24,4 Prozent.
Doch die für die AfD interessantere Grenze verläuft woanders. Denn während sie in weiten Teilen des Berliner Stadtrands längst Ergebnisse von 30, 40 oder sogar mehr als 50 Prozent erreicht, bleibt der Südwesten davon weitgehend unberührt. In Dahlem, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee ist die AfD auch 2026 vergleichsweise schwach. Es ist jenes bürgerliche Berlin, in das die Partei nun stärker vordringen will.
Wo die AfD unter fünf Prozent bleibt
Innerhalb des Schienendamms liegt ein Berlin, in dem die AfD teilweise fast verschwindet. Von der Manfred-von-Richthofen-Straße in Tempelhof zieht sich eine fast geschlossene Fläche gen Nordosten über den Chamissokiez und Graefekiez, den Oranienplatz und den Wrangelkiez bis zum Flutgraben an der Spree. Nach Süden reicht sie über Teile Nord-Neuköllns und das Tempelhofer Feld bis wieder an die Ringbahn. Auf mehr als zehn Quadratkilometern kommt die AfD hier auf gerade einmal 3,5 Prozent. Nur an vier kleinen Stellen wird die Fünf-Prozent-Marke durchbrochen. Am Oranienplatz ist die Partei praktisch nicht vorhanden. Vier von 413 gültigen Zweitstimmen gehen hier an die AfD. Das sind 0,97 Prozent.
Anderswo ist die politische Karte blau. Im Märkischen Viertel erreicht die AfD knapp 31 Prozent, im Falkenhagener Feld rund 33 Prozent. Im Osten der Stadt holt sie Werte wie in Sachsen-Anhalt: In Hellersdorf kommt sie auf 47,7 Prozent, in Marzahn auf 44,8 Prozent. In einzelnen Teilen Marzahns erreicht sie fast 60 Prozent.
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Die alte Grenze zwischen Ost und West erklärt das nicht. Auch innerhalb des Rings gibt es Ausnahmen: Im Thälmannpark in Prenzlauer Berg erreicht die AfD rund 30 Prozent, an der Barstraße in Wilmersdorf fast 20 Prozent. Beide Gebiete sind von großen Wohnanlagen und Nachkriegsbauten geprägt.
Der Südwesten wählt CDU
Wo große Hochhaussiedlungen Einfamilienhäusern, Villen und weitläufigen Parks weichen. Wo Wohnungslose eher eine seltene Erscheinung sind und Weihnachtsmärkte auch ohne aufwendige Sicherheitskonzepte auskommen. Dort, im Berliner Südwesten, verteidigt die CDU ihr letztes Bollwerk gegen die AfD. In Dahlem erreicht die AfD 9,6 Prozent, die CDU 37,1 Prozent. Ähnlich sieht es in Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee aus. Nimmt man die fünf Ortsteile mit Zehlendorf zusammen, kommt die AfD auf 12,1 Prozent, die CDU auf 32,6 Prozent.
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Dabei liegt dieses Gebiet außerhalb der Ringbahn. Im gesamten Berlin außerhalb des Rings erreicht die AfD 24,4 Prozent. In den fünf Ortsteilen im Südwesten kommt sie also nur auf etwa die Hälfte. Die CDU wiederum erreicht außerhalb des Rings insgesamt 18,2 Prozent. Im Südwesten liegt ihr Anteil fast doppelt so hoch.
Brinker will bürgerliche Wählerschichten gewinnen
Ausgerechnet hier hatte die CDU wenige Monate vor der Wahl eine ihrer schwersten Krisen erlebt. Der große Stromausfall im Südwesten und vor allem Kai Wegners Umgang damit beschäftigten die Berliner Politik monatelang. Im Juli zog er Konsequenzen und verzichtete auf eine erneute Spitzenkandidatur. Zwar legt die AfD auch im Südwesten zu: Im gesamten Bezirk Steglitz-Zehlendorf erreicht sie 10,9 Prozent der Zweitstimmen, 5,2 Prozentpunkte mehr als 2023. Der Abstand zu ihren Hochburgen bleibt gewaltig.
Die Linke hatte eine Kampagne, die AfD hatte Kristin Brinker
Wie schwer sich die AfD ausgerechnet in diesem bürgerlichen Milieu tut, zeigt Brinkers eigener Wahlkreis. Dort verbessert die Spitzenkandidatin ihr Ergebnis von 2023 um vier Prozentpunkte auf 9,3 Prozent und landet auf Platz fünf. Dabei ist der Versuch, diese Wähler zu erreichen, für Brinker kein neuer Kurs. Die Architektin und frühere Bankkauffrau bezeichnet sich selbst als liberal-konservativ und setzt als Landesvorsitzende stark auf Wirtschafts- und Haushaltsthemen. Nach der Wahl liefert sie selbst die Mängelanalyse: Berlin habe ein anderes gesellschaftliches Milieu als andere Bundesländer. Die AfD müsse künftig stärker den Mittelstand und bürgerliche Wählergruppen erreichen.
Der Schienendamm ist die deutlichste politische Grenze Berlins. Für die AfD aber nicht die entscheidende.
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