Die AfD hat den ersten Wahlgang der Landratswahl im Saalekreis gewonnen, aber das Landratsamt noch nicht. Ihr Kandidat Uwe Arendt lag am Sonntagabend nach Auszählung aller Wahlbezirken mit 43,26 Prozent vorn. CDU-Kandidat Sven Czekalla kam auf 36,63 Prozent. Beide treten am 28. Juni in der Stichwahl gegeneinander an.
Keiner der vier Bewerber erreichte die nötige absolute Mehrheit. Linke-Kandidatin Kerstin Eisenreich kam auf rund 13 Prozent, der parteilose Lars Zaruba auf rund sieben Prozent. Damit fällt die Entscheidung über die Nachfolge des parteilosen Landrats Hartmut Handschak erst drei Wochen nach dem ersten Wahlgang. Handschak hatte nach einer Amtszeit nicht erneut kandidiert und dies mit seinem Alter begründet.
Arendt erfreut über Ergebnis
AfD-Kandidat Uwe Arendt zeigte sich am Sonntagabend zufrieden mit seinem Abschneiden. „Ich habe hart dafür gearbeitet und freue mich über das Ergebnis“, sagte er dieser Zeitung. Für die Stichwahl kündigte er an, weiter auf direkte Kontakte zu setzen. Er werde „mehr auf die Leute zugehen“, sagte Arendt. Schon in der ersten Runde sei er bei Vereinen und in Betrieben gewesen.
Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wollte Arendt dem Ergebnis zumindest Signalwirkung nicht absprechen. „Ein bisschen Schwung kann man immer brauchen“, sagte er. Auf die Frage nach der nun anstehenden Stichwahl sagte Arendt: „Wir reden heute schon über das Morgen.“ Zugleich räumte er ein: „Ich hatte die Hoffnung, ich komme drum herum.“ 50,1 Prozent hätte er sich „natürlich“ gewünscht.
CDU zuversichtlich: AfD sei „komplett ausmobilisiert“
CDU-Landesgeneralsekretär Mario Karschunke wertete Czekallas Abschneiden am Sonntagabend trotz des Rückstands als achtbares Ergebnis. „Wenn man die Gesamtsituation sieht, ist es ein achtbares Ergebnis“, sagte Karschunke dieser Zeitung. Für die Stichwahl zog er eine klare Frontstellung: „Wer im Saalekreis jemanden wählt, der eine Verwaltung führen soll, der sollte CDU wählen.“ Es gehe nun „nur noch um die oder uns“. In der Stichwahl stehe „nur noch die CDU“.
Karschunke widersprach zugleich der Deutung, die Landratswahl sei bereits ein Stimmungstest für die Landtagswahl. Die Stichwahl beschrieb er dennoch als politische Richtungsentscheidung. „Schaffen wir es, Sachsen-Anhalt demokratisch in der Mitte zu regieren, oder überlassen wir es Rechtsextremen als Experimentierfeld?“, sagte er. Die AfD sei im Saalekreis bereits „komplett ausmobilisiert“. Für die CDU bleibe es trotzdem „ein dickes Brett“, das gebohrt werden müsse.
Linke besorgt über niedrige Wahlbeteiligung
Linke-Kandidatin Kerstin Eisenreich bewertete ihr eigenes Abschneiden trotz des verpassten Einzugs in die Stichwahl verhalten positiv. „Ich hatte mir für mich selbst ein zweistelliges Ergebnis vorgenommen. Daher ist es positiv“, sagte sie dieser Zeitung. Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sehen die Linke ebenfalls bei rund 13 Prozent.
Zugleich sieht Eisenreich im Wahlausgang eine Bestätigung der allgemeinen politischen Stimmung. Die geringe Wahlbeteiligung nannte sie „sehr dramatisch“. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl gab Eisenreich am Sonntagabend zunächst nicht ab. Darüber werde sich die Linke zunächst beraten, sagte sie.
Höhere Wahlbeteiligung als 2019
Die Wahlbeteiligung lag nach dem vorläufigen Endergebnis bei 49,30 Prozent. Damit fiel sie deutlich höher aus als bei der vergangenen Landratswahl 2019, als nur rund 32 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten. Dennoch blieb die Beteiligung niedrig: Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten gab auch diesmal keine Stimme ab.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: CDU sagt Klausur in Magdeburg ab
2019 hatte Handschak die Landratswahl bereits im ersten Wahlgang gewonnen. Der parteilose Politiker war damals nach dem Tod seines Vorgängers Frank Bannert gewählt worden. Bannert gehörte der CDU an und hatte den Saalekreis zuvor über Jahre geprägt.
Ruhiger Wahlkampf
Der Wahlkampf in diesem Jahr verlief über weite Strecken ohne harte persönliche Zuspitzung. In vielen Sachfragen lagen die Kandidaten näher beieinander, als es die Parteizugehörigkeiten zunächst vermuten ließen. Alle betonten die Bedeutung der Chemieindustrie, den Erhalt der medizinischen Versorgung und die Notwendigkeit einer leistungsfähigeren Verwaltung.
Unterschiede zeigten sich vor allem im Rollenverständnis. Czekalla trat als erfahrener politischer Netzwerker auf, der den Saalekreis stärker zwischen Kommunen, Land, Bund und Europäischer Union vertreten will. Zaruba stellte seine Verwaltungserfahrung in den Vordergrund. Eisenreich setzte stärker auf soziale Fragen und die Lage der Beschäftigten im Landkreis. Arendt besetzte vor allem Themen wie Sicherheit, Ordnung, Energiepreise und Kritik an politischen Rahmenbedingungen.
Sachsen-Anhalt: AfD Kandidat zu Vorwürfen zu Wahlkampf trotz Krankschreibung
„Merz versteht den Osten nicht“: Streit um die Zukunft des Chemiedreiecks in Leuna
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte im Wahlkampf AfD-Kandidat Arendt. Gegen den Kriminalhauptkommissar läuft ein Disziplinarverfahren wegen politischer Aktivitäten während einer Krankschreibung. Arendt weist die Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Kreiswahlausschuss wird bereits am Dienstag das Wahlergebnis offiziell feststellen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]