Am Vorplatz des Eastgate in Marzahn stehen sich am Mittwochabend zwei politische Lager direkt gegenüber. Auf der einen Seite feiert die AfD Marzahn-Hellersdorf ihren Wahlkampfabschluss, auf der anderen demonstriert die antifaschistische Initiative M6 Antifa gegen die Partei. Gegen 18 Uhr zählt die Polizei rund 120 Menschen bei der AfD-Veranstaltung und etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Antifa-Seite. Die Polizeipräsenz ist entsprechend hoch.
Die AfD tritt mit ihrem Wahlkampfteam und mehreren prominenten Parteivertretern auf. Auf der Bühne stehen unter anderem die Berliner AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker, die Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch und Christina Baum und die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré. Dazu kommen verschiedene Kandidaten aus Marzahn-Hellersdorf.
Vor der Berlin-Wahl in Marzahn-Hellersdorf: „Die Menschen haben die Schnauze voll“
In den Reden geht es um die bekannten Themen der Partei: Kritik an den etablierten Parteien, Migration und Abschiebungen. Immer wieder fällt der Vorwurf, die Politik kümmere sich nicht ausreichend um die Berliner. „Alles für die Ausländer, nichts für die Berliner“, heißt es von der Bühne.
AfD Wahlkampfabschluss am Eastgate Marzahn.
© Jacqueline Albrecht
Besonders deutlich wird Lena Kotré. Die brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete ist bekannt für ihre Teilnahme an Treffen von rechtsextremistischen Organisationen und Aussagen darüber, dass man Deutschland auf 60 Millionen Einwohner reduzieren und den Rest abschieben könne. Auch auf dieser Veranstaltung sagt sie klar: „Wir werden abschieben bis die Startbahn glüht.“ Wenig später ergänzt sie: „Wenn es sein muss, werde ich persönlich einen Pilotenschein machen, um diese Leute aus dem Land zu schaffen.“
Nur wenige Meter weiter sind gleichzeitig laute Rufe zu hören: „Ganz Berlin hasst die AfD.“ Die M6 Antifa hat ihre Gegendemonstration bewusst direkt neben dem Wahlkampfabschluss angemeldet. Die antifaschistische Initiative ist vor allem in Marzahn-Hellersdorf aktiv.
Marzahn wählt blau
Lisa M., eine der Organisatorinnen, nennt im Interview mit der Berliner Zeitung zwei Gründe für den Protest. Zum einen gehe es um die Stärke der AfD im Bezirk. Marzahn-Hellersdorf gilt traditionell als eine der Hochburgen der Partei. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD dort 31,2 Prozent der Zweitstimmen. Auch für die anstehende Wahl liegen AfD-Prognosen für den Bezirk deutlich über dem Berliner Durchschnitt.
Zum anderen wolle man eigene politische Themen setzen. Es gehe gegen das Kaputtsparen, Aufrüstung und Faschismus und für eine solidarische Nachbarschaft. „Wir wünschen uns, dass sich mehr Menschen antifaschistisch organisieren und merken, dass wir es sind, die gegen hohe Mieten, für höhere Löhne und für ein besseres Leben kämpfen, ohne falsche Versprechen zu machen“, sagt Lisa M.
Antifaschistische Gruppierungen vor dem Eastgate Marzahn. Sie protestieren gegen eine AfD-Wahlkampfveranstaltung.
© Jacqueline Albrecht
Auf der Gegendemonstration versammeln sich neben M6 Antifa unter anderem Mitglieder der Omas gegen Rechts, der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen und weitere antifaschistische Gruppen. Auf der Bühne steht unter anderem Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Sie betont, wie wichtig es sei, nicht nur bei großen Demonstrationen wie etwa vor dem Brandenburger Tor, sondern auch bei kleineren Veranstaltungen vor Ort zu sein.
„Übertönt die AfD!“
In ihrer Rede thematisiert Neubauer strukturelle Probleme und das Versagen der Bundesregierung. Eine Brandmauer allein reiche ihrer Ansicht nach nicht aus. „Wir müssen uns nicht in allem einig sein, aber wir müssen zusammenstehen, wenn es darauf ankommt“, sagt Neubauer. Dann richtet sie den Blick auf die Veranstaltung direkt nebenan und fordert die Demonstrierenden auf, die AfD zu übertönen. Die musikalischen Acts, die nach ihr auf die Bühne kommen, verfolgen dasselbe Ziel. Basslastige Musik und linke Texte schallen über den Vorplatz.
„Ich kann nachvollziehen, warum sie es geschafft haben“ – so reagieren die Berliner auf den Wahlsieg der AfD
Ob der Gegenprotest tatsächlich lauter ist, ist nicht eindeutig, da beide Seiten ihre maximal erlaubte Lautstärke von 90 Dezibel wahrscheinlich ausgereizt haben. Während die AfD-Politikerin Christina Baum spricht, unterbricht sie ihre Rede allerdings kurz, blickt zur Gegendemonstration und fragt sich: „Die werden ja immer lauter, was ist denn da los?“
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