Es ist kurz vor sieben Uhr morgens, als der Mann merkt, dass er nicht allein auf der Straße ist. Vor einem Gasthaus im japanischen Kurort Yugawara kreisen ihn mehr als zehn Affen ein. Dann beißen sie zu.
Die Bisse trafen Handfläche und Fingerspitzen, so schildert es der Sender NTV News unter Berufung auf Polizei und Feuerwehr. Der Anwohner in seinen Vierzigern kam am vergangenen Donnerstag ins Krankenhaus, verletzt wurde er nur leicht.
Die Gemeinde spricht gegenüber der Regionalzeitung Kanagawa Shimbun sogar von rund 15 Tieren. Überrascht hat der Angriff in Yugawara niemanden.
Affenbande T1: Diese Gang hat einen Behördennamen
Die Angreifer gehören zur „T1-Gruppe“, einer Horde Japanmakaken, die seit Jahren durch den Ort rund 90 Kilometer südwestlich von Tokio zieht. Einen eigenen Namen in den Akten der Verwaltung bekommt man nicht umsonst.
Die Präfektur Kanagawa zählte zuletzt 19 Tiere, 2016 waren es noch 36. Geschrumpft ist die Bande also. Dreister geworden ist sie trotzdem.
Affenangriffe im Alltag: mehr als 500 Vorfälle pro Affe
Die Gemeinde ließ 2025 rund 430 Anwohner und 18 Geschäfte befragen. Laut dem Ergebnis, über das dieselbe Zeitung berichtete, gab es allein 2024 genau 10.854 Schäden durch die Affen.
Rein rechnerisch geht damit jedes Bandenmitglied für mehr als 500 Vorfälle im Jahr auf die Straße. In 37 Fällen sprangen die Tiere Menschen direkt auf den Körper.
Eine Anwohnerin in ihren Sechzigern erzählte dem Blatt, sie habe ihr Haus schon nicht verlassen können, weil Affen es umstellt hatten. Ein Nachbar in seinen Siebzigern klagte, früher seien die Tiere weggerannt, wenn man näher kam. Heute blieben sie einfach sitzen.
Wie gelassen die Makaken sind, zeigen Aufnahmen des Senders TV Asahi: Ein Affe liegt rücklings auf einem Balkon und kratzt sich den Bauch. Die Polizei verschickt Affen-Warnungen per App, in schlimmen Phasen täglich.
Warum Yugawara die Affen nicht einfangen darf
Loswerden kann die Stadt ihre Plagegeister trotzdem nicht. Die Makaken der Region stehen laut Gemeinde auf der Liste bedrohter Tierarten der Präfektur. Ohne Genehmigung darf sie niemand fangen.
Bürgermeister Yoshifumi Naito trug deshalb am 15. Juli persönlich ein Schreiben ins Präfekturamt, wie die Town News berichtet. Er will die gesamte Gruppe einfangen lassen.
Die Präfektur zögert. Sie setzt bislang darauf, gezielt besonders aggressive Tiere herauszufangen. Schon im Dezember räumte ein Vertreter ein, die Menschen seien psychisch am Limit. Über einen Komplettfang müsse man aber sorgfältig beraten. Eine Entscheidung steht bis heute aus.
Bis dahin verteilt die Gemeinde Knallkörper und Raketen zum Verscheuchen. Die Wirkung hält laut der Regionalzeitung nur kurz an. Vor einigen Jahren versuchte man es sogar mit Erziehung: Gefangene Affen sollten lernen, dass Menschen gefährlich sind, und kamen danach wieder frei.
Was tun bei einem Affenangriff?
Die Gemeinde rät, den Tieren nicht in die Augen zu sehen und langsam rückwärts wegzugehen, ohne ihnen den Rücken zuzudrehen. Manche Affen gingen gezielt auf Frauen und Kinder los, auch ältere Menschen würden bedroht.
Füttern ist tabu. Die Polizei bittet, Abstand zu halten und bei Sichtungen den Notruf zu wählen.
In den Bergen von Nagano baden Japans berühmte Schneeaffen friedlich in heißen Quellen und lassen sich von Touristen fotografieren. Die Affen von Yugawara haben sich für die größere Wanne entschieden: die ganze Stadt.
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