Die US-Justiz hat zwei Forscher des staatlichen National Institutes of Health (NIH) wegen mutmaßlichen Schmuggels von biologischem Material angeklagt. Vincent Munster, Leiter der Abteilung für Virusökologie an den Rocky Mountain Laboratories im Bundesstaat Montana, und sein Mitarbeiter Claude Kwe seien der „Verschwörung zum Schmuggel sowie der Falschaussage gegenüber Bundesbeamten“ beschuldigt, teilte die Staatsanwaltschaft im östlichen Bezirk von Michigan am Dienstag mit.
Nach Angaben der Behörden wurden die beiden Wissenschaftler am 25. Januar 2026 am Flughafen Detroit kontrolliert. Sie kamen über Paris aus Brazzaville in der Republik Kongo, wo zu diesem Zeitpunkt ein Mpox-Ausbruch stattfand. Munster, niederländischer Staatsbürger, und Kwe, der aus Kamerun stammt, hätten gegenüber Zollbeamten angegeben, ein mitgeführter schwarzer Plastikkoffer enthalte Diagnose- und Testgeräte, wie es in der Mitteilung hieß.
Munster: „Ich mache das ständig“
Eine spätere Untersuchung durch die Bundespolizei FBI und die Zollbehörde CBP habe in dem Koffer 113 Fläschchen in Styroporbehältern zutage gefördert. Von 20 bislang getesteten Proben hätten 17 inaktiviertes Mpox-Virus enthalten, eine das Windpockenvirus und zwei weitere menschliche DNA, so die Staatsanwaltschaft. Eine Genehmigung zur Einfuhr habe nicht vorgelegen.
Laut FBI-Ermittlungsakten bestritt Munster zunächst, biologisches Material mitzuführen. Notwendige Dokumente seien auf seinem Laptop, „die brauchen Sie aber nicht. Ich mache das ständig“, soll er den Beamten gesagt haben, wie der US-Sender ABC News unter Berufung auf die Akten berichtet.
In der Gerichtsakte der Regierung wird dem Bericht zufolge nicht erwähnt, warum Munster und Kwe das inaktivierte Mpox-Virus überhaupt in ihr Labor bringen wollten. Das FBI wies jedoch darauf hin, dass beide Virologen seien, die umfassend zu Mpox geforscht hätten.
Scharfe Kritik am Vorgehen der Virologen
US-Staatsanwalt Jerome Gorgon erklärte laut der Mitteilung des Justizministeriums, die beiden NIH-Experten hätten offenbar „Gesetze gebrochen, indem sie virale Krankheitserreger in einem voll besetzten Linienflugzeug aus einem Ausbruch in der Republik Kongo geschmuggelt haben“. Weiter sagte er: „Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen“.
Marcus Sykes vom Generalinspektorat des Gesundheitsministeriums erklärte in derselben Mitteilung: „Jeder vorsätzliche Versuch, biologisches Material ohne entsprechende Genehmigung in die Vereinigten Staaten (...) zu schmuggeln, ist ein Bruch des öffentlichen Vertrauens und hätte die Öffentlichkeit gefährden können.“
Die NIH erklärte laut den Berichten von AP, AFP und Politico, sie kooperiere vollständig mit den Ermittlungsbehörden. Nach Bekanntwerden des Vorfalls im Januar seien Laborbereiche gesichert und Bestände überprüft worden. Eine Gefahr für Beschäftigte oder die Öffentlichkeit habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.
Mpox in Berlin: Zahl der Fälle hat sich stark erhöht
Rotaviren, Noroviren und Co.: Magen-Darm-Erreger in Berlin weiter auf dem Vormarsch
Mpox-Viren sorgten 2022 international für Schlagzeilen
Das Mpox-Virus wurde im Jahr 1958 erstmals bei Laboraffen in Dänemark nachgewiesen. Die Erkrankung, lange als Affenpocken bekannt, verursacht laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fieber, Muskelschmerzen sowie pockenähnliche Pusteln auf der Haut. Die meisten Erkrankten genesen vollständig, in einigen Fällen kann der Verlauf jedoch schwer sein.
Während des Ausbruchs im Jahr 2022 wurde sexuelle Übertragung als wichtiger Übertragungsweg nachgewiesen – in der Folge kam es zu Ausbrüchen in mehr als 70 Ländern, in denen Mpox zuvor nicht aufgetreten war. Auch in Berlin sorgten Fälle kurz nach der Corona-Pandemie für Schlagzeilen.
Im Jahr 2024 breitete sich das Virus insbesondere in Afrika aus. Der WHO wurden nach eigenen Angaben zwischen Januar und Ende Juli 2025 mehr als 34.000 bestätigte Mpox-Infektionen gemeldet, 138 davon endeten tödlich. Im Januar 2026 erklärte die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union, Mpox stelle wegen rückläufiger Fallzahlen keinen „öffentlichen Gesundheitsnotfall“ mehr dar.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]