AFGHANISTAN - In Deutschland wird über ein erweitertes Truppenmandat debattiert, eine neue Geberkonferenz tagt in Paris.

Milliarden für den Wiederaufbau

Axel Veiel
3 Min

PARIS. 65 Staaten und 15 Hilfsorganisationen haben gestern in Paris zugesagt, ihren finanziellen Beitrag zum Aufbau Afghanistans deutlich aufzustocken. Sechseinhalb Jahre nach dem Sturz des radikalislamischen Taliban-Regimes darf der afghanische Präsident Hamid Karsai bis 2011 mit rund 14 Milliarden Euro Aufbauhilfe rechnen. Allein die USA sagten bei einem Treffen der Geberländer für die nächsten drei Jahre 6,5 Milliarden Euro zu. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy kündigte an, sein Land werde die Hilfe bis 2010 auf 107 Millionen Euro verdoppeln. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bestätigte, dass Deutschland in den nächsten beiden Jahren 420 Millionen Euro beisteuern werde.Grundübel KorruptionDie 32 Milliarden Euro Aufbauhilfe, die Karsai in seinem in Paris präsentierten Fünfjahrplan einkalkuliert hat, sind das zwar nicht. Gemessen an der vorangegangenen Geberkonferenz 2006 in London, bei der das Ausland 6,8 Milliarden Euro versprochen hatte, kann er sich aber kaum beklagen.Zumal bei der unter Schirmherrschaft der UN ausgerichteten Zusammenkunft deutlich wurde, dass beim Wiederaufbau nicht zuletzt Karsai selbst gefordert ist. Da ist nicht nur der Kampf gegen die Korruption, der mehrfach angemahnt wurde. Wenn nach Erkenntnissen der Hilfsorganisation Integrity Watch Afghanistan von je 100 Euro finanzieller Hilfe nur 45 bei den Bedürftigen ankommen, dann auch deshalb, weil viele Geberländer angesichts der Bestechlichkeit vor Ort eigene kostspielige Strukturen unterhalten.Einzudämmen ist auch der Opiumhandel. Auch er untergräbt die gestern in Paris vielfach beschworene Stabilität am Hindukusch. "Afghanistan ist von einem Paria-Staat zu einem verantwortungsbewussten Mitglied der internationalen Gemeinschaft geworden", hat Karsai den Delegierten aus aller Welt zwar versichert. Er hat aber auch eingeräumt, dass der Drogenanbau neben der fehlenden Sicherheit nach wie vor ein großes Problem sei. Karsai machte auch Zusagen: Bis Ende des Jahres, kündigte er an, werde in zwei Drittel der afghanischen Provinzen kein Schlafmohn mehr angebaut.Am Tropf des AuslandesVon den Erfolgen im Kampf gegen Milizen, Korruption und Rauschgifthandel dürfte letztlich abhängen, in wie weit sich umsetzen lässt, was Geber wie Empfänger in Paris einhellig gefordert haben: die stärkere Einbeziehung der Kabuler Regierung in den Wiederaufbau des Landes. "Was wir suchen, ist ein neuer Pakt zwischen afghanischer Regierung und internationaler Gemeinschaft", sagte der UN-Afghanistanbeauftragte, Kai Eide.Wie sehr das Land weiter am Tropf der internationalen Gemeinschaft hängt, zeigt der Vergleich zwischen Bruttoinlandsprodukt und internationaler Finanzhilfe: Aus eigener Kraft erwirtschaftet Afghanistan jährlich 4,5 Milliarden Euro. Die in den vergangenen sechs Jahren ins Land geflossenen Hilfsgelder belaufen sich auf 9,7 Milliarden Euro.------------------------------Armes LandAfghanistan ist auch im Jahre sieben nach dem Sturz der Taliban ein armes Land. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 1 000 Dollar im Jahr.Mehr als 53 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Es fehlt an Wohnraum, sauberem Wasser, Elektrizität, medizinischer Hilfe und Arbeit.85 Prozent der Afghanen haben nach Angaben der Regierung Zugang zu elementarer medizinischer Versorgung. Die Lebenserwartung liegt aber bei nur 43 Jahren.80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Trotzdem benötigen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung Nahrungsmittelhilfe.Zur Schule gehen heute sechs der 13 Millionen Afghanen bis 13 Jahre - sechsmal mehr als in der Regierungszeit der Taliban. Gebäude haben nur 40 Prozent der Schulen.

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