Ababo Anate hat in den vergangenen Jahren alles verloren. Seine Gesundheit, sein Hab und Gut, seinen Studienplatz - und sein Aufenthaltsrecht in Deutschland. Und so wie es aussieht, wird er nichts davon zurückbekommen.1997 kam der inzwischen 43-Jährige nach Berlin. Von seinem Heimatland Togo war er zunächst zum Studium nach Russland gegangen. In Berlin wollte er seine Doktorarbeit schreiben. Doch daran ist längst nicht mehr zu denken. Seit fast sechs Jahren kämpft er gegen den Krebs - und gegen die deutschen Behörden. Die Ausländerbehörde hat seinen Pass eingezogen, an der Universität ist Anate exmatrikuliert worden. Die Aufenthaltserlaubnis endet heute. Von nun an droht ihm die Abschiebung.Der Afrikaner ist verzweifelt. Er muss mittlerweile an Krücken gehen. Der aggressiver Krebs, das Non-Hodgkin-Syndrom verbunden mit Knochenkrebs, streut Metastasen und frisst sich durch seinen Körper. Chemotherapie und Bestrahlung haben die Nerven angegriffen. Anate muss ständig Schmerztabletten nehmen. Bei der Erstdiagnose sagten die Ärzte: Überlebensdauer maximal ein halbes Jahr. Das war im Jahr 2002.Mit dem Warten auf den Tod und dem ständigen Kampf gegen die Krankheit hat die komplizierte Situation von Ababo Anate zu tun: Vom 27. November 2002 bis 8. April 2003 lag Anate in der Charité. Sein Doktorvater war darüber als Erster von der Klinik informiert worden. Denn genau in dieser Zeit hätte sich der Togoer an der Universität für das neue Semester zurückmelden müssen. Ohne weitere Nachfragen und ohne sein Wissen wurde der Afrikaner aber von der Humboldt-Universität exmatrikuliert. Wegen der Exmatrikulation wurde die bisher problemlos erhaltene Aufenthaltsbewilligung gelöscht - nach den Ausländergesetzen völlig rechtens. Das Studium ist es nämlich, das ihm den Aufenthalt mit allen Bedingungen ermöglicht - normalerweise. Auch die private Krankenkasse kündigte ihm. Dann wurde ohne Ankündigung, so Atane, seine Wohnung während des Klinikaufenthaltes durch einen Gerichtsvollzieher geräumt. Es verschwand alles - Bücher, umfangreiche Notizen zur Doktorarbeit, Identitätspapiere, Fotos aus der Kindheit. Ein vom Amtsgericht Wedding vorübergehend bestellter Betreuer besorgte dem Wohnungslosen schließlich eine Notunterkunft bei den katholischen Jesuiten. Wegen seiner ständigen Behandlungen hat sich der Afrikaner um Hilfseinrichtungen und andere Institutionen nicht gekümmert. Ihm fehlten Informationen.Inzwischen wohnt er in einer sozialtherapeutischen Wohnung. Er weiß nicht, wie es weitergehen soll. Eine Bekannte versucht ihn bei Behördengängen zu unterstützen. Sie hofft, dass die Härtefallkommission des Landes Berlin sich des Falles annimmt und ihm Behandlung und den weiteren Aufenthalt sichert.------------------------------Foto: Abano Anate droht die Abschiebung.
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