Afroamerikanischer Politiker lotet Chancen aus

US-Senator Obama will ins Weiße Haus

Olivia Schoeller
3 Min

WASHINGTON. Mit Spannung hat das politische Amerika darauf gewartet. Wie und wann, so spekulierte man in Washington, wird Barack Obama, der demokratische Senator aus dem Staat Illinois, seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt geben? Nach der Kongresswahl? Zu Neujahr? Am Martin Luther King-Feiertag an diesem Montag? Nein. Der 46-jährige Afroamerikaner macht es spannender. Er werde, so ließ er am Dienstag mitteilen, ein Komitee einsetzen, dass seine Chancen für eine Kandidatur ermitteln soll. Das ist ein übliches Prozedere in den USA und heißt in den meisten Fällen, dass der Politiker bereit ist, sich in den Wahlkampf zu stürzen. Im Fall Obama dürfte das Komitee schnell zur Erkenntnis gelangen, dass dieser zu den größten Hoffnungsträgern der US-Demokraten zählt.Wenn sich Obama definitiv für eine Kandidatur entscheidet, dürfte das vor allem für seine Parteifreundin Hillary Clinton problematisch werden. Obwohl die ehemalige First Lady und Senatorin noch immer als die beliebteste Politikerin unter den Demokraten gilt, kann ihr Obama gefährlich werden. Sein größtes Plus ist seine Opposition zu dem Krieg in Irak. Während Hillary Clinton 2002 für den Irak-Krieg gestimmt hat, musste Obama sich damals nicht entscheiden. Er arbeitet noch als Provinzpolitiker in Illinois. Doch aus seiner Opposition gegen den Krieg machte er nie einen Hehl, und auch heute fordert er einen Rückzug der US-Truppen aus Irak.Spannender WahlkampfDamit tut sich Hillary Clinton noch schwer. Während andere Demokraten, wie der Senator John Edwards oder John Kerry, ihre einstige Ja-Stimme für den Irak-Krieg schon seit langem als Fehler bezeichnet haben, hat Hillary Clinton noch nicht gewagt, den Krieg zu verurteilen. Allerdings erwarten Beobachter, dass sie ihre Position bald revidiert. Auf jeden Fall nimmt das Clinton-Lager Obama ernst, was einen spannenden Wahlkampf verspricht. Sollten sich beide als Favoriten halten, wäre das ein historischer Moment für die USA. Der Kampf um den Kandidaten der Demokraten wird zwischen einer weißen Frau und einem schwarzen Mann entschieden - das gab es noch nie.Noch führt Clinton. Sie hat nicht nur das meiste Geld in ihrer Wahlkampfkasse, sondern verfügt als Gattin eines Ex-Präsidenten auch über das Wahlkampfteam mit der meisten Erfahrung. Außerdem kann sie auf eine Reihe politischer Errungenschaften als Senatorin des Bundesstaates New York verweisen, von denen viele parteiübergreifend Zustimmung gewonnen haben.Obama hingegen ist ein eher unbeschriebenes Blatt. Er hofft auf einer Welle der Sympathie ins Weiße Haus getragen zu werden. Als Sohn einer weißen US-Amerikanerin und eines Kenianers, ist Obama in Hawaii aufgewachsen. Der Vater verließ die Familie, als der Junge zwei Jahre alt war, und die Mutter musste hart für die Karriere ihres Sohnes arbeiten: Barack Obama hat an der Harvard Universität in Boston Jura studiert. Nach seinem Studium wechselte er in die Politik und wurde in den Senat des Staates Illinois gewählt - nicht nur von Schwarzen, sondern auch von vielen Weißen.------------------------------Foto: Das Präsidentenamt fest im Blick: Barack Obama.

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