Einzelhandel

Nach tagelangem Ringen: Galeria-Beschäftigte erhalten doch Insolvenzgeld

Die Bundesagentur zahlt Insolvenzgeld. 9650 Galeria-Beschäftigte profitieren. Doch ein Teil der Belegschaft bleibt außen vor.

3 Min
Anfang Oktober hat die Kaufhauskette Galeria zum vierten Mal Insolvenz beantragt.

Anfang Oktober hat die Kaufhauskette Galeria zum vierten Mal Insolvenz beantragt.

© Sina Schuldt/dpa

Die Bundesagentur für Arbeit hat grünes Licht gegeben: Das Galeria-Insolvenzgeld fließt. Nach tagelangem Ringen steht fest, dass 9650 Beschäftigte der erneut insolventen Warenhauskette ihre ausstehenden Bezüge erhalten.

„Nach intensiver Prüfung des komplexen Sachverhalts besteht aufgrund der geltenden Gesetzeslage dem Grunde nach ein Anspruch auf Insolvenzgeld“, erklärte ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Sicher war das lange nicht – noch in der Vorwoche hatten sich Insolvenzexperten skeptisch gezeigt.

Warum das Galeria-Insolvenzgeld so lange auf der Kippe stand

Die Behörde ließ sich mit ihrer Zusage Zeit. Nach dpa-Informationen forderte sie beim Insolvenzverwalter mehrfach zusätzliche Unterlagen an. Als problematisch galt vor allem, dass die Nachwirkungen der Insolvenz von 2024 noch nicht ausgestanden sind. Galeria hatte den Betrieb zwischenzeitlich auf ein neues Unternehmen übertragen, das sich juristisch nicht in der sogenannten Planüberwachung befindet.

Ob dieser Übergang überhaupt einen Anspruch auf Insolvenzgeld begründet, war lange unklar. Gezahlt wird für 9650 Menschen. Das ist der Großteil, aber nicht die gesamte Belegschaft.

Insgesamt beschäftigt Galeria derzeit rund 11.250 Mitarbeiter. Für einen Teil davon – etwa die Gastronomie- und Lebensmittelsparte – läuft ein separater Insolvenzantrag. Diese Beschäftigten sind von der aktuellen Zusage zunächst nicht erfasst.

Wie hoch das Insolvenzgeld ausfällt

Insolvenzgeld entspricht in der Regel dem Nettolohn. Die Bundesagentur zahlt es einmalig für höchstens drei Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, normalerweise rückwirkend.

Der Anspruch entsteht erst, wenn das Verfahren offiziell eröffnet wird. Finanziert wird die Leistung über eine Umlage, die die Arbeitgeber tragen. Die Gehälter aller 11.250 Beschäftigten summieren sich dem Vernehmen nach auf knapp 25 Millionen Euro pro Monat.

Damit die Zahlungen zügig ankommen, soll das Insolvenzgeld über eine Bank vorfinanziert werden. Dafür treten die Beschäftigten ihre Ansprüche ab. Erst dadurch ist eine zentrale Voraussetzung erfüllt, um den Geschäftsbetrieb vorerst fortzuführen. Ihr September-Gehalt hatten die Mitarbeiter noch regulär vom Arbeitgeber bekommen, ausgezahlt Ende September.

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Vierter Insolvenzantrag in sechs Jahren

Am 2. Oktober stellte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag – bereits zum vierten Mal binnen sechs Jahren. Das Gericht ordnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren an.

Der Betrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter. Welche Standorte schließen müssen, ist offen. Zuvor hatte die Kette bereits 2020, 2022 und 2024 Insolvenz angemeldet. Dabei fielen viele Filialen weg, Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.

Den Antrag von Anfang 2024 stellte das Unternehmen noch als Galeria Karstadt Kaufhof. Vorausgegangen war die Krise des damaligen Mutterkonzerns Signa. Neun der seinerzeit 92 Warenhäuser mussten schließen.

Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Traditionsnamen Karstadt und Kaufhof verschwanden, der Sitz wanderte von Essen nach Düsseldorf.

Schon im April 2026 klagten mehrere Vermieter über ausbleibende Mieten. Im Juli stellte Galeria dann 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und kündigte Verhandlungen über die Mietkonditionen an. Mit dem jüngsten Verfahren will Galeria nach eigenen Angaben die Lage ordnen, das Unternehmen stabilisieren und eine tragfähige Zukunft vorbereiten.

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